Es wurde im Regen gelacht, getanzt und dabei Kuchen mit lilafarbener Glasur verdrückt. Kamerateams filmten Mädchen, die sich TOP fanden, grandiose Singstimmen, coolen Poetry-Slam und bunte Luftballons. Was unser Protest ausdrücken sollte: Nicht verbissen unerreichbaren Idealen nachzueifern oder zu fiebern, ob Nathalie wieder fertig gemacht wird. Sondern mit Freund*innen zu feiern, wie schön wir alle sind, wie wunderbare Körper wir haben und was die alles können.

Heidi hatte sich schon im Vorfeld über uns aufgeregt. Auf der Pressekonferenz in Köln wollte sie die drei Finalistinnen vorstellen, musste stattdessen Fragen zu Pinkstinks beantworten. Die Medien berichteten ausgiebig über unser Event, aber noch schöner war die Möglichkeit, unsere Botschaft mit diesem grandiosen kleinen Film in die Welt schicken zu können. Für den Song dazu nochmal an Sookee und Springstoff einen riesen Dank!

Nun ist wieder ein Stück mehr Kritik, sind einige alternative Mädchenbilder mehr in der Netzwelt unterwegs, und verbreiten ihre Wirkung. Danke an alle Mitwirkenden, Spender*innen und Förder*innen, die dies möglich gemacht haben! Natürlich bleiben wir dran und kommen bald wieder mit neuen Ideen, wie wir gegen die normierenden Vorstellungen der Modewelt agieren können. Jetzt verschnaufen wir erst mal kurz.

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Und wie versprochen möchten wir mit Euch die Freude über die Gedichte teilen, die bei uns eingegangen sind, in denen junge Frauen ihre Gedanken zu GNTM ausdrückten. Hier die acht schönsten! Danke dafür! Die Gewinne sind unterwegs.

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[toggle title=“1. Preis: Modelmama von Claire Stark (16 Jahre)“]
Mutter schenkte mir das Leben,
Mutter schenkte mir die Zeit,
Hat mir so viel gegeben;
Dann war ich soweit,
Der Welt dort zu begegnen.

Mutter lobte meine Stärken,
Mutter half bei Schwächen ab,
Mutter stand zu meinen Werken,
Mutter schätzte meine Tat.

„Sei, wer du bist“,
„Hör auf dein Herz“,
„Pass auf, wen du küsst“,
„Vertrau deinem Schmerz“,
Das sind Mutters Sätze,
Das sind Mutters Schätze.

Mutter hört mir immer zu,
Mutter lässt mir auch mal Ruh’.
Heidi,
Wessen Mutter bist denn du?
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[toggle title=“2. Preis: Fernsehabend von Wanda (18 Jahre)“]
Komm, schauen wir zusammen GNTM
und fühlen uns dabei ein bisschen elitär
komm, wir lachen über andrer Leute Jugendträume
und trinken jedes Mal, wenn eine von den dummen Ziegen heult

ein Glas für Kleidergröße 36
ein Glas für Körbchengröße A
ein Glas für „nur die Besten kommen weiter“
ein Glas für „wer nicht hungern will, der fliegt“

Komm, setz dich mit hier her aufs Sofa
denn hinter den Kulissen gibt es Zickenkrieg
komm, wir lachen über andrer Leute Lebensträume
kaum zu glauben, wie oberflächlich manche Menschen sind

ein Glas für „Ich bin nicht mehr deine Freundin“
ein Glas für „du fliegst eh als nächste, fette Kuh“
ein Glas für „manchmal denke ich an Selbstmord“
lol, was die so alles sagen für den Ruhm

Komm, schauen wir zusammen das Finale
da wird es immer ganz besonders schlimm
komm, wir lachen über andrer Leute Scherbenträume
ich hab auch extra noch zwei Flaschen mehr gekauft

Wie, was meinst du, was soll daran falsch sein?
ham’s doch alle selber so gewollt
und lass den Quatsch mit „Schuld ist die Gesellschaft“
dass du auch immer gleich politisch werden musst

Ich will heute nicht denken, ich will saufen
und dazu ist mir jeder Vorwand recht
und sowieso, was die da machen, kann man doch nicht ernstnehmen
Das sind doch keine Menschen, das sind Models!
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[toggle title=“3. Platz: GNTM Gedicht von Felicia Brembeck (Fee)“]
Du musst wie eine weiße Leinwand sein!
Dann passt du in jede „Attitude“ und in jedes Design.
Wir wollen leere Gesichter und kein Kilo zu viel,
du musst Opfer bringen auf dem Weg zum Ziel!
Zeig nie dein wahres Gesicht,
Authentizität wollen wir hier nicht.
Pass in die Norm, du musst wandelbar sein!
Wenn du bleibst, wie du bist, hörst du irgendwann ein „Nein“.
Hattest du ´ne eigene Meinung, find alles super am Ende der Staffel,
Warst du schüchtern, tu als hättest du einen an der Waffel!
Schmeiß deine Moral über Bord, zeig vor niemandem Respekt,
es sei denn es geht um die Jury, da benimm dich perfekt!
Zieh dich in der Kirche aus als ob´s ne Stripbar wär!
Und wenn der Fotograph es will, hast du beim Shooting halt Geschlechtsverkehr!
Natürlich wollen wir Ästethtik, deshalb zieh den Fummel an,
doch vergiss nicht, dass uns die ewig Brave nicht unterhalten kann!
Zwischendurch wollen wir Gezicke, Tränen und viel Lästern,
Bewundernd zu Schönheiten aufschauen? War gestern!
Heute wollen wir, dass die Jury zu dir sagt, du seist zu fett,
dann fühlt man sich als ob man selbst nicht noch viel breitere Hüften hätt.
Wir fühlen uns gut, wenn die Modelmama dich zum Heulen bringt,
wir schauen gerne zu, wie man dich zu Shootings mit Spinnen zwingt.
Aber denk ja nicht, wir wollten deshalb nicht trotzdem alle sein wie du,
was meinst du, warum schaut dir ganz Deutschland sonst beim Laufen zu?
Deutsche Mädchen liegen laut Statistik im Normalgewicht,
aber zufrieden sind sie mit ihren Körpern dank GNTM nicht.
Seit du und Heidi vor Millionenpublikum im TV zickt,
Halten sich mehr als die Hälfte unserer Teenies für zu dick!
Jedes Jahr bewerben sich wieder hunderte von uns, da sei die Frage doch gestellt:
Wie viele Models braucht sie eigentlich noch, diese Welt?
Jedes Mädchen, dass seine Schule abbricht,
das vor laufender Kamera in Tränen ausbricht,
das seinen eigenen Körper mit Ekel betrachtet,
das magersüchtige Fashion-Week-Girls anschmachtet,
jedes einzelne Mädchen davon ist eines zu viel.
Deshalb lasst uns Topmodel kündigen im Topmodelstil:
Wir sehen keine Entwicklung, deine „Attitude“ ist lächerlich.
Drum, Heidi, haben wir leider kein Foto für dich!
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[toggle title=“4. Preis: So wie ich bin von Laura Stattkus (16 Jahre)“]
Ich könnte Kotzen
Weil ich es will, nicht, weil ich muss
Ich kotze nicht, um schön zu werden
Ich kotze nicht für den Anschluss
an eure kleine, pinke Welle
die wächst durch Medien, Macht und Frust

Ich kotze rosarote Farbe
Auf eure Promimagazine
Ich will beides nicht mehr sehen!
Alles nur dieselbe Schiene
Zwischen Modeln und Berühmtsein
ist kein Platz für Schokolade
Um endlich mal „perfekt“ zu sein
nehmt ihr 3 Erbsen auf die Gabel

Was bin ich denn – ein Mädchen oder eine Konfektion?
Viel zu lang stelle ich mir diese eine Frage schon Denn wenn ich „hübsch“ bin – schmale Hüften und die Beine dünn wie Stroh Bin ich zwar auf eurer Seite Aber lange noch nicht froh!

Seit wir kleine Mädchen sind
ist alles rosa, was wir sehen
Wird’s nicht Zeit sich mal zu lösen,
die eignen Wege langzugehen?
Ja, ich will frei sein, Anerkennung,
und werde meine Fäuste heben!
Ihr seid dabei – doch seid zu dürr.
Niemand kann eure Fäuste sehen

Warum hört ihr auf die, die sagen,
wie ihr zu sein habt?
Das Leben ist bunt und wundervoll –
doch ihr zählt Kalorien ab
Ihr glaubt Schönheit ist ein Wert,
weshalb ihr euch so furchtbar plagt
Und deshalb spät nachts weinend an einer Reiswaffel nagt

Letzten Endes aber kann ich euch die Entscheidung doch nicht nehmen
Geht ruhig hungern, kotzen, modeln
Doch ich bleibe wunderschön
So wie ich bin
Und ihr seid es auch
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[toggle title=“5. Preis: Wahre Schönheit von Tomna“]
Sie, die Größte unter den Großen,
die sich Auskennende, die Ahnungsvolle
bezaubernde, bewundernswerte Frau, mein Idol
steht mir nach so langer Zeit des Wartens und Hoffens nun endlich gegenüber
und offenbart sich mir:
Komm in meine Welt, mein Kind<< ,sagt sie
Ich reiche dir meine Hand und schenke dir mein Lächeln.
Du kannst mir vertrauen!
Schließe deine Augen und lass es geschehen.
Hab keine Angst. Ich mache dich wunderschön.
Ich bin sozusagen deine gute Fee.
Du musst mich dafür nur in dein Bewusstsein lassen.
Hör nicht darauf, wenn deine innere Stimme dir sagt “ du bist gut wie du bist“.
Sie blendet dich. Sie hat keine Ahnung von der wahren Schönheit.
Entdecke meine Welt, mein Kind
und du wirst sie nie wieder verlassen wollen.
Glamour, Glanz, Luxus, Klamotten in Hülle und Fülle,
alles was du dir je erträumt hast;
Du wirst eine Prinzessin sein!
Hab keine Angst davor die Hüllen fallen zu lassen,
ich versichere dir, mit den Kilos wird die Scheu schwinden.
Die Männerwelt wird dir zu Füßen liegen!
Ich zeige dir die wahre Schönheit,
die Schönheit für die du geboren wurdest.
Du musst dich mir nur anvertrauen,
mich als deine Autorität anerkennen
und ich werde deine Macherin sein.
Vergiss Gottes Moral.
Wir sind nicht als Unikate auf die Welt gekommen,
noch lange nicht perfekt.
Bis dorthin ist es ein langer Weg.
Wer schön sein will muss leiden und opfern.
Geb dich auf und lass mich dich neu erschaffen.
Ich bin dein Licht, dein Weg,
wenn du mir folgst wirst du die wahre Schönheit erlangen.

Ich befolgte ihre Forderungen.
Machte sie zu meiner Autorität.
Sie wüsste schon was zu tun,
was das Beste sei, für mich.
Die wahre Schönheit, wer will sie nicht?
Ein Leben in Bewunderung badend,
voller Aufmerksamkeit getränkt.
Doch endete dieser Weg nicht in der prophezeiten Utopie,
sondern in der Hölle,
vollgestopft mit Bulimie, zwanghaften Kontrollen,
Verkauf der Unschuld des Körpers und der Seele.
Ich plädiere auf das Ende dieser falschen Philosophie,
des Todesengels von Victorias Secret.
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[toggle title=“6. Preis: Der ungeschminkte Schmerz von Helena Weitzel (19 Jahre)“]
Mein Job ist das, was man sieht,
Nicht das, was tief in mir geschieht.
So verkauf‘ ich mich für Scheine,
Doch reicht’s mir nicht aus,
Brauch‘ nen flachen Bauch & lange Beine.

Klack, klack – der Kamera schenk ich einen Kuss.
Für die Glamour tu ich alles, was ich muss.
Der Fotograf ruft: mach auf crazy, mach auf happy.
Ich wälz mich auf Betten, fühl‘ mich eher Deppy.

Der ewige Schwindel zieht mich runter,
Manch‘ ein Tablettchen macht mich munter,
Doch das heilt nicht Seele und Herz,
In mir tobt ein unterdrückter Schmerz,
Der Stress- der ist ein böser Geist,
Der immer mehr von meiner Power speist.
„Jury, ich will gewinnen“ heißt: „ich bin bereit zu leiden“,
Sie erinnern mich: Andere Mädchen würden mich beneiden.

Glitzer, Glitzer, Blitzgewitter: wer ist dünner, wer ist dicker?
Flimmer, Flimmer, Lichterglimmer: Essen sollt ich nie & nimmer.
Goldleuchtend ist mein Kleid, das so im Kameralicht scheint.
Weiß ist mein Gesicht, da unter der Makeup-Schicht.

Catwalk, people! Ich spür die tötenden Blicke,
Von der einen oder anderen schönen Zicke.
Dort auf der Bühne schieb ich ne große Nummer,
Doch in mir wächst der Schmerz und Kummer.

Nächster Termin – man wartet sicher nicht.
Ich will dahin –mitten ins Scheinwerferlicht!
Unheimlich, ihre mikroskopischen Blicke,
Ich schluck es runter – bis ich daran ersticke.

Sie finden mich nicht haute couture.
Was ist das- Ein Pickel? Ein Geschwür?
Sie lachen kurz, was ein dummes Gekicher,
Ich bin ein Highheel -Kartenhaus- so verdammt unsicher.

New York, München, Paris
Ich, die Prinzessin im Modelparadies.
Das war einst mein Traum,
Wohl eher ne Blase im Seifenschaum.

Zwei Tage hab ich nichts gegessen.
Wie konnt‘ ich das vergessen?
Schön und Reich- das will ich sein
Zum Leben sag ich deshalb nein.
Denn ein langes Leben schätzt man nicht,
Sondern das mit hübschem Gesicht.
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[toggle title=“7. Preis: Vergebene Kämpfe? von Marie Rodewald (24 Jahre)“]
Wenn für Mädchen nur noch Schönheit zählt,
warum gehen wir dann in die Schule?
Wenn für Mädchen nur noch jung sein zählt,
ist unser Leben dann mit 30 vorbei?
Wenn für Mädchen nur noch dünn sein zählt,
wird jede Mahlzeit dann zur Qual?
Was haben unsere Mütter gekämpft?
Damit Mädchen wählen dürfen
Damit Mädchen an die Uni können
Und eine Hochzeit nur aus Liebe möglich wird
Was haben unsere Mütter gekämpft?
Damit wir endlich ernstgenommen werden
Damit uns endlich alle Tore offen stehen
– So viele Wege und unendliche Möglichkeiten
Doch wenn für Mädchen nur noch Schönheit zählt,
wenn für Mädchen nur noch jung sein zählt,
wenn für Mädchen nur noch dünn sein zählt,
Warum haben unsere Mütter dann gekämpft?
Heidi, warum haben unsere Mütter dann gekämpft?
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[toggle title=“8. Preis: Einmal hoch und wieder runter von Dorina M. Schermer (24 Jahre)“]
Alleine sitze ich Zuhaus. Die Sonne scheint und ich will raus. Hab schon dem dritten Freund geschrieben und ich warte bis halb sieben. – Sonne fort und auch die Lust. Der Tag, er endet nur mit Frust. Gedanken spieln sich in mir ab. Warum hat es nicht geklappt? Sie hätten mir doch schreiben können. Auf Facebook steht sie waren grillen. Ohne mich. Ich bin traurig oder sauer, zieh mich zurück und bau ne Mauer, die mich ab sofort beschützen soll. Ich lerne lächeln hinter Türen. Versuch zu sein wie ich nicht bin. Die Glotze gibt mir wieder Sinn. Ich zieh mir die Sendungen nur so rein und obwohl ich weiß es ist nur Schein, würd ich gern genauso sein. Ich seh wie Mädchen in meinem Alter, groß und schlank und glücklich sind. Manche sind ja fast noch Kind und trotzdem sind sie mehr als ich. Wie kann das sein? Das frag ich mich. Mir scheint, als müssten Mädchen Reize zeigen, so das andere beneiden wie beliebt sie immer sind. Selbstbewusst die Hüften schwingen in den engsten Kleidern tanzen, dann bin ich Mittelpunkt des großen Ganzen. Ich frag mich plötzlich Ganz im Stillen, ob ich wohl den Willen hätte so zu werden. Mein Leben liegt doch eh in Scherben, was also hab ich zu verlieren? Mit wenig Essen und mehr Sport wird dann aus mir ein Super-Chick. Aufgedreht und ausgeflippt. Die werden staunen, mich beneiden, wolln sich immer mit mir zeigen. Haare schön und kurze Kleider und ich bemerk die ersten Neider und die Ärzte die mich warnen, dass mein Körper Ruhe braucht. Doch jetzt erst fühl ich mich gewollt, überall bin ich dabei. Ab und zu ein leiser Schrei aus meinem Innern, doch das kann ich überhören, der Spaß Männer zu betören hab ich nun für mich entdeckt. Es ist ne Sucht dies Spiel zu spielen und dabei rein nichts zu fühlen. Das Glück bleibt mir jedoch verwehrt, Zweifel kommen mir vermehrt. Was ist es wirklich Wert dafür zu leiden? Wie lässt sich dieser Schmerz vermeiden? Ein Glas Wein um gut zu schlafen. Ich kann mich nicht mehr kontrollieren, ich wollte mich nur ausprobieren. Ich bin am Boden, fühl mich schlecht, ich fühl mich nicht mehr richtig echt. Ich wein mich langsam in den Schlaf und noch mit Tränen im Gesicht, sehe ich ein helles Licht, in dem sich jede Farbe bricht. So friedlich schön und Herzzerreißend. – Als ich erwache hab ich schmerzen, nicht so schlimm wie die im Herzen und ich erkenn was wichtig ist. Meine Familie um mich rum, sie haben mich zu sich genommen, bereit mich wieder aufzufangen. Ich war in einer Welt gefangen, die nicht meine eigene war und nach und nach wird mir erst klar, dass ich bereits genug gut war, bevor ich diese Sendung sah.[/toggle]
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Fotos: Christina Palitzsch