… zumindest in Großbritannien. Denn was sich da über die letzten Monate angebahnt hat und nun konkretisiert wird, hat es wirklich in sich. Das britische Pendant zum Deutschen Werberat, die Advertising Standards Authority (kurz ASA), verschärft seine selbstgegeben Richtlinien und schafft so die Grundlage für ein Verbot von sexistischer und geschlechterstereotyper Werbung – insbesondere mit Bezug auf Kinder. Das ist auch bitter nötig. So proaktiv und umsichtig wie heute ist sie längst nicht immer gewesen. Während der berüchtigten Beach Body Kampagne, die Protein World 2015 in die U-Bahnhöfe hing,

sah die ASA trotz hunderter Beschwerden keinen Handlungsbedarf und lief Gefahr, sich in ihrem gelähmten Nichtstun überflüssig zu machen. Denn schließlich hatte auch der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, genug von dem plakatierten Body Shaming und ging dagegen vor. Verschärft wurde die Situation 2016 durch eine Werbekampagne von Gap UK, in der Jungen eine Zukunft haben (der kleine Schüler/Wissenschaftler), während Mädchen nur zum Spielplatzgesprächsstoff taugen (der soziale Schmetterling). Und dass Gap auf dem Shirt für Jungen Albert Einstein nicht buchstabieren konnte, hat auch nicht wirklich geholfen.

Es musste also etwas geschehen. Und die ASA tat etwas. So begann sie im April 2016 mit einer großangelegten Studie über Darstellungsweisen, Wahrnehmung und Schaden von Werbung, deren Ergebnisse gerade vorgestellt wurden.

Die ASA geht (übrigens genau wie wir) entlang der Studie nicht davon aus, dass Frauen in Werbung nun keine Waschmaschinen mehr betätigen und Männer nichts mehr reparieren dürfen. Stattdessen geht es um hart zementierte Stereotypen und Sexismen. Wenn also suggeriert wird, dass Frauen immer für Wäsche zuständig sind und Männer grundsätzlich im Haushalt versagen.

Das sind ziemlich gute Nachrichten. Aber halt: Was ist eigentlich mit Deutschland? Was hat der Deutsche Werberat so in petto? Studien, Regelverschärfungen, Kooperationen, proaktives Handeln?

Wirklich schade. Es wird allmählich nicht nur Zeit, sondern ist längst überfällig, dass der Werberat ein bisschen mehr tut, als sich Jahr für Jahr mit dem gleichen „Rügen funktionieren ja ganz gut“ Sermon aus der Affäre zu ziehen und vor Verantwortung zu drücken. Sonst verschläft er es.

Was genau? Ach, pffft, nur die „Kleinigkeit“, dass sich letzten Monat auf Betreiben der UN Women zum ersten Mal die Unstereotype Alliance in Cannes zusammengefunden hat, um darüber zu beraten, was getan werden kann und muss, um Geschlechterstereotype und Sexismus aus der Werbung zu verbannen. Mit dabei so „unwichtige“ Akteure wie Unilever, Johnson&Johnson, Mattel, Google, Facebook, Microsoft, Twitter und andere. Will sagen:

Der Werberat sollte schleunigst in die Hufe kommen, um die Revolution nicht zu verpassen. Die ist nämlich längst im Gange.