Es ist frustrierend: Die Welt erlebt ihren zweiten Weltmädchentag, und wie im letzten Jahr sehen wir ihn in pink. Das Ozeaneum in Stralsund, der Hamburger Michel und das Schweriner Schloss, um nur einige Gebäude zu nennen, werden von Plan International „pinkifiziert“, wie sie in ihrem Newsletter stolz verkünden. Es ist ja nicht so, als ob Plan International nicht stolz sein könnte. Die Genfer Konvention für Menschenrechte hat endlich eine Resolution zur Zwangsheirat veröffentlicht, an der Plan mitgewirkt hat. Plan fördert Mädchenfußball in Entwicklungsländern, kämpft gegen Genitalverstümmelung und Menschenhandel. Das alles manchmal mit zu vielen Bildern von ach so süßen kleinen Mädchen mit großen, hilflosen Augen. Aber im Großen und Ganzen ist Plan eine Organisation mit großer Transparenz, die einiges bewirkt hat.

Zusammen mit UNICEF hat Plan für diesen Weltmädchentag gekämpft. Dass die zum ersten Weltmädchentag stolz Eva Padberg als Patin ernannten, haben wir im letzten Jahr schon kritisiert. Ein „Topmodel“ mit Castingshow, die, ebenso wie GNTM, überzogene Schönheitsideale propagiert, wirkt nicht eben passend als Patronin. Schon gar nicht, da gerade der weiße, schlanke, blonde Typ auch in Asien, Südamerika und Afrika immer mehr zum Ideal wird, in den Frau mit kostspieligen Hautaufhellen, Färben und Diäten investiert. Es wirkt borniert und ignorant. Genauso ignorant scheint es uns, stolz auf die „Pinkifizierung“ Deutschlands zu sein, der wir seit über einem Jahr entgegen wirken möchten. Gender-Marketing wird einmal mehr durch Plans Aktionen legitimiert. Und Gender-Marketing limitiert die pinke Mädchenwelt auf Vorbilder wie Eva Padberg.

Nun wird Plan argumentieren, dass man Pink ja umdeuten könne: Zu einer starken Mädchenfarbe, die für Mädchen steht, die zur Schule gehen und Fußball spielen, ihren Ehemann selber wählen und Berufe ergreifen können. Egal wie sehr man eine Farbe umdeutet: Sie bleibt für das andere Geschlecht tabu, das ist ja die Idee bei der Farbkodierung. Jungen, die pink lieben, bleiben „verweiblicht“ und müssen mit umso mehr Coolness und Blau dem entgegen wirken. Mensch, Plan: „Because I am a girl“ ist doch ein schöner Slogan. Den vor Scheinwerfer zu schalten und auf Gebäude zu projizieren wäre doch auch eine effektive Möglichkeit, eure Botschaft zu verkünden und Fundraising zu betreiben. „Mädchenrechte“ würde es auch tun. Dass es euch heute um Mädchen geht, nicht um Jungen, ist klar und verständlich. Die Farbe aber reproduziert eine Dichotomie, um die es heute eben nicht gehen sollte.

„Unser Pink hat mit der Kommerzialisierung und Verniedlichung, die Sie meinen, nichts gemein. Auch in den Programmländern von Plan, wo Diskriminierung auf ganz anderen Ebenen stattfindet und eben nicht in der Spielzeugwarenabteilung, führt das Pink unserer Kampagne zum Ziel: Es sorgt für Aufmerksamkeit für die Belange von Mädchen“, schrieb Plan als Antwort auf unsere Kritik. Auch der Rest des Schreibens zeigt, dass Plan nicht sieht, worum es uns geht. Sicher nicht um eine Diskriminierung, die nur in der Spielzeugabteilung stattfindet.

Plan ist nicht alleine. MINT:Pink ist die Initiative der Körber-Stiftung und der Hansestadt Hamburg. Wieder ein wichtiges Anliegen in der reduzierenden Farbe. Der dazu gehörige Promotion-Mercedes ist in Pink und Mint lackiert: Haha, witzig! Gender-Marketing ist somit schon bei Organisationen angekommen, die für Mädchenrechte kämpfen. Sie alle brauchen Geld und Aufmerksamkeit, das ist nachvollziehbar und verständlich. Es wäre nur wirklich wunderbar, wenn sie etwas mehr darüber nachdenken würden, dass sie die Türen, die sie öffnen möchten, von der anderen Seite wieder verschließen.

Mintberufe sind nicht süß, niedlich und sexy, und Kampagnen der EU oder Großbritannien haben gezeigt, dass die Assoziation von MINT mit traditionell weiblichen Images wie High Heels oder Lippenstift Mädchen nicht für MINT begeistert – deshalb wird es Pink ebenso wenig tun. Erst, wenn Mädchen Studiengänge wählen weil es ihnen wurscht ist, ob man das als Mädchen macht oder nicht, werden wir einen Anstieg in den MINT-Berufen verzeichnen. Wenn wir Mädchen wirklich stark machen wollen, sollten wir aufhören, ihnen eine Farbe zuzuweisen, die Männer nicht haben dürfen. Im Gegenteil: Pink für Alle – MINT für alle.

Stevie Schmiedel

(Foto: Titelbild des gleichnamigen Buches von Nathalie Hense in dem thematisiert wird, wie die Farbe rosa nicht alle Mädchen anspricht, somit auch nicht für sie spricht, und wie sie Jungen verwehrt bleibt.)