Ruth Bayerl und Patrick Grünhag sind brandneu im Pinkstinks-Team. Gerade kehren sie vom Pfingstcamp der Linksjugend zurück, wo sie für uns einen Workshop zu sexistischer Werbung gegeben haben. Patrick wird insbesondere seit einigen Tagen vom Zalando Mann verfolgt. Wie, den kennt ihr nicht?! In der Pressemitteilung heißt es zu ihm:
„(…) Der Zalando Mann ist humorvoll, nahbar und smart, löst jedes Problem auf seine Art und trägt zu allen Gelegenheiten das passende Outfit. Genau diesen Typ Mann zeigen die beiden neuen TV-Spots von Zalando. (…)“

Dann schauen wir uns diesen Mann doch mal an.

https://www.youtube.com/watch?v=B9byuuVIpK8

Nach Zalando ist es also smart, durchs Outdoor-Spülen für dreckiges Regenwasser in der Kaffeetasse zu sorgen. Es ist humorvoll, seine Partnerin beim Schminken mit einem mitleidigen Blick zu bedenken. Und es ist nahbar, beim Tanzen füßewippend in der Ecke zu stehen.
https://www.youtube.com/watch?v=WYvBNf3Tyg0

Dazu Patrick:

“Was die kreativen Köpfe der Werbeagentur Jung von Matt/Elbe sich da ausgedacht haben, hat weniger etwas mit einem zeitgemäßen Männerbild als mit einer doppelten Geschlechterdiskriminierung zu tun. Männlich sozialisierte Menschen werden mit überzeichneten Stereotypen konfrontiert, während weiblich sozialisierte Menschen zu Statistinnen degradiert werden.
Dass der junge Herr mit der superschnell frisierten Tolle seine Freundin wegen ihres Zurechtmachens milde belächelt, ist an Ignoranz der dargestellten Beziehung zwischen Mann und Frau kaum zu überbieten: Wie blöd würde er wohl schauen, würde sie sich eben nicht für den gemeinsamen Abend schminken und pudern? Der Zalando-Mann wäre wahrscheinlich fix auf der Suche nach einer neuen, stylischeren Dame an seiner Seite. Und mit diesem Tanzmove wirklich die Mädels in der Disco zu beeindrucken, das könnte wahrscheinlich nicht einmal der sagenumwobene Chuck Norris.

Mal davon abgesehen, dass die vorgegebenen Geschlechtskategorien „Mann“ und „Frau“ in der Realität viel zu kurz greifen und zahlreiche Menschen in ihrer empfundenen und gelebten Identität ausschließen, möchte ich als männlich sozialisierter Mensch wenigstens in dieser mir zugeordneten Kategorie nichts vorgeschrieben bekommen – auch nicht von Zalando. Wie ich staubsauge, tanze, shoppe, wie ich lebe und liebe, das entscheide ich ganz allein. Ich werde mich mit den männlichen Teammitgliedern von Pinkstinks nicht nur über Grunzlaute verständigen.

https://www.youtube.com/watch?v=-6neAD1nN5U

Und wenn ich vermeintliche „Frauenschuhe“, Röcke oder eine Handtasche tragen will, dann tue ich das auch. Nur bei einem bestimmten Online-Versandhandel einkaufen werde ich die Sachen sicherlich nicht. Ich probiere sie nämlich vor dem Kauf lieber an.”

Nils Pickert mit Patrick Grünhag