Der 8. März ist Internationaler Frauentag/Frauen*kampftag – ein Tag, um weltweit Solidarität zu zeigen im Einsatz für eine gleichberechtigtere Gesellschaft. Ein Tag, um gegen Missstände laut zu werden und auf die Straße zu gehen. Obwohl der Aktionstag, der seit 1975 von der UN unterstützt wird, in den letzten Jahren massiv an Aufmerksamkeit und Beteiligung gewonnen hat, gibt es nach wie vor viel Kritik am internationalen Frauentag und jede Menge Missverständnisse. Hier kommen fünf Gründe, warum wir – als Gesellschaft, Frauen wie Männer, jung wie alt – den internationalen Frauentag brauchen.

1. Frauen sind in keinem Land der Welt gleichberechtigt

Das World Econoic Forum erstellt regelmäßig den sogenannten Gender Gap Report, worin die unterschiedlichen Zugänge, Möglichkeiten, Sicherheiten und Chancen von Frauen und Männern untersucht werden. Im Jahr 2017 stand der Index bei 68 Prozent. Kein Land der Welt hat demnach voll Gleichberechtigung erreicht. Der Internationale Frauentag macht genau diesen Umstand sichtbar und ermutigt uns alle, so lange am Ball zu bleiben, bis die Lücke bis zur letzten Kommastelle geschlossen ist.

2. Feminismus wird nach wie vor nicht richtig verstanden

Feminismus bleibt ein belastetes und oftmals negativ konnotiertes Wort. Dies zeigt sich insbesondere, wenn man einen Blick in die antifeministische Szene wirft. Eine zentrale Website aller Gegner von „Genderwahn“, Feminismus und Co. ist wikiMANNia. Feminismus wird dort unter anderem wie folgt definiert:

Schwer zu sagen, ob man darüber lachen oder weinen soll. In jedem Fall zeigt dieses Beispiel den weiten Weg, den wir noch zu gehen haben. Der Wunsch nach Gleichberechtigung und Gerechtigkeit erscheint nach wie vor eine Art dunkle Bedrohung für eine ganze Reihe an Menschen zu sein. Auch deshalb braucht es den Frauentag jedes Jahr aufs Neue: Um nach und nach all die falschen Vorurteilen, die Ablehnung und Missgunst zu überkommen. Und einfach auch um Twitter-Nutzern wie diesem die Möglichkeit zu geben, im Verständnis zu wachsen:

3. Weil wir mehr Feminist*innen brauchen

Bist du Feminist*in? Diese Frage spaltet die Gesellschaft, wie einige Umfrage nahelegen. Nach einer Umfrage der Washington Post sieht es in den USA so aus:

In Deutschland ist die Situation, laut Umfrageinstitut Civey, ähnlich:

Beachtenswert: In beiden Umfragen, gibt es nur einen kleinen Teil an „No opinion“ / „Weiß nicht“. Feminismus ist ein Thema, zu dem fast jede*r eine Meinung hat.

Generell zeigt sich hier, dass sowohl Männer als auch Frauen bei dieser Frage gespalten reagieren, mit wenig Raum dazwischen. Der Auftrag daraus ist klar: Solange ein elementare Gerechtigkeitsfrage den Blutdruck dermaßen ansteigen lässt und die Gruppen so spaltet, werden wir als Gesellschaft nicht vorankommen. Viel wichtiger ist es also beim Internationalen Frauentag zu zeigen, welches Potential in einer gerechten und gleichberechtigten Welt liegt. So können wir die Anzahl der Feminist*innen erhöhen und jedes Jahr etwas mehr Fortschritt feiern.

4. Die Mär von den unterdrückten Männern gehört entkräftet

Auf der Seite debate.org wurde die Frage nach der Wichtigkeit des Internationale Frauentags erörtert. Die meisten Nutzen stimmten dagegen. Einer fiel besonders auf, ist aber in seiner „Argumentation“ eindeutig nicht alleine, wie weitere Onlinesuchen schnell zeigen:

Der immer-wiederkehrende Vorwurf an den Frauentag zusammengefasst und ohne Obszönitäten: Frauen hätten bereits genug Rechte und Macht. Die wahren Unterdrückten seien doch eigentlich die Männer. Beliebt in dieser Rubrik auch: Hinweise auf Statistiken zu tödlichen Arbeitsunfälle pro Geschlecht als Beweis für die Übervorteilung von Frauen.

Richtig ist: Auch Männer haben es nicht immer leicht. Insgesamt können wir aber dieses Gejammer einfach nicht mehr hören: „Frauen haben es viel besser.“ „Niemand fördert Männer.“ „Jetzt darf ich noch nicht einmal mehr flirten.“etc.

Auch Männer müssen verstehen, was systematische sowie strukturelle Diskriminierung bedeutet und dass diese in fast allen Fällen Frauen benachteiligt, entmündigt und unterdrückt (siehe Punkt 1). Am Internationalen Frauentag sollten wir also auch explizit das Problem aufzeigen, sodass jeder versteht, um was es geht. Aus eigener Erfahrung wissen wir: Ein Mann erlebt im Grunde keinen Alltagssexismus. Die meisten Männer werden nicht sexuell belästigt, verbal aufgrund ihres Geschlechts degradiert und ebenso deshalb weniger bezahlt. Mangelnde Erfahrung führt oft zu mangelnder Empathie. Der Weltfrauentag bietet die Chance in den Dialog mit Männern einzusteigen, wo Frauen erklären und zeigen können, welche Auswirkungen Sexismus auf sie und ihr Leben haben.

5. Weil der Einsatz für Gleichberechtigung Spaß macht

Seien wir ehrlich: Feminismus macht auch Spaß – für Frau und Mann. Ob bei den großen weltweiten Märschen, bei Diskussionsveranstaltungen oder im kleineren Kreis: Der Weltfrauentag bringt viele tolle Leute zusammen, die an eine bessere Welt glauben und sich dafür einsetzen – inklusiv und offen für alle anderen zum Mitmachen. Wer da nicht dabei ist, verpasst wirklich was. Der Internationale Frauentag ist damit auch ein soziales Happening, wo wir als Gesellschaft zeigen, wozu wir fähig sind und wohin wir wollen. Auch in diesem Jahr sind wieder alle Zukunftsoffenen, Gerechtigkeitsfreund*innen und Feminist*innen aufgerufen: Kommt zusammen, setzt ein Zeichen für Gleichberechtigung und habt Spaß am Fortschritt.