Soziale Medien können ziemlich großartig sein. Twitter zum Beispiel: Jenseits von Anfeindungen und dämlichen Kommentaren aller Art gibt es unter anderem witzige, scharfzüngige und kluge Frauen zu entdecken. Allen voran Joanne K. Rowling. Eine der bekanntesten ungeschriebenen Twitterregeln besagt, dass man sich niemals, wirklich niemals mit der Harry Potter Autorin anlegen sollte. Dabei zieht man definitiv den Kürzeren. Zu sehen beispielsweise, wenn sie sich über den überbordenen Narzissmus des US-amerikanischen Präsidenten lustig macht

oder den Moderator und Trump-Freund Piers Morgan vorführt, indem sie nach einer Salve von Beschimpfungen seinerseits eine glühende Rezension über sich und ihre Werke twittert,

die Morgan vor Jahren selbst verfasst hat. Aber weil er sich daran nicht erinnern kann und sich selbst viel zu wichtig nimmt, tritt er in dieses von Rowling aufgestelltes Fettnäppfchen, das noch größer als sein Ego ist, und zerpflückt seinen eigenen Text.

Eine Frau, die sich ähnlich schlagfertig und meinungsstark auf Twitter präsentiert, ist die preisgekrönte Schriftstellerin Catherynne M. Valente. Auch sie kommentiert immer wieder schneidend die Geschäfte und Gebaren von Donald Trump. Ganz besonders bemerkenswert sind dabei ihre Beobachtungen zu dem Umstand, dass Trump genau jene Eigenschaften verkörpert, die er und andere in ihrer misogynistischen Weltanschauung gerne Frauen zuschreiben.

Man stelle sich nur vor, was alles über eine Präsidentin Hillary Clinton geschrieben worden wäre, wenn sie sich in den ersten 100 Tagen ihrer Regentschaft auch nur im Ansatz wie Trump verhalten hätte: Überemotional, materialistisch, narzistisch, Make-Up fixiert, weinerlich, uninformiert, sprunghaft, nölend. Was los wäre, wenn sich Clinton in allen wichtigen Fragen von ihrer Tochter und deren Ehemann beraten lässt, Zweifel daran äußert, ob sie wirklich täglich ein Briefing der Geheimienste braucht und Entscheidungen aufgrund von persönlicher Betroffenheit fällt. Zur Erinnerung: Trump ist derjenige, der Clinton im Wahkampf immer wieder vorgeworfen hat, sie wäre im Gegensatz zu ihm weder fit noch tough genug für den Job. Trump ist allerdings auch derjenige, der sich nach zwei Tagen Auslandsreise darüber beschwert, wie anstrengend das alles sei, während Clinton als Außenministerin zusammengenommen knapp 40 Mal die Welt umrundet hat und dabei ein ganzes Jahr unterwegs gewesen ist.

Wenn man sich all die sexistischen Ausfälle, die abfälligen Bemerkungen und die Beschimpfungen Trumps vor Augen führt, dann fällt auf, dass dieser Mann das wohl gerade eindrücklichste Beispiel für den psychologischen Vorgang der Projektion abgibt. All das Fehlverhalten, die Unzulänglichkeiten,die Nichtbefähigung zu simpelsten Verrichtungen und die haarsträubende Ignoranz – alles sein Eigen. Alles 100% Donald Trump. Der Mann, der Frauen als neurotisch, dumm, peinlich, lügnerisch, unsicher und eklig bezeichnet, ist genau das. Trotzdem ist er keine Frau. Man sollte meinen, dass das nicht extra klar gestellt werden braucht, aber wenn selbst die New York Times Trump mit einem 13 jährigen Mädchen vergleicht, dann muss deutlich gesagt werden, dass das eine Beleidigung für 13 jährige Mädchen darstellt. Tatsächlich hat der „Weiberkram“ des Donald Trump mit Frauen und Mädchen überhaupt nichts zu tun, sondern mit den sexistischen Stereotypen und Projektionen eines Mannes, der die Schwelle seiner absoluten Unfähigkeit nicht nur erreicht, sondern längst überschritten hat. Eines Mannes, der Frauen so herablassend wie verzweifelt einen Platz nach seinem Geschmack zuweisen will, weil sie sich längst ganz andere Plätze erobern.