Lieber Gunnar Schupelius,

in der B.Z. verkündeten Sie vor zwei Tagen Ihre Meinung, dass der Kampf gegen Sexismus in der Werbung irrsinnig und überzogen ist. Um diese Meinung zu untermauern, haben Sie einige Fakten durcheinander gebracht oder ganz neue erdacht: Als Kolumnist muss man es ja nicht ganz so genau nehmen und scherzen, davon leben Kolumnen.

So ist in ihrem Artikel „Gott bewahre uns vor dem Eifer der neuen Sittenwächter in der Politik“ davon die Rede, dass man bei uns melden könne, wenn Mädchen in der Werbung rosa tragen würden – das wäre unserer Meinung nach verboten. Ein Klick auf unseren Instagram-Account hätte Ihnen gezeigt, wie sehr wir gerade die Sängerin Girli feiern, die in rosafarbener Kleidung sehr laut Feminismus macht.

Sie bringen mit diesem Statement die Kriterien des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg gegen sexistische Werbung mit unseren durcheinander – dabei veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung vor einigen Tagen meine Kritik zu den „Kreuzhainer“ Kriterien. Wenn Sie über uns recherchiert und nicht nur losgewettert hätten, wäre Ihnen dieser vielgeteilte Artikel nicht entgangen.

Für eine feministische Organisation ist ihre Faktendreherei jedoch überhaupt kein Scherz. Sie hetzen uns damit massenhaft Menschen auf die Seite, die uns Emails schicken wie „Du gehörst ins KZ!“, „Versteck dich schon mal hinter dem Sofa, wir kommen!“ und Schlimmeres. Jedes gute Qualitätsblatt hat übrigens eine Hotline, über die man die Online-Redaktion erreichen kann. Da Sie unerlaubt ein Beitragsbild von uns – abgeschnitten, so dass die wichtigste Botschaft verloren ging – benutzten, wäre es umso dringlicher gewesen, jemanden zu erreichen. Bei der B.Z. geht aber niemand ans Telefon.

Sie fragen sich, wo das alles noch enden soll, diese Sittenpolizei, die ihrer Tochter verbietet, sich zu verschönern. Da es dieses Verbot von uns überhaupt nicht gibt, tragen Sie gerade zu einer Aufhetzung gegen „DIE“ Gender-Ideologie bei. Diese Hetze wird es Ihrer Tochter vielleicht nicht ermöglichen, als erwachsene Frau eine Genderbeauftragte hinzu zu ziehen, wenn sie am Arbeitsplatz gemobbt wird: Alle Ausgaben für Genderpolitik wird die AfD bis dahin verboten haben.

Tun Sie uns bitte den Gefallen: Rufen Sie uns an. Hören Sie unsere Argumente und was uns bewegt, oder warum wir gestern den Louise-Otto-Peters-Preis der Stadt Leipzig gewonnen haben. Tun Sie Ihrer Tochter und Ihrem Sohn den gefallen, für einen differenzierten Journalismus einzustehen, der mit guter Recherche und nicht mit flacher Polemik punktet. Unterschreiben Sie unsere Petition #YouToo, die die Medienschaffenden auffordert, genauer über Sexismus und sexualisierte Gewalt zu berichten, und forden Sie Ihre Kollegen auf, gleiches zu tun.

Aber uns würde schon reichen, wenn Sie keine falschen Tatsachen verbreiten und Ihre Arbeit so machen, damit das Vertrauen in die Medien erhalten bleibt.

Besten Gruß, Stevie Schmiedel und das Pinkstinks-Team

PS: Und Pinkstinks wird nicht von der Bundesregierung finanziert: Das Bundesfamilienministerium fördert lediglich dieses eine Projekt bei uns. Bitte ändern. Danke. Auf Spenden sind wir nämlich weiterhin angewiesen.