Bei der Fußballweltmeisterschaft läuft es ganz gut für Deutschland. Zwar hatte man in der Vorrunde einiges Verletzungspech, aber gegen Schweden stehen die Chancen am Samstag im Viertelfinale nicht schlecht: Von bislang 28 dieser Begegnungen haben die Deutschen 20 gewonnen. Da geht was.

So kann man über Frauenfußball berichten. Ohne ständig darauf hinzuweisen, dass da ja „nur Frauen“ spielen, ohne ständig auf Geschlecht zu reduzieren und Leistungen herunterzuspielen. Und die gute Nachricht ist: So wird auch immer mehr über Frauenfußball berichtet. Denn ganz allmählich ändert sich etwas in der Wahrnehmung dieser Sportart. Zu den letzten sportlichen Großereignissen sah das noch sehr anders aus. Spielerinnen, die Bälle in Waschmaschinen kicken, Fanportale, die die „heißesten Geräte“ küren, sexistische Kommentatoren – alles mit dabei.
2011 wurden Spielerinnen in der Öffentlichkeit permanent aufgefordert zu belegen, dass sie „richtige Frauen sind. 2016 wurde die Fernsehkommentatorin Claudia Neumann mit hämisch-sexistischen Kommentaren geradezu überschüttet. Und auch dieses Jahr geht es scheinbar nicht ganz ohne Sexismus. Was das Reduzieren auf Äußerlichkeiten angeht ist auf die BILD Zeitung genauso Verlass

wie auf kleinere Lokalzeitungen.

Aber es wird weniger. Und das liegt interessanterweise auch an Männern, die diesen Sport mit wachsendem Interesse verfolgen und denen unpassende oder gar sexistische Vergleiche den Spaß am Spiel verderben. Selbst an kritischen Beiträgen lässt sich das beobachten. Wenn in Zeitungsartikeln hinterfragt wird, warum für Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern so wenig Spielerinnen mit Migrationshintergrund auflaufen, dann hat das nichts mehr von der überheblichen Ignoranz vergangener Jahre, sondern ist einfach eine sehr ernstgemeinte, interessierte Auseinandersetzung mit dem Sport. Das wird auch allerhöchste Zeit. An den fehlenden Erfolgen oder der Qualität hat es nämlich nicht gelegen: Zweimal Weltmeisterinnen und achtmal Europameisterinnen sind die Deutschen geworden. Und wer der Brasilianerin Marta mal dabei zugschaut hat, was sie mit dem Ball anstellen kann, der tut in Zukunft besser daran, sich Sätze, die mit „Ja aber bei den Männer ist das“ anfangen, zu sparen.

Es gibt drei Gründe, warum die Sache so langsam ins Rollen kommt.

  1. Gesteigertes Interesse. Das liegt wie gesagt nicht etwa an einer verblüffenden Leistungssteigerung bei den Fußballerinnen oder an einem plötzlichen Titelregen, sondern oft auch einfach daran, dass sich die Fans vom Männerfußball abwenden. Brasilien ist dafür ein gutes Beispiel. Dort werden die Spiel der Frauen mittlerweile mit guten Quoten im Free-TV übertragen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man von den Männern immer wieder enttäuscht wurde.
  2. Gesellschaftlicher Wandel. Über Sexismus und Gleichberechtigung wird verstärkt diskutiert. Diskriminierung aufgrund von Geschlecht wird zunehmend uncooler. Bei den sexistischen Kommentaren gegen Claudia Neumann war das besonders deutlich zu beobachten. Nicht nur Frauen fanden das widerwärtig und peinlich. Auch Männer reagierten öffentlich beschämt und verärgert.
  3. Selbstbewusstsein. Frauenfußball „braucht keine Eier – er hat Pferdeschwänze.“

In diesem Sinne befindet sich der Frauenfußball auf dem Weg. Irgendwo zwischen Rekordprämien, die gleichzeitig nur ein Viertel dessen sind, was Männer bekommen. Zwischen Anerkennung und Missachtung.

Marta, die vermutlich beste Fußballspielerin der Welt, hat nach der Niederlage ihres Teams eine vielbeachtete Rede gehalten. „Verlangt mehr!“ gab sie den brasilianischen Mädchen, allen Mädchen mit. „Holt euch, was euch zusteht.“

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Quelle Beitragsbild: Wikimedia Commons