Es sind nicht immer einfache Bücher, die ich einmal im Monat an dieser Stelle für Pinkstinks recherchieren darf, aber manchmal ist es noch schwieriger als gewöhnlich. Und zwar vor allem immer dann, wenn es um (sexualisierte) Gewalt geht. Dann möchte ich am liebsten mein Gesicht in einem Kissen verbergen, mir die Ohren zuhalten und mir von meinem Privileg, eben jene Gewalt nicht erfahren zu müssen, den Rücken streicheln lassen. Aber schließlich lese ich doch, weil ich es noch weniger damit zurecht kommen würde, mir Tatbeschreibungen zu ersparen, wenn den Opfern solcher Taten rein gar nichts erspart geblieben ist.

Und ein solches Buch möchte ich heute vorstellen. Es geht um Gewalt in Partnerschaften. Um Sachlagen, Fakten, Zahlen und Begebenheiten. Es geht um ein Thema, vor dem wir uns gerne verstecken, aber das in allen Teilen unserer Gesellschaft sehr präsent ist. Die Autorin Simone Schmollack weiß, wovon sie redet, und das merkt man „Und er wird es wieder tun“ auch an. Seit Jahren beschäftigt sich die Jounalistin der taz mit diesem Thema und verdichtet es hier mit Fallbeispielen, Hintergrundwissen und Expert*inneninterviews zu einer unbedingt lohnenswerten, wenn auch nur schwer zu ertragenen Lektüre.

Denn Schmollack begnügt sich nicht damit, Altbekanntes zusammenzutragen, sondern wirft in 14 Kapiteln einen so genauen wie nüchternen Blick auf die Vielschichtigkeit der Thematik. Diese erschöpft sich nämlich nicht in den „tumber Fließbandmalocher schlägt seine Alte“ oder „Ist halt so bei Migranten“ Klischees, sondern reicht von verbaler Gewalt über Stalking bis hin zu dem seiner Frau körperlich stark überlegenen Mann, der Opfer ihrer Attacken wird und aufgrund seiner Erziehung (Frauen schlägt man nicht) wie auch den (Vor)urteilen seines Umfelds überhaupt nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Gewalt in Partnerschaften findet in Unterkünften für Geflüchtete genauso statt wie in den großbürgerlichen Villen von Hamburg Blankenese. Sie ist im Internet Alltag und macht auch nicht vor einer achzigjährigen Frau halt, die von ihrem Mann geschlagen wird und anschließend ihre Brille kaputt gemacht bekommt, damit sie buchstäblich keinen Ausweg mehr sieht wie sie ihn verlassen könnte.

Sabine Schmollack geht dabei wie eine Archäologin vor. Schicht für Schicht, Satz für Satz legt sie frei, womit man sich lieber nicht beschäftigen würde, und schafft dabei etwas, dass die Quintessenz eines jeden guten Sachbuch ist: Erkenntnisgewinn. Man erwischt sich dabei, wie man während der Lektüre allerhand Sätze anstreicht, um eine Art Zusammenfassung herauszukristallisieren – bis man merkt, dass dieses Buch bereits die Zusammenfassung ist. Dieser durchweg positive Gesamteindruck wird nur durch zwei Dinge geschmälert. Zum einen ist da der Titel. Hinter einer Formulierung wie „Und er wird es wieder tun“ hätte ich eher den Erfahrungsbericht eines einzigen Opfers vermutet und keine so umfängliche Auseinandersetzung mit Gewalt in Partnerschaften. Zum anderen ist sie eben doch nicht ganz so umfänglich. Das dringend notwendige Kapitel über Gewalt in homosexuellen Partnerschaften fehlt schlicht, obwohl sich doch gerade ein solches Buch dazu geeignet hätte, dieser tabuisierten Problematik Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Trotzdem ist dieses Buch ein sehr lesenswerter, längst überfälliger Beitrag. Nicht zuletzt auch deshalb, weil es der Autorin gelingt, die Motivation der Opfer, in der gewalttätigen Situation zu verharren und sich nicht augenblicklich daraus zu befreien, zu beleuchten , ohne sie für die Taten (mit)verantwortlich zu machen.

„Und er wird es wieder tun.“ Gewalt in der Partnerschaft erschienen im Westend Verlag. 240 Seiten, 18 €.