„I hope to become the world’s first sex robot“, antwortet die animierte Computerfrau Denise auf die Frage nach ihrem größten Traum. Dem steht eigentlich auch nichts mehr im Weg. Bis 2017 möchten Matt McMullen und sein Team in Kalifornien Denise einen Körper zum Anfassen schenken. Mit Hilfe neuester Technik versucht McMullen Sexroboter herzustellen, die zu detaillierter Mimik und Gestik fähig sind. Durch Sensoren wird es sogar möglich sein, dass die Puppen ihre Körpertemperatur anpassen oder auf Berührungen reagieren können. Er selbst sieht sich dazu berufen diese Puppen herzustellen, hauptsächlich um damit die Einsamkeit vieler Menschen zu beenden. Diese Berufung des Künstlers, wie er sich selbst nennt, kann man selbstlos nennen. Man kann aber auch hinterfragen, ob und inwiefern sie sexistisch motiviert ist. Zwar erhebt er nicht den Anspruch eine völlig reale Menschenpuppe zu kreieren, dennoch versucht er durch Software und motorische Fähigkeiten eine*n Begleiter*in zu schaffen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit für ihre Käufer*innen sexuell verfügbar ist. Die Grenzen zwischen Mensch und Gegenstand verschwimmen durch diese Puppe so sehr, dass man sich fragen darf, wie sich unsere Erwartungshaltung gegenüber realen Menschen damit verändern. Genauer gesagt die Erwartungen von Männern an Frauen. Denn obwohl McMullen auch Männerkörper schafft, sind es vor allem weibliche Puppen, die produziert und mit Attributen für den heterosexuellen männlichen Blick versehen werden.

Was die äußerliche Ausstattung der Puppen betrifft, ist McMullen ziemlicher Profi. Seit etwa 20 Jahren stellt er Realdolls her, die er weltweit mit großem Erfolg verkauft. Mit speziellen Gels, Silikon, austauschbaren Zungen und Geschlechtsteilen gelingt es dem Künstler Haut, Muskulatur und Fettgewebe möglichst menschenähnlich wirken zu lassen. Wie real das tatsächlich wirkt, wird gerne und stolz in Videos präsentiert.

Das Material ist weich, zeigt keine Dellen und wirkt wie jugendliche Haut. Und das bei einer „Frau“, die sich nicht darüber beschwert, dass ihr ungefragt auf den Arsch geschlagen und ins Fleisch gegrapscht wird. Der weibliche Körper wird in Form eines Roboters zum Gegenstand gemacht auf den ohne ethische Bedenken Gewalt ausgeübt werden kann – und das vor laufender Kamera. Das treibt die weit verbreitete Sexualisierung und Objektifizierung des weiblichen Körpers auf die Spitze.

Sexspielzeuge sind ein Teil einer offenen Sexkultur und vielleicht ist ein Sexroboter nur die logische Konsequenz, die auf üblichem Sexspielzeug folgt. Dennoch stehen wir der Entwicklung aus den eben genannten Gründen kritisch gegenüber. Auch wenn zu erkennen ist, dass es sich um Puppen handelt, ist die Nähe zum Menschen bzw. der Versuch etwas Menschenähnliches zu erzeugen erschreckend. Vor allem, wenn die geformten Leiber wie Rinderhälften in einer Schlachthalle an Haken von der Decke hängen. Solche Bilder werden aber von den Herstellern als optimale Aufbewahrungstipps für zu Hause gezeigt.

fleisch bodies

Die zwei Ethiker*innen Kathleen Richardson von der De Montford University in Leicester und Erik Billing von der Universität Skövde in Schweden sehen die Entwicklung von Sexrobotern ebenfalls kritisch. Sie initiierten deshalb die „Kampagne gegen Sexroboter“, in der sie auf Gefahren aufmerksam machen wollen, die sie mit Sexrobotern assoziieren.

campaign against sex roboter

Neben den bereits genannten Gründen gehen die Wissenschaftler*innen von einem Anstieg sexueller Gewalt, der Verstärkung von Machtverhältnissen sowie dem Verlust zwischenmenschlicher Empathie aus. Dies sei zu erwarten, da ähnlich, wie bei gewaltvollen Videospielen eine Abstumpfung im Umgang mit Gewalt zu erwarten sei. Natürlich wird nicht automatisch jede Person, die gewaltvolle Videospiele spielt oder einen Sexroboter nutzt sexuell gewalttätig, die Studienlage ist divers. Trotzdem: Die Entwicklung ist kritisch zu betrachten.

Wie das alles mit den Robotern werden wird, wissen wir natürlich nicht. Darüber machen sich mittlerweile auch Menschen außerhalb von gesellschaftsbezogenen und wissenschaftsethischen Überlegungen Gedanken. In diesem Fall ein Buzzfeed Journalist.

Lisa Lehmann