Was lange nervt, wird endlich Text: Schon seit geraumer Zeit werden wir immer wieder auf die Werbeaktionen und Firmenpolitik der Unternehmensgruppe Theo Müller aufmerksam (gemacht). Zur Klarstellung: Das sind die mit der Müllermilch, die aber auch noch viele andere Produkte herstellen. Zu Verständniszwecken werden wir in dieser Pinkwatch einfach von Müller sprechen. Aber wo fangen wir nur an?! Bei der Unternehmensstruktur (Kommanditgesellschaft mit Sitz in Luxemburg) und der Steuerflucht bei gleichzeitigem Kassieren von deutschen Subventionsgeldern? Bei dem Druck, der vom Konzern auf Milchbauern und  -bäuerinnen ausgeübt wurde, um die Marktpreise zu beeinflussen? Oder bei den gewaltätigen Übergriffen auf Demonstrant*innen beim Protest gegen gentechnisch verändertes Futtermittel für Milchkühe (im Zuge dieser Auseinandersetzung erstritt sich Greenpeace das Recht, Produkte von Müller als Gen-Milch bezeichnen zu dürfen)?

Das wären sicher alles Themen, bei denen es sich lohnen würde, genauer hinzuschauen. Allerdings sprengen sie auch eindeutig den Rahmen dessen, was wir mit Pinkstinks leisten können. Bleiben wir also bei unseren Leisten. Bleiben wir bei der Werbung von Müller. An der gibt es einiges zu kritisieren, denn wie eingangs erwähnt: Müller nervt schon länger. Zum Beispiel in den 90igern mit der sexualisierten Darstellung von Frauen und „Schönheitskuren von Innen“.

Oder später in den Nullerjahren, als man sich für Dieter Bohlen als Testimonial und für drei Frauen als Plastikbecher entschied.

Bohlen

Im dazugehörigen Clip wurde dem Mann die Plattform geboten, sich über seine ehemalige Lebensgefährtin Nadja abd el Farrag lustig zu machen. Das *Piep* ganz am Schluss ist das Ergebnis eines Rechtsstreits, mit dessen Ergebnis Müller ausgesprochen unsouverän umgegangen ist: Statt zuzugeben, dass man sich zu weit aus dem Fenster gelehnt und auf die falsche Person gesetzt hat, zieht man es halt irgendwie durch. Hat ja schließlich auch Geld gekostet. So wie dieser Spot zur „Macht nur schön!“ Kampagne.

„Ironischer“ Sexismus auf Mario Barth „Brüller“-Niveau: Kennste, kennste die geile Blondine. Pass uff, jeht noch weita. Die kricht die Dose nich uff.
Überhaupt Humor: Wäre es nicht total lustig, in Krisenzeiten auf die wirtschaftliche Situation von Griechenland anzuspielen?

https://www.youtube.com/watch?v=RArI9uapD5M

Und körperliche Gewalt muss man doch auch irgendwie witzig rüberbringen können, oder nicht?!

Falls ihr euch wundert, was wir meinen: In der Originalfassung dieses Clips sollte die Tochter vom Vater „eine geschmiert“ bekommen. Wir und viele andere waren entsetzt, aber sowohl Müller als auch der Werberat fanden das vollkommen unproblematisch: „Dank der gesungenen Dialoge in Reimform erhält jede Nachricht eine souveräne Leichtigkeit. Die Spots sollen vor allem Spaß machen und eine große Portion gute Laune in den Alltag bringen. Selbstverständlich wollen wir damit in keinster Weise körperliche Gewalt propagieren oder verherrlichen.“

Weil Müller dann doch irgendwie gemerkt hat, dass es damit noch nicht getan ist, wurde das Ende der Werbung zurecht gebogen – mal wieder. Hat ja früher auch schon funktioniert.

Mit seinen neuesten Kampagnen will Müller zum einen wissen, ob wir Geschmack haben,

https://www.youtube.com/watch?v=10Ui1dUKF90

und sollte sich dabei doch viel eher fragen, wozu es so eine geschmacklose Werbung braucht. Zum anderen erkundigt sich Müller, what’s los ist. Ja genau, What’s Los!!! Auf Müllermilch Flaschen stehen jetzt einzelne Wörter, mit denen man Sachen sagen kann, die total hip sind. Coole Vorschläge gibt es im Internet und direkt auf dem Produkt gratis dazu.

Zuckerpuppe

Lieber Müller Konzern, wir werden das mit dem Durch-Flaschen-Sprechen für euch auch mal ausprobieren. Vielleicht hilft es ja.

Müllermilch

Nils Pickert