Für 2014 hat sich Pinkstinks viel vorgenommen. Darunter sind sehr konkrete Sachen wie Lobby- und Theaterarbeit und Demonstrationen. Für 2014 haben wir uns aber auch etwas Grundsätzliches vorgenommen – und zwar die Jungen mehr in den Fokus zu nehmen. Vielleicht ist es euch schon aufgefallen: Neben dem Originalslogan, dass man Mädchen auf viele Weisen sein kann, findet sich seit einigen Wochen die gleiche Aussage über Jungen. Und das hat seinen guten Grund. Denn je länger wir uns damit auseinandergesetzt und dagegen angekämpft haben, dass Mädchen nicht als Prinzessin geboren werden, dass sie nicht hübsch, niedlich und still sein müssen, desto klarer wurde uns, dass diese Problematik auch Jungen betrifft. Die Schwierigkeiten entstehen für Kinder egal welchen Geschlechts und welcher Identität dadurch, dass ihre Umwelt mit Forderungen nach angeblich geschlechtsspezifischen Verhalten und klischeebehafteten Erwartungen an sie herantritt:

Verhalte dich so, wie es von dir erwartet wird, oder wir können dich nicht identifizieren und als eine/n der unseren anerkennen. Jede Form der Unidentifizierbarkeit werden wir dir als Weigerung auslegen und dich dafür persönlich zur Rechenschaft ziehen.

Jungen werden diesem Grundsatz ebenso unterworfen wie Mädchen. Wenn sie sich von diesen 15 Sekunden Werbeclips nicht angesprochen fühlen

werden sie genau wie Mädchen, die nicht Prinzessin spielen oder sich damit abfinden wollen, gefälligst still zu sein, gefragt was denn mit ihnen los sei. Und wenn Firmen dann doch einmal gezwungen werden, stereotype Werbebilder außer Kraft zu setzen, kommt man aus dem Augenreiben gar nicht mehr raus.

Daran wollen wir anknüpfen und daran arbeiten wir. Bilder entstehen zu lassen, die nicht mit Identifikationszwängen arbeiten, sondern mit Angeboten, für deren Ablehnung niemand einen Preis bezahlen muss. Im Zuge der Sexismusdebatte macht uns allerdings zunehmend ein Problem zu schaffen, mit dem wir uns herumschlagen müssen: dem Vorwurf der ungerechten Bevorzugung. In diesem Zusammenhang wird jeder Hinweis auf eine sexistische Praxis, unter der Mädchen und Frauen zu leiden haben, zu einem beabsichtigten Verschweigen über eine sexistische Praxis, die Jungen und Männer betrifft. Die Möglichkeit, dass an unseren und anderen Vorwürfen etwas dran sein könnte, wird abgeschmettert, weil dadurch andere Vorwürfe in Abrede gestellt werden. „Keiner redet von Sexismus gegenüber Männern!“

Doch, darüber wird andauernd geredet. Glücklicherweise nicht nur so plump und eindimensional wie hier. Stattdessen reden wir darüber, wenn wir zum Beispiel die Almased Werbung kritisieren.

Die eine muss darin in einer ganz bestimmten Art und Weise gesehen werden wollen und die anderen müssen in einer ganz bestimmten Art und Weise sehen wollen. Auf das eine hinzuweisen, schließt das andere nicht aus. Im Gegenteil:

Sexismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem bei dem wir alle im selben Boot sitzen. Dieses Boot ist an vielen Stellen leckgeschlagen. Es macht keinen Sinn, sich darüber aufzuregen, dass jemand „nur“ da das Boot ausbessert, wo Frauen und Mädchen sitzen. Jedes Leck ist eines zu viel.

Nils Pickert

(Illustration: Johannes Koch. T-Shirts und Bodies dazu im Shop!)