Einige von euch werden es vielleicht schon mitbekommen haben: Pflegeprodukte für Männer sind, nachdem sie sich über Jahrzehnte eher unscheinbar an die Männerwelt herangeschlichen haben, inzwischen voll im Mainstream der Produktwelt angekommen. Bis vor wenigen Jahren wurden nur einige wenige ausgewählte Produkte wie Rasierwasser und Herrenparfüms an den Mann gebracht. Meist mit einem Testimonial, das seine Männlichkeit durch entsprechende Muskeln oder eine Sportkarriere unmissverständlich belegen konnte.

Aber spätestens seit die Drogeriekette dm seinz aus der Taufe gehoben hat,

sind Männer als Zielgruppe für mehr als dreieinhalb Pflegeprodukte etabliert und werden entsprechend umworben. Wobei man den Begriff „Etablierung“ hier mit Vorsicht genießen sollte. Zwar kann man(n) sich mittlerweile auch eine Nachtcreme zur Gesichtspflege kaufen. Aber erstens wäre es schon interessant zu wissen, warum Frauen immer einen so anderen Hauttyp haben, dass sie grundsätzlich eine andere Nachtcreme brauchen (Hint: Es liegt womöglich doch vor allem daran, dass sich stereotypisierte Produkte besser verkaufen lassen).

Fundstück des Queer-Feministischen Referats der TU Dortmund

Und zweitens geht das Ganze nur dann, wenn den Männern immer und immer wieder auf möglichst eindeutige Weise vermittelt wird, dass ihre Männlichkeit nicht in Gefahr ist. Gut, man möchte nun mit ihnen Geld verdienen und ein paar mehr Produkte, die dazu käuflich zu erwerben sind, wären da schon ganz nett. Aaaaaaaaber dabei ist natürlich ganz wichtig, harter Kerl™ zu bleiben, sonst wird das alles böse enden. Deshalb auch Duschgel für Männer aus Stahl, die nach ihren eigenen Gesetzen leben.

Denn Duschgel für Männer mit weicher, pflegebedürftiger Haut, die auf das Grundgesetz stehen und Strafzettel pünklich zahlen, geht halt nicht. Und wenn „sensitive“ auf der Flasche steht, muss dagegengehalten werden. Schließlich sind richtige Männer nicht sensitiv.

Wobei es dieser drastischen Beispiele gar nicht bedarf. In immer neuen Varianten wird darauf hingewiesen, dass Männer beim Kauf von Pflegeprodukten nun wirklich nicht Gefahr laufen, mit Frauen verwechselt zu werden, und das Interesse von Frauen an derlei Sachen ja auch irgendwie Pfft, naja also weibisch ist, oder?! Ob das nun über einen Markennamen wie Bulldog gemacht wird, der kernige Männlichkeit suggerieren soll, oder ganz explizit durch die Abwertung von Frauen.

Männer machen kein Drama und wollen herb riechen. So viel sollte klar sein. Dass „normale Jungs“ (Zitat Bulldog) auf Drama stehen und lieblich riechen wollen könnten, steht nicht zur Debatte.

Wer aber glaubt, dass mit der Axt am Kinn die Obergrenze schon erreicht ist, der hat die Fragilität von Männlichkeitskonzepten unterschätzt. Für manche Männer muss sich das morgendliche Pflegeprogramm wie ein Kriegseinsatz anfühlen – darunter geht es einfach nicht, weil zu unmännlich. Eine Seife mit taktischem Griff für Waffen ist da genau das Richtige.

Und wenn Männer schon einen Pinsel und Schminke in die Hand nehmen, dann nur wenn das Ganze „Kriegsbemalung“ genannt wird. Alles andere ist unzumutbar.

Wie wäre es denn zur Abwechslung mal damit, so einen gequirlten Genderscheiß zu lassen und, statt Status und Geschlechternormen zu pflegen, Männer sich pflegen zu lassen. Mit kurz vor 40 und wenig Schlaf hat man halt müde Lider und Augenringe. Vielleicht gibt es dagegen ein gutes Pflegeprodukt oder einen Concealer.
„Wie, du kaufst dir Gesichtsschminke?! Was bist du denn für eine …“
„Mann, sag doch einfach, wenn du wissen willst, wo ich es her habe.“
„Ja aber, du bist doch n Typ!“
„Und du wohl n Schnellmerker. Hör einfach auf mit dem Unfug und lass uns shoppen gehen.“