Als für eine feministische Organisation arbeitender Durchschnittstyp werde ich häufig gefragt, warum ich das mache. Wieso beschäftige ich mich beruflich und privat mit einer politischen Idee die oberflächlich betrachtet mit mir und meinem Geschlecht nichts zu tun hat? Die Antwort fällt je nach zeitlichem Rahmen kürzer oder länger aus und besteht aus drei Gründen: Solidarität, Eigennutz und Freiheitsliebe. Heute möchte ich über einen Aspekt des Eigennutzes sprechen, der mich mehr und mehr beschäftigt. Ich muss ihn mit einer klaren Triggerwarnung versehen,

denn es geht um sexualisierte Gewalt und Rape Jokes – und zwar gegen Jungen und Männer. Feminismus eignet sich aus meiner Sicht hervorragend, um etwas Licht auf dieses furchtbare Thema zu werfen und nach Lösungen und Heilung zu suchen. Denn obwohl man ihm oft vorhält zu verleugnen, dass Männer häufiger Opfer von Gewalt werden als Frauen, und ihm zudem unterstellt, er sei irgendwie auch noch daran schuld, ist das genaue Gegenteil der Fall. Feminismus ist nicht der Grund, dass Männer sich mit ihren Gewalterfahrungen nicht zur Polizei trauen, dass ihnen kein Glauben geschenkt wird oder man ihnen ihre Männlichkeit abspricht, weil sie zu Opfern gemacht wurden. Feminismus schließt ja gerade das Bestreben mit ein, derlei Männlichkeitskonzepte zum Wohle aller Betroffenen zu überwinden. Feminismus ist vielmehr der Grund, warum ich an dieser Stelle so deutlich wie möglich fragen möchte, warum über die Vergewaltigung von Männern so pausenlos wie beiläufig Witze gemacht werden. Warum ihre Gewalterfahrung ständig heruntergespielt wird und ihr Opferstatus sie stets der Lächerlichkeit preisgibt.

Warum wird Jungen und Männern immer noch beigebracht, sich nicht nach der Seife zu bücken?

Natürlich könnten wir an dieser Stelle so tun als wüssten wir nicht, worum es geht. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand diese Anspielung nicht versteht, ist sehr gering. Weil sie nämlich schon seit Jahrzehnten dazu dient klarzumachen,

was Männern angeblich auf jeden Fall in Gefängnissen droht: Anale Penetration gegen ihren Willen. Ob in Zeitungsartikeln, Kommentaren oder Witzen. Ob an Stammtischen, auf einer Party oder bei Sportschau.

Ob in romantischen Komödien, SciFi Blockbustern, Ermittlungsserien oder Comedy –

die popkulturellen Referenzen darauf sind schier endlos. Übrigens nicht nur von Männern. Frauen bedienen sich dieser Anspielungen auch.

Nicht die Seife aufheben, nicht Miss September sein, mein Arsch bleibt Jungfrau, kein Opfer werden. Das Schlimmste, was dir als heterosexueller Mann offenbar passieren kann, ist anale Penetration. Und wenn sie gegen deinen Willen vorgenommen wird, dann bist du, ja genau DU daran gescheitert, das zu verhindern. Du hast deine Männlichkeit nicht geschützt und deine Ehre verloren. Es gibt einen Grund, warum die Beschimpfungskombination „ehrlose Schwuchtel“ leider eine stehende Redewendung ist. Sich penetrieren zu lassen wie eine Frau gilt als der Inbegriff von Unmännlichkeit, von Schwäche und Versagen. Die Englische Beschimpfung für solche Männer, bringt es auf den Punkt: Manbitch. Männer, die zu weiblichen Schlampen gemacht werden. Zu Schlampen, die sich penetrieren lassen. Harte Gangster werden so gebrochen. Alles total lustig.

Und wer jetzt glaubt, dass diese Art von „Humor“ und dieses Abtun der Gewalterfahrung von Männern auf den Gefängniskontext begrenzt sind, der hat nur teilweise Recht. Es stimmt, dass ein starker Zusammenhang besteht und sich ein solches Thema für die meisten außerhalb der Gefängnisassoziation schon deshalb verbietet, weil es als ultimative Ehrabschneidung gilt.

Aber dieser Tage bilden die Gräueltaten, die im Namen und Rahmen der katholischen Kirche begangen wurden und begangen werden, den Tiefpunkt dessen ab, wie mit dem Thema umgegangen wird. Denn gerade wenn es um das Foltern und das Vergewaltigen von Jungen durch katholische Würdenträger geht (der Begriff Missbrauch wird dem in meinen Augen nicht gerecht), wird in einer Weise verharmlost, untertrieben und kleingeredet, die an Ekelhaftigkeit und Menschenverachtung nicht zu überbieten ist.

So wurde kürzlich die Verurteilung des australischen Kardinals Pell bekannt, der unter anderem einen 13 jährigen Jungen vergewaltigt haben soll. Sein Anwalt hielt es für angebracht, seinen Mandanten mit der Feststellung zu verteidigen, es habe sich dabei ja nur um „gewöhnliche Blümchensex-Penetration gehandelt, bei der das Kind gar nicht aktiv mitgemacht hätte“. Außerdem habe der Kardinal dabei keine Ejakulation gehabt. Da müsse man doch wohl eine leichtere Strafe in Betracht ziehen.

Nein, muss man nicht. All diese widerlichen Euphemismen können die Tat nicht verschleiern. Sie zeigen aber an, dass hier mit einem Begriff von Restehre operiert wird: Weil das minderjährige Opfer hier nicht vollständig zur Manbitch gemacht wurde, ist es nach dieser Logik auch nicht nötig, den Täter umfassend zu bestrafen. Und genau diese gewalttätige, verdrehte Logik geht Feminismus an, indem er zum einen am Tatbestand sexualisierter Gewalt nicht rumverhandeln lässt und dazwischen geht, wenn fälschlicherweise von Sex statt von Vergewaltigung geredet wird. Zum anderen blickt er hinter die binären Zuschreibungen an Frauen und Männer und ist sehr klar darin, dass eben alle Opfer von sexualisierter Gewalt werden können.

Es liegt im ureigensten Interesse von Männern, nicht in dieser Heb bloß nicht die Seife auf! Welt zu verharren, die ihre Gewalterfahrungen herunterspielt und sie selbst für null und nichtig erklärt. Denn sexualisierte Gewalt passiert. Jeden Tag. Auch ihnen.

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