Du bist gelangweilt und verärgert über Werbeplakate, die genormte Einheitsfrauen zeigen? Du wagst dich, Bikini zu tragen, obwohl du nicht mehr 40 bist? Dann bist du nicht allein und das wollen wir kundtun! Ab jetzt gibt es Bademodenwerbung, die zeigt, wie es wirklich ist. Diese „Echt jetzt!“-Kampagne hängt ab dem 16. Juli in sechs Großstädten in der Außenwerbung, um zu zeigen, dass der Sommer für alle da ist.

Wenn nämlich Marsmenschen im Frühsommer auf die Erde kämen und unsere Gesellschaft durch Werbeplakate an den Straßen beurteilten, könnten sie denken: Sommer, das ist nur was für junge, schlanke und große Frauen. Der Rest darf leider keine Bikinis oder Badeanzüge tragen, um sich im flachen Wasser balinesischer Strände zu aalen. Schade!

Männer sind in der Werbung meist im Anzug zu sehen, als würden sie ständig viel Geld verdienen. Frauen sind derweil mit Freizeit oder Familie beschäftigt, es sei denn, sie sind älter, dann verkaufen sie Versicherungen oder Hämorrhoidencreme. Aber, lieber Marsmensch, die Realität ist nicht so. Wenn nur junge Frauen an den Strand gingen, würde es Firmen wie Calzedonia oder Palmers gar nicht geben, für deren Bikinis man einen ordentlichen Gehaltscheck braucht. Auch 50-Jährige kaufen diese Bademoden, werden durch die Werbung aber durch Bilder angesprochen, die sagen: Du bist zwar nicht mehr 20, aber du wärst es gerne! Keine Frau will älter sein als 25 – das ist hässlich, alt und unsexy. Also haben wir das passende Bild für dich!

Ganz lange, liebe Marsianer*innen, haben sich Frauen das gefallen lassen. Dann fing es auf Instagram und Youtube an zu brodeln: progressive Werbung kam dort immer besser an. Nur die Außenwerbung traute sich nicht. Also kam Pinkstinks und hat – mit großer Unterstützung vom bundesweiten Außenwerber Wall – nachgeholfen. Jetzt gibt es Bikinis und Bademoden auf 1.100 Flächen in ganz Deutschland an Frauen zwischen 40 und 50 – mit Hautfalten, Röllchen, Dellen und Äderchen. Und es sieht super aus!

 

Bisher haben wir noch keine Nachricht erhalten, dass jemand in Ohnmacht gefallen ist. Im Gegenteil, die Bademoden-Firma Phylyda fand unsere Idee so genial, dass sie uns Teile ihrer neuen Kollektion geliehen und unsere Fotos für den Vogue-Salon in der Fashion Week in Berlin übernommen hat! Wir setzen also gerade einen Trend – oder besser: Wir verhelfen einem Trend, sich zu verstetigen. Wenn Aliens im Frühsommer 2019 in den Großstädten landen, werden sie beruhigt sein: Hier dürfen alle an den Strand. Egal, ob bei H&M oder Esprit. Das ist der Plan!

Juhu! Lieben Gruß, eure Stinker*s

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PS: Unser großer Dank geht an: Fotograf und CD Markus Abele für eine feinfühlige Stimmung am Set und grandiose Fotos; Beauty-Coach Ruth Vahle Haruna, die – whizzwhizz – am Set jede Frau in ein Model verwandelt; Studio One in Eimsbüttel für faire Preise und ein Riesendank an Phylyda für die kostbaren Teile, die wir leihen durften und die den perfekten optischen Rahmen gaben (und Melodie Michelberger für die Beratung!). 1000 Küsse an unsere Models (alles Freundinnen aus unserem Umfeld): Ihr seid mutig, wunderschön und einfach spitze.

Den größten Dank an Wall, die nach dem Pinken Pudel auf uns zukamen und uns diese Freiflächen anboten, nicht wissend, wie die Kampagne aussehen wird. Danke für das Vertrauen!

PPS: Ach so: Falls manche finden, die sind alle zu hübsch, haben wir dieses Video dazu aufgenommen. Und ja, es fehlen: Frauen of Colour, mit sichtbarer Behinderung, ohne Brüste, über 70 Jahre, eine mit Größe 45+ und viel mehr. Bei maximal 5 Personen, die ins Bild passen, haben wir uns für den deutschen Durchschnitt entschieden: 3 Kartoffeln und 2 mit südeuropäischen und vorderasiatischen Wurzeln. Die Frauen tragen die deutschen Durchschnittsgrößen 38, zweimal 40, einmal 42 und einmal 44. Die Models sind zwischen 43 und 51 Jahren alt (die meisten Frauen in Deutschland sind zwischen 40 und 60). Wir hoffen, ihr seht den Fortschritt!