Wir brauchen gar nicht lange drumherum zu reden. Aller Wahrscheinlichkeit nach habt ihr genau wie wir etliche Artikel gelesen und Beiträge verfolgt, die alle auf eines hinauslaufen: The Donald übernimmt das Weiße Haus und wir müssen schauen, wie wir damit klar kommen. Darum folgen an dieser Stelle auch keine Statistiken oder dezidierte Ursachenforschungen darüber, warum das wie geschehen ist. Wir werden euch nicht erzählen, warum man es nicht hätte kommen sehen können oder warum man es natürlich schon immer hätte wissen müssen. Das könnt ihr an anderer Stelle viel  detailreicher, ausführlicher und relevanter nachlesen, als wir überhaupt versuchen könnten, euch anzubieten. Stattdessen nehme ich stellvertretend für das ganze Pinkstinks Team das Ergebnis dieser Präsidentschaftswahl sehr persönlich.

Am Tag als ich erfuhr, dass ein Mann Präsident der USA werden würde, der sexualisierte Gewalt für den normalen Lauf der Dinge hält,

hatte ich mit Kolleg*innen einen feministischen Medienpreis zu vergeben. Wir saßen morgens in einem dieser typischen Hotelkonferenzräume und versuchten uns von dem Geschehen freizumachen, um über wirklich großartige Beiträge sprechen zu können, die ein “realitätsnahes Bild der komplexen Lebenswelt heutiger Frauen zeigen”. Es war schwierig. Immer wieder entfuhr jemandem ein “Nee, oder!”, ein “Fuck!” oder ähnliches. Ständig kehrten wir zum Wahlergebnis zurück und mussten uns schließlich ganz bewusst davon losreißen. In einer Laudatio hat ein lieber Kollege dieses Gefühl später treffend formuliert. Wie angefasst alle waren und wie er zunächst dachte, dass sei ja wohl so ziemlich der beschissenste Tag, um davon zu erfahren, bis er schließlich zur Überzeugung gelangte, dass wenn schon so ein Ergebnis, dann doch an einem solchen Tag. Mit glücklichen Preisträger*innen vor Augen und Rollenvielfalt im Rücken. Ich selbst habe eine Laudatio auf einen Beitrag gehalten, der sehr genau über die Gefahren der Antibabypillen der 3. und 4. Generation aufklärt und über die Profitgier des verantwortlichen Bayer Konzerns. Ich habe dabei darauf verwiesen, dass ich all diese Dinge wissen will und muss, weil meine älteste Tochter zu einer jungen Frau heranwächst und sie in einem Land lebt, in dem man ihr Hormonpräparate als Lifestyleprodukte mit “Figurbonus” verkaufen will und sich dabei um das vielfach erhöhte Tromboserisiko nicht schert. Später habe ich mir vorgestellt, wie es wohl für sie wäre, als pubertierendes Mädchen im Amerika Trumps aufzuwachsen. Und für mich als ihren Vater.

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Es wurde eine lange Nacht mit zu viel Grübeleien und zu wenig Schlaf: Trumps Amerika gab es auch vorher schon… aber es ist nur eine Hälfte und er wird dafür sorgen, dass diese Hälfte über die Lebenswirklichkeit der anderen hereinbricht. Was haben wir mit den USA zu tun? Was haben wir nicht mit den USA zu tun?! Wahrscheinlich werden dem nach der Inauguration wie bei Obama ein paar ältere Herren erzählen, was geht und was nicht. Nur, dass es ihn in die andere Richtung korrigieren wird. Wird schon nicht so schlimm werden. Ähm, schon klar, aber diese Form von Appeasement-Politik hatten wir früher schon mal – ist ja nicht so super gelaufen. Ich würd mich mit meiner Familie vielleicht auch davon machen, wenn ich da wohnen würde. Was machen eigentlich die Leute, die weder Geld noch Papiere haben und nicht mal eben “auswandern” können… ach guck, so schnell hast du wieder deine Privilegien zur Hand, ohne dass es dir richtig auffällt. Der “Nice Guys, erobert euch eure Männlichkeit zurück” Schwachsinn kommt jetzt wohl noch häufiger. Mit “Respektiere den Schwanz” und allem, was dazu gehört.

Herrje, ist das widerlich. Jetzt wird Rape Culture nicht nur weiterhin zementiert, sondern öffentlich gefeiert werden. Powered by einem Typen, der Abwertungen und Beschimpfungen wie CO2 ausstößt. Der ein Sexist durch und durch ist, aber darin lange nicht so berechenbar wie manche es gerne hätten. Ich könnte hier noch sehr lange so weiter machen. Aber es hilft ja nichts.

Und was hilft dann? Wenn man sich nicht auf “Ich bin ja mal gespannt, was passiert” zurückziehen will, was bleibt dann zu tun? Demonstrieren? Agitieren? Protestieren? Resignieren? Wir können uns einreden, dass das sehr weit weg ist, oder uns schon mal auf ganz viel AfD und Präsidentin Marine Le Pen als Nachbarin freuen. Wir können ruhig bleiben oder Panik schieben. Aber weder lassen sich reaktionäre Nationalisten von Besonnenheit beeindrucken, noch wird Panik etwas bewegen. Was bleibt, sind viele kleine und große Formen des Protests. Die, die durch das viele Benutzen schon beinahe stumpf geworden sind. Und die, von denen wir noch gar nicht wussten, dass wir sie in uns haben. Wir hoffen, ihr seid mit dabei!