Pinkstinks Germany https://pinkstinks.de Mädchen sein kann man auf viele Weisen. Junge auch. Mon, 20 May 2019 07:14:02 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.1.1 https://pinkstinks.de/wp-content/uploads/2015/07/cropped-Favicon-PinkStinks-32x32.png Pinkstinks Germany https://pinkstinks.de 32 32 Und jährlich grüßt der Muttertag https://pinkstinks.de/und-jaehrlich-gruesst-der-muttertag/ https://pinkstinks.de/und-jaehrlich-gruesst-der-muttertag/#comments Wed, 08 May 2019 22:32:13 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000005487

Es gibt ja Termine, zu denen uns im Vornherein klar ist, dass wir uns auf richtig viel Arbeit einstellen müssen, weil einiges los sein wird. Vorweihnachtszeit zum Beispiel, Weltfrauentag oder auch das Finale von Germany’s Next Topmodel. Die Woche vor dem Muttertag gehörte in den ersten Jahren von Pinkstinks nicht unbedingt dazu, hat aber mittlerweile […]

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Es gibt ja Termine, zu denen uns im Vornherein klar ist, dass wir uns auf richtig viel Arbeit einstellen müssen, weil einiges los sein wird. Vorweihnachtszeit zum Beispiel, Weltfrauentag oder auch das Finale von Germany’s Next Topmodel. Die Woche vor dem Muttertag gehörte in den ersten Jahren von Pinkstinks nicht unbedingt dazu, hat aber mittlerweile klar nachgezogen. So auch in diesem Jahr.

Über diesen unsäglichen Clip von Edeka wollen und müssen wir an dieser Stelle nicht mehr viel sagen. Vermutlich haben den alle inzwischen gesehen – was ja wohl auch der Plan gewesen ist. Stattdessen lohnt es sich, beim Spiegel nachzulesen, warum Stevie diesen Clip für ein „vergiftetes Muttertagsgeschenk“ hält. Und beim Nuf kann man erfahren, wieso das E in Edeka für ekelhaft steht. Viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.

Aber Muttertag ist ja noch so viel mehr als das. Muttertag, das sind die Zeitungsartikel, in denen Söhne sich darüber auslassen, was ihre Freundinnen noch von ihrer Mutter lernen könnten: Kochen und Bügeln.

Muttertag, das ist die Gelegenheit der Industrie, sich bei Müttern zu bedanken. Und damit meinen wir nicht nur große Konzerne wie Lidl, die 2018 mit Bügeleisen und Nähmaschine auftrumpften.

Vielfach geht das auch eine Nummer kleiner. Wobei das nicht heißt, dass es weniger pinkifiziert

oder haushaltsgerätetechnisch zugeht.

Alljährlich werden zum Muttertag neue Gipfel der Absurdität erklommen. Man würde gar nicht meinen, mit was für Produkten man sich alles bei Mutti bedanken kann. Warum nicht mal einen Hornhaut-Entferner verschenken.

Oder einen „Zauberstab“ mit dem sich Schimmel und Bakterien abtöten lassen. Da lacht das Mutterherz.

Und wenn das alles nicht zieht, dann geht immer noch der Klassiker: Blümchen schenken. 14 Euro geben die Deutschen im Schnitt für ihre Muttertagssträuße aus.

Die gute Nachricht ist, dass das nur die eine Seite des Muttertags ist. Die andere wird seit Jahren zunehmend lauter und politischer. Sie weist auf die Benachteiligung von Alleinerziehenden hin. Sie formuliert klare Wünsche und Ziele für eine geschlechtergerechte Gesellschaft und legt dabei den Finger in die Wunde.

Das Schöne an dieser politischen Seite ist zudem, dass sie mit nett gemeinten und erwünschten Gesten kombinierbar ist. Warum also nicht am Walk of Care teilnehmen und später Mama mit einer kleinen Aufmerksamkeit wissen lassen, dass sie einfach großartig ist?

In diesem Sinne einen fröhlichen Multitasking-Muttertag.

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Fette Werbung für Gillette https://pinkstinks.de/fette-werbung-fuer-gillette/ https://pinkstinks.de/fette-werbung-fuer-gillette/#comments Wed, 10 Apr 2019 23:07:04 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000005237

„Meine Güte, das geht ja Schlag auf Schlag – anscheinend will es Gillette jetzt wirklich wissen.“ Das waren so ungefähr die Gedanken, die wir hatten, als wir uns den neuesten Social Media Streich von Gillette angeschaut haben. Für die Venus Produktreihe wird mit dem Testimonial Anna O’Brien alias Glitter geworben – und damit erstmals mit […]

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„Meine Güte, das geht ja Schlag auf Schlag – anscheinend will es Gillette jetzt wirklich wissen.“ Das waren so ungefähr die Gedanken, die wir hatten, als wir uns den neuesten Social Media Streich von Gillette angeschaut haben. Für die Venus Produktreihe wird mit dem Testimonial Anna O’Brien alias Glitter geworben – und damit erstmals mit einer fetten Frau.

Das ist tatsächlich im Vergleich zu früheren Testimonials ein ziemlich radikaler Schritt. Gillette setzt hier nicht nur auf einen angedeuteten Bruch mit unseren Sehgewohnheiten, der die Wahrnehmung von normschlank auf durchschnittlich oder knapp in den sogenannten „Plus-Size“ Bereich verschiebt. Wir reden hier nicht von Paloma Elsesser für She’s Mercedes,

sondern von einem – nach allen gängigen Maßstäben – fetten Model. „Fett“, um das an dieser Stelle nur kurz einzuschieben, ist weder despektierlich noch überhaupt wertend gemeint. Fett ist lediglich eine Beschreibung, die nicht länger mit herabsetzender Übergriffigkeit aufgeladen werden sollte.

Ein fettes Model also. Anna O’Brian ist nicht erst seit gestern im Geschäft.

Sie schreibt über Mode, Beauty, Sport, Gesundheit und immer wieder über ihr Leben als fette Frau. Auf Instagram folgen ihr dafür über 320.000 Menschen, während sich auf YouTube knapp 200.000 Abonnent*innen darüber informieren, welche Hosen an dicken Beinen richtig gut aussehen.

Diese Aufmerksamkeit hat sich durch die Zusammenarbeit mit Gillette natürlich noch mal gesteigert. Und so kam es wie es offenbar kommen musste:

Ein Shitstorm à la „Iiih, wie eklig, das geht jetzt aber viel zu weit, gesundheitsgefährdend, Propagierung von Fettleibigkeit, die überlebt die nächsten 5 Jahre nicht, zieht den Wal zurück ins Meer.“ Das ganze Programm eben. Von den üblichen Beschimpfungen

bis zum „medizinischen Fachpersonal“ war wieder alles dabei.

Ich will an dieser Stelle nicht noch einmal ausführen, in welchem (Nicht)Zusammenhang Fett und Gesundheit stehen. Dazu hat Pinkstinks schon verschiedentlich sehr ausführlich Stellung bezogen (zum Beispiel hier, hier und hier). Ich möchte nur kurz die Gelegenheit nutzen darauf hinzuweisen, mit welcher verlogenen Bigotterie hier gegen eine fette Frau Front gemacht wird, die es wagt, in der Öffentlichkeit stattzufinden.

1.
Wie schon bei dem Gillette Clip über toxische Maskulinität melden sich plötzlich Menschen mit Bedenken zu Wort, die gegenüber Organisationen wie uns Werbung sonst regelmäßig ihre Wirkmacht absprechen: „Alles nicht so schlimm, wieso – ist doch witzig, der mündige Verbraucher wird’s schon richten, man muss es ja nicht kaufen.“ Aber Kritik an Männlichkeit oder eine fette Frau sind dann zu krass. Dieser moralisch verwerfliche Einfluß auf die Öffentlichkeit muss natürlich gestoppt werden. Ganz plötzlich wirkt Werbung. Studien, EU-Richtlinien, Gesetze – alles vorher egal. Jetzt gilt es.

2.
„Go out and slay the day“ – „Geh raus und hab eine großartigen Tag“! Inwiefern propagiert das Fettleibigkeit? Darf Anna O’Brian etwa keinen großartigen Tag haben, weil sie fett ist? Darf sie als Model kein Geld verdienen, keine Verträge an Land ziehen, keinen Erfolg haben? Können wir fette Menschen wirklich nur „sich ihrer Schuld bewusst“ und Besserung gelobend ertragen:
Ja, ich habe mich an meinem Körper versündigt.
Ja, in meinem Körper steckt eine zarte Elfe, die befreit werden muss.
Ja, ich bin auf Diät.

3.
Körper wie der von Anna existieren. Sie leben, atmen, arbeiten, essen. Anna O’Brian existiert. Sie steckt ihren Körper in Mode, sie schminkt sich, sie macht Sport, sie verdient Geld. Aber egal wie und was sie macht, es ist immer verkehrt. Man beschämt sie, wenn sie Sport macht, und wenn sie keinen Sport macht, beschämt man sie auch. Sie ist entweder die fette Frau, die keine modischen Sachen trägt, weil sie so fett ist, oder die fette Frau, die sich anmaßt, modische Sachen zu tragen, obwohl sie so fett ist. Egal wie, egal wann, egal warum – es geht immer darum, dass Anna O’Brian vielen Leuten zu fett ist und sie darüber bestimmen wollen, wie sie sich deshalb zu fühlen hat. Schlecht. Grundsätzlich und immer schlecht. Weil das nämlich, und darum geht es diesen Leuten ja angeblich, so unglaublich gesundheitsfördernd ist.

Niemand wird aufgefordert, so fett zu werden wie Anna O’Brian. Ihr Körper liegt meilenweit neben der aktuellen Schönheitsnorm. In der Welt, in der Anna O’Brian, in der wir alle leben, ist Fettsein nicht erstrebenswert. Noch nicht einmal toleriert. Fette Menschen gelten als faule, moralisch verkommene Parasiten, die das Gesundheitssystem belasten und das Auge beleidigen. Diese Welt dreht sich immer noch um das Diktum von Kate Moss, wonach nichts so gut schmeckt, wie sich Dünnsein anfühlt.

Anna O’Brian stellt immer wieder klar, worum es wirklich geht. Wir müssen ihr nur zuhören:
Wir werden gesehen werden. Wir verstecken uns nicht länger. Und wir werden bestimmen, was wir tragen und wo wir es tragen.
Die Person, die das verwerflich findet, hat kein Problem mit fetten Menschen. Sie ist ein Problem für fette Menschen.

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Quelle Beitragsbild: Anna O’Brian, Instagram

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Hamburger Kreative wühlen im Estrich https://pinkstinks.de/handwerk/ https://pinkstinks.de/handwerk/#comments Thu, 21 Mar 2019 06:00:06 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000004848

In unserer Werbemelder*in sind über die letzten zwanzig Monate ca. 4.000 Einsendungen von Werbungen eingegangen, die als sexistisch beanstandet wurden. Ungefähr 80% davon haben wir tatsächlich als sexistisch eingestuft und dabei gemerkt, dass es sehr oft Anzeigen für handwerkliche Dienstleistungen oder das Baugewerbe sind, in denen halbnackte Frauen lasziv und als reine Dekoration neben irgendwelchen […]

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In unserer Werbemelder*in sind über die letzten zwanzig Monate ca. 4.000 Einsendungen von Werbungen eingegangen, die als sexistisch beanstandet wurden. Ungefähr 80% davon haben wir tatsächlich als sexistisch eingestuft und dabei gemerkt, dass es sehr oft Anzeigen für handwerkliche Dienstleistungen oder das Baugewerbe sind, in denen halbnackte Frauen lasziv und als reine Dekoration neben irgendwelchen Gegenständen posieren. Warum ist das so? Wir haben viele der Unternehmen angerufen und folgende Antworten erhalten:

„Ach, das hat unser Azubi schnell auf Photoshop gebaut – wir fanden das ganz lustig!“

„Das ist ein günstiges Stockbild, das haben wir gekauft, das ist doch nicht verboten, oder?“

„Seid ihr aber verklemmt!“

„Bei uns in der Branche kommt das gut an!“

Wir sind mit einigen der Bilder mal durch die Hamburger Innenstadt gegangen. Bei einem solchen Bild

waren Antworten von potentiellen Kundinnen folgende:

„Sorry, aber den würde ich nicht buchen. Der fällt dann gleich im Hausflur über mich her?“

„Ganz ehrlich: Mit solcher Werbung aus den 80er Jahren mache ich mir Sorgen, ob der Betrieb schon die modernsten Produkte anbietet.“

Wir haben uns in die Betriebe hineinversetzt und überlegt, warum diese trotzdem eine Frau in Dessous über den Autoreifen drapieren, um die lokale Kfz-Werkstätte zu bewerben. Wahrscheinlich wollen Sie Aufmerksamkeit, nicht zu viel Geld ausgeben und denken, „Sex sells“ läuft immer. Aber ist das heute noch wirklich so? Wir haben mal die großen Werbeprofis gefragt:

Ihr Fazit: Viele Produkte könnten sehr viel attraktiver und genauso günstig beworben werden, wenn man nicht zur gewohnten Sexismus-Karte greift. Produkte bieten meist von selbst spannende gedankliche Routen an, die es sich lohnt, zu verfolgen. Die Balkonbrüstung als Busen finden nur wenige Kunden witzig,

eine Julia, die sich auf dem Smartphone schon mit dem Nächsten verabredet, weil Romeo zu lahm ist und der Balkon ab jetzt für die Ewigkeit hält, erzählt viel mehr Geschichte, überzeugt mit Witz und weist auf die Qualität des Produkts hin.

Ein „geiles Teil“ klingt wirklich nach 80er Jahre und entlockt nur ein Gähnen. Eine Parship-Kopie ist da viel charmanter, moderner und kommt ohne Diskriminierung aus:

Werbung, die schon an sexuelle Gewalt grenzt muss weg. Dabei geht es so viel besser: Wenn Aggression kreativ genutzt und in die bekannte Autobahn-Genervtheit übertragen wird, die wir alle kennen. Vollpfosten!

Ebenso diese Werbung, mit die Schlimmste, die wir je zugesandt bekamen,

könnte statt für einen Shitstorm für ein Schmunzeln sorgen, das hängen bleibt. Statt Macht über die Frau zu haben kann man(n) hier über ein Bauwerk bestimmen.

Auch dieses Beispiel zeigt, wieviel Potential die Dessous-Version verspielen kann: Dieser wirklich hochwertige Holz-Pellet-Ofen sollte dringend mit gewitzter Eleganz verkauft werden, nicht mit Rotlichtcharakter.

Wir haben uns riesig gefreut, dass fünf der größten Werbeagenturen Deutschlands Lust hatten, sich dieser Bilder anzunehmen um an ihnen zu zeigen, wie schnell, kostengünstig und anders Werbung machbar ist.

Großes DANKE an Kolle Rebbe, Philipp und Keuntje, Grabarz und Partner, Thjnk / Loved und Jung von Matt!

Die Werbemelder*in findet ihr hier. Mit unseren Kampagnen wollen wir helfen, Sexismus in der Werbung zu reduzieren und eine gleichberechtigte Gesellschaft mitzugestalten.

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Nora kommt auf Bestellung https://pinkstinks.de/nora-kommt-auf-bestellung/ https://pinkstinks.de/nora-kommt-auf-bestellung/#respond Mon, 25 Feb 2019 00:05:21 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000004320

Nicht Organisationsgebundene Rabattbegünstigte Abnehmer. Diesen Namen hat sich der Volkswagen Konzern für gewerbliche Kundschaft wie Werkstätten und Fuhrparkbetriebe ausgedacht, die auf Originalteile von Volkswagen angewiesen sind aber nicht zur Firmengruppe gehören. Und die VW durch Preisnachlässe bei Laune halten will. Solche Programme mit mehr oder weniger umständlichen Namen bietet praktisch jeder größere Automobilkonzern an und […]

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Nicht Organisationsgebundene Rabattbegünstigte Abnehmer. Diesen Namen hat sich der Volkswagen Konzern für gewerbliche Kundschaft wie Werkstätten und Fuhrparkbetriebe ausgedacht, die auf Originalteile von Volkswagen angewiesen sind aber nicht zur Firmengruppe gehören. Und die VW durch Preisnachlässe bei Laune halten will. Solche Programme mit mehr oder weniger umständlichen Namen bietet praktisch jeder größere Automobilkonzern an und sie alle sind das Gegenteil von dem, was viele Unternehmen heutzutage sein wollen: Hip, innovativ, am Puls der Zeit, relevant. Deshalb hat sich VW besonders viel Mühe gegeben und ein sogenanntes Apronym aus dem Hut gezaubert – also eine Kombination aus Anfangsbuchstaben, die ein bereits existierendes Wort ergeben. Und so wurde NORA® geboren. NORA hat nicht nur den Vorteil, dass man es besser auf Autos schreiben kann und es kürzer und einprägsamer ist.

NORA kann auch verkörpert und für Werbezwecke eingesetzt werden. NORA ist eine sie. Und so prangt NORA auf zig Einsatzfahrzeugen von Autohäusern im ganzen Land. Mal wird sie hochhackig und knapp bekleidet vorbeigebracht, und mal küsst sie ein kleines Fahrzeug als wäre es ein Frosch.

Manchmal schlägt sie zusammenhangslos Autoersatzteile aneinander.

Oder sie kommt auf Bestellung – inklusive Lockenwickler, NORA-Kette und tief ausgeschnittenem Dekolleté.

NORA wird hier also als technikfremder Blickfang für diejenigen eingesetzt, um die es wirklich geht: Männer als VW-Kunden. Das Ganze wäre wenig interessant und würde in seiner Klischeehaftigkeit bis hin zu plumpem Sexismus allenfalls etwas aus der Zeit gefallen wirken, wenn Werbung für NORA nicht auch anders aussehen könnte. Entweder indem auf Menschen als Werbeträger verzichtet wird,

oder indem Frauen nicht als bloße Aufhübschung eines banalen Produktes herhalten müssen, damit es nicht ganz so langweilig erscheint.

Volkswagen ist in diesem Zusammenhang kein Beispiel für einen Konzern, der besonders sexistisch wirbt, sondern für einen, der sich seit geraumer Zeit bemüht, besser zu werben.

Das ist mit Rückschlägen verbunden,

aber die grobe Richtung stimmt. Stattdessen haben wir es hier mit einem Problem aus der Rubrik Sexismus auf Rädern zu tun. Also sexistische Werbung auf den Fahrzeugen mittelständischer Betriebe, die weder Interesse daran haben, sich mit dem Problem näher zu befassen, noch das Geld die Wagen umzulackieren. So wird auf unseren Straßen Werbung herumgefahren, die in jeder Hinsicht veraltet ist. Die Lösung des Problems besteht nicht in einem schluffigen „Ja gut, irgendwann fahren sie nicht mehr und wir als Konzern sind ja irgendwie auch nicht mehr so“. Sie besteht auch nicht darin, mittelständische Betriebe abzustrafen. Sondern darin, dass ein Großkonzern wie Volkswagen voll auf ein vielfältiges, antisexistisches Konzept setzt und alle Beteiligten darin unterstützt, es umzusetzen. Das kostet Zeit, Geld und vor allem Engagement. Aber der Erfolg gibt Konzernen, die sich genau das auf die Fahnen geschrieben haben und deshalb Mitglieder der Unstereotype Alliance sind, Recht.

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Die Baustelle wird weiblich https://pinkstinks.de/die-baustelle-wird-weiblich/ https://pinkstinks.de/die-baustelle-wird-weiblich/#comments Wed, 20 Feb 2019 05:30:47 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000003833 Madita Brauer, Foto: WeitblickWorkwear

Wisst ihr, dass ich heutzutage immer noch komisch angeguckt werde, wenn ich arbeite? Das könnte an meiner Berufswahl liegen, ziemlich sicher sogar. Schade eigentlich! Ich bin 21 Jahre jung und habe mich nach meiner abgeschlossenen Banklehre dazu entschieden, ins Handwerk einzusteigen und auf der Baustelle zu arbeiten. Ich bin im dritten Lehrjahr in der Ausbildung […]

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Wisst ihr, dass ich heutzutage immer noch komisch angeguckt werde, wenn ich arbeite? Das könnte an meiner Berufswahl liegen, ziemlich sicher sogar. Schade eigentlich!

Ich bin 21 Jahre jung und habe mich nach meiner abgeschlossenen Banklehre dazu entschieden, ins Handwerk einzusteigen und auf der Baustelle zu arbeiten. Ich bin im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zur Anlagenmechanikerin, nebenberuflich studiere ich noch und der Meister ist auch geplant. Wenn ich mich in drei Worten beschreiben müsste, dann wären das folgende: selbstbewusst, zielstrebig und wissbegierig. Diese Eigenschaften erleichtern mir vieles und sind aktuell leider auch noch notwendig, um im Handwerk standhaft zu bleiben.

Komische und fragende Blicke von Kunden, Kollegen oder anderen Gewerken sind an der Tagesordnung, solange man sich noch nicht etabliert hat. Ebenso huscht am Anfang gerne der ein oder andere Kommentar über die Lippen, meistens von Kunden: „Darf ich mal den Kollegen sprechen, Sie können das bestimmt nicht“, „Soll ich Ihnen beim Tragen helfen?“ oder „Normalerweise sitzen Sie doch im Büro, oder?“. Gerade in meiner Anfangszeit habe ich viel wegstecken müssen, nichts wirklich Bösartiges, aber alleine die Menge hätte mich leicht in die Knie zwingen können. Man wird überall begutachtet, bewertet und verglichen. Es war schwierig, aber hat man das nicht in jedem Beruf? Mittlerweile kennen mich sowohl Kunden als auch die anderen Gewerke ich und sie wissen, was ich kann.

Ich kenne Frauen in meiner Community, die das Handwerk aufgegeben haben, da sie die negativen Kommentare mit dem Handwerk gleichgesetzt haben. Hier zählt ein gesundes Selbstbewusstsein und sich selbst etwas zuzutrauen. Ich liebe das Handwerk und das kann mir keiner nehmen, weder ein Kommentar noch ein Blick. Nachdem ich klargestellt hatte, dass ich genauso arbeiten kann wie Männer und auf dumme Kommentare ebenbürtige kontern kann, wurde ich von ziemlich allen akzeptiert und bin gerne gesehen. Durch meine medialen Auftritte und meine Zielstrebigkeit bin ich Auszubildende des Monats Dezember 2018, verliehen durch die Handwerkskammer Düsseldorf, und trage außerdem den Titel des Handwerkerazubi‘s des Jahres 2018, erstmalig verliehen durch MyHammer.

In der Handwerksbranche werden Frauen ebenso benötigt wie Männer. Wieso sollte man in einem Atemzug über den Fachkräftemagel beschweren und im zweiten die zweite Hälfte der Bevölkerung unbeachtet lassen? Wenige Firmen haben das bereits verstanden, die anderen werden es bald spüren. Wieso fällt es uns Frauen gerade in dieser Branche so schwer, Fuß zu fassen?

Behauptungen wie „nicht ausreichende Körperkraft“, „zu zärtliches Wesen“ oder „kein technisches Verständnis“ sind die Standardantworten. Es gibt geborene Ärztinnen, leidenschaftliche Erzieherinnen, völlig zufriedene Sachbearbeiterinnen – und eben Frauen, die fürs Handwerk gemacht sind, es lieben und leben würden, aber davon entweder gar nichts wissen oder sich nicht trauen. Und hier liegt es an uns selber, wollen wir was wagen und ausprobieren? Oder uns dem aktuellen Standard anpassen?  Bei Männern gibt es genauso den geborenen Arzt, den leidenschaftlichen Erzieher oder den völlig zufriedenen Sachbearbeiter, aber das ist dann völlig normal?

Mein Appell an alle Frauen lautet also: Gibt dem Handwerk eine Chance, versucht euch darin! Nicht jede Frau hat handwerkliches Geschick, aber ebenso auch nicht jeder Mann. Wenn euch einmal die #LustaufHandwerk gepackt hat, gebt sie nie wieder auf und bleibt dran! Es gibt so viele Frauen, die diesen Weg schon angegriffen haben – lasst uns mehr werden!

Dieser Berufszweig wird NOCH von Männern dominiert. Die Zeit wird kommen, in der die Gesellschaft die Frau im Handwerk als selbstverständlich betrachtet. Sobald die Gesellschaft verstanden hat, dass das Handwerk einen goldenen Boden, ausgezeichnete Zukunftschancen und Platz für alle Geschlechter hat, wird der Fachkräftemangel ebenso abnehmen, wie die Sexismen im Job.

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Wer soll den Pinken Pudel gewinnen? https://pinkstinks.de/wer-soll-den-pinken-pudel-gewinnen/ https://pinkstinks.de/wer-soll-den-pinken-pudel-gewinnen/#comments Mon, 18 Feb 2019 05:00:49 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000004177

Wer soll einen Pinken Pudel 2019 gewinnen? Das entscheidet ab jetzt ihr! Mit 24 Einreichungen haben wir diesmal zwar deutlich mehr Positivbeispiele für geschlechtergerechte Werbung bekommen als noch im letzten Jahr, trotzdem bleibt die Ausbeute ernüchternd. Insbesondere, wenn wir demgegenüber sehen, dass bei uns innerhalb eines Jahres mehr als 4.000 Werbemotive in der Werbemelder*in eingegangen sind, […]

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Wer soll einen Pinken Pudel 2019 gewinnen? Das entscheidet ab jetzt ihr!

Mit 24 Einreichungen haben wir diesmal zwar deutlich mehr Positivbeispiele für geschlechtergerechte Werbung bekommen als noch im letzten Jahr, trotzdem bleibt die Ausbeute ernüchternd. Insbesondere, wenn wir demgegenüber sehen, dass bei uns innerhalb eines Jahres mehr als 4.000 Werbemotive in der Werbemelder*in eingegangen sind, die Menschen als sexistisch beanstanden.

Es wird also höchste Zeit für einen Aufbruch! Mit dem Pinken Pudel wollen wir Werbekampagnen hervorheben, die in puncto Geschlechterrollen etwas richtig machen, im Großen wie im Kleinen. Wir wollen zeigen, dass es anders geht – und wie. Aus allen Einreichungen haben wir fünf Werbespots ausgewählt, die nun für den Publikumspreis 2019 nominiert sind und Werbeagenturen und Unternehmen darin bestärken sollen, Rollenbilder neu zu denken. Auch wenn die nominierten Spots für unsere Sehgewohnheiten zum Teil eher kleine Schritte machen, sind sie in der Werbewelt ein bemerkenswerter Schritt auf dem Weg in eine gerechtere und diversere Abbildung von Gender in den Medien.

Für den Publikumspreis nominiert sind:

Klickt auf die Bilder, um die Spots zu sehen.

Ariel: Alle podden

Opel: Standard Evolved

Ikea: Neues Weihnachten

Audi: Die Evolution des Müssens

Rewe: Kindern ein Lächeln schenken

Gib jetzt deine Stimme ab!

 

Unter allen Teilnehmer*innen verlosen wir 20 Tickets für die große Preisverleihung und Party am 4. April ab 19.30 Uhr in Hamburg! Dort trefft ihr nicht nur uns, sondern auch andere Aktivist*innen, Werbefachleute, und spannende Menschen aus Medien und Politik, darunter Autorin und Moderatorin Collien Ulmen-Fernandes, die Botschafterin von „Free The Bid GermanyElisha Smith-Leverock, frau-TV-Moderatorin Lisa Ortgies und den Gewinner des Deutschen Werbefilmpreises 2018 Nils Schwemer.

Neben dem Publikumspreis wird es zusätzlich einen Jurypreis vergeben. Die diesjährige Fachjury besteht aus Nils Schwemer (Iconoclast Germany), Nina Puri (Kreativdirektorin, Autorin und Mitglied im Art Director’s Club), Sabine Cole (Loved/Thjnk), Dr. Stevie Meriel Schmiedel (Pinkstinks Germany) und Dr. Ralf Nöcker (GWA).

Wir freuen uns auf euch!

 

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Besorg es Frauen und Finanzen https://pinkstinks.de/besorg-es-frauen-und-finanzen/ https://pinkstinks.de/besorg-es-frauen-und-finanzen/#respond Wed, 30 Jan 2019 06:50:50 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000004007

+++Update 31.Januar 2019, 11 Uhr: Die Verantwortlichen der Werbung für „Moneydate“ haben sich soeben telefonisch gemeldet. In einem freundlichen Gespräch erfuhren wir, dass ihnen Implikationen der Werbung nicht bewusst waren und sie  das Motiv sofort zurückziehen werden.+++ An den Film The Wolf of Wall Street mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle werden sich sicher einige […]

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+++Update 31.Januar 2019, 11 Uhr: Die Verantwortlichen der Werbung für „Moneydate“ haben sich soeben telefonisch gemeldet. In einem freundlichen Gespräch erfuhren wir, dass ihnen Implikationen der Werbung nicht bewusst waren und sie  das Motiv sofort zurückziehen werden.+++

An den Film The Wolf of Wall Street mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle werden sich sicher einige von euch erinnern: 2013 erschien diese nach den Bestseller-Memoiren des Börsenmaklers Jordan Belfort verfilmte Biografie und zeigt Raubtierkapitalismus und männliches Dominanzgebaren an Amerikas wichtigstem Finanzplatz in den 80ern: Geld schaffeln, Leute bescheißen, Parties schmeißen, kleinwüchsige Menschen zur allgemeinen Belustigung auf Zielscheiben werfen, Drogen und natürlich Frauen – immer wieder Frauen: Als Sexobjekte, als Ärgernis, als Dekoration, als in jeder Hinsicht käuflich und verfügbar. Frauen, die Geld an ihrem Körper schmuggeln sollen, weil man(n) einfach zu viel davon hat und nicht weiß, wohin damit.

Passendes Zitat aus dem Film dazu:

Solange mein Geld an deinen Titten klebt, arbeitest du für mich.

Das Ganze war eine abgedrehte Parabel über Gier, Macht und über – mit all ihrem Geld und Erfolg – sehr arme Männer. Der Film wirkte streckenweise so überzogen, dass rund um den Veröffentlichungstermin einige Artikel erschienen, die sich die Mühe machten, den gezeigten Szenen einen Realitätscheck zu unterziehen. Und selbst das, was dann noch übrig bleibt, wirkt nach Bankenkrise und Occupy Wall Street ohne großen Bezug zur Gegenwart. Heute läuft das sicher anders. Oder doch nicht?

Wenn man sich die aktuelle Kampagne der Firma Moneydate anschaut, kann man dabei zumindest ein bisschen ins Grübeln kommen.

Was sind denn das für Leute, die es Frauen und Finanzen besorgen wollen? Moneydate ist eine Marke der Firma Geld.de, einem Versicherungsmakler. Dahinter steckt mit JDC Geld.de dasselbe Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden und dasselbe Geschäftsführerteam. Das ist insofern interessant, als die beiden Ableger mit unterschiedlicher Bildsprache arbeiten. Während man(n) sich auf Geld.de auf dem Sofa am Tablet über Versicherungen informiert,

 

ist es bei Moneydate die Hipstervariante mit offenem Hemd und Sonnenbrille vorm Privatjet.

Da darf der Instagramaccount mit Wandtattoosprüchen zu Champagnerflaschen

und Luxusautos

natürlich nicht fehlen. Denn „Geld enabled eben alles“ wie man bei Moneydate weiß.

Oder auch nicht. Offenbar enabled Geld nicht dazu, den Unterschied zwischen sexy und sexistisch zu begreifen

oder seine peinlichen Wolf of Wall Street Fantasien endlich zu begraben.

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Quelle Beitragsbilder: Universal, Screenshots

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Macht uns Gillette alles kaputt? https://pinkstinks.de/macht-uns-gillette-alles-kaputt/ https://pinkstinks.de/macht-uns-gillette-alles-kaputt/#comments Wed, 16 Jan 2019 11:49:05 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000003914

Ich hätte heulen können, als ich heute Morgen auf YouTube die Klickzahlen für den aktuellen Gillette-Spot checkte. Fast 10 Millionen Aufrufe in drei Tagen, davon nur eine Viertel Million Likes, über eine halbe Million Dislikes. Der Spot, der in aktueller „Haltungsfilm“-Manier toxische Männlichkeitskonzepte kritisiert und viele moderne Männer und Frauen begeistert, erntet den Shitstorm der […]

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Ich hätte heulen können, als ich heute Morgen auf YouTube die Klickzahlen für den aktuellen Gillette-Spot checkte. Fast 10 Millionen Aufrufe in drei Tagen, davon nur eine Viertel Million Likes, über eine halbe Million Dislikes. Der Spot, der in aktueller „Haltungsfilm“-Manier toxische Männlichkeitskonzepte kritisiert und viele moderne Männer und Frauen begeistert, erntet den Shitstorm der Werbegeschichte. Gestern erschien alleine in der deutschsprachigen Presse stündlich ein Kommentar dazu, weltweit wird wild diskutiert: Hilft oder schadet der Spot nun dem Feminismus? Und geht Gillette-Hersteller Procter&Gamble (P&G) jetzt bankrott?

Die renommierte Werbefachzeitschrift „Werben und Verkaufen“ schreibt heute Morgen, dass P&G die Kritik vorausgesehen hatte und zitiert den Nordamerika-Markenverantwortlichen Pankaj Bhalla: „Wir haben die Debatte erwartet. Eigentlich ist eine Diskussion nötig. Wenn wir nicht darüber reden, glaube ich nicht, dass sich etwas ändern wird“. Wenn der Spot aber wirklich gegen Sexismus sensibilisieren will, sei das Vorgehen ungünstig, schreibt das Forbes-Magazin. Eine Psychologin erklärt hier, dass man mit einem moralischen Appell Leute selten von einer Meinung abhält. Gillette hätte sich lieber auf die Darstellung eines modernen Männerbildes als Vorbild beschränken sollen um Wandel anzustoßen.

Den Forbes-Artikel fand ich verlinkt in den News-Feeds vieler Portale, die ich frequentiere und war erstaunt, wie diese psychologische Analyse kritiklos übernommen wurde. Dass der Appell „Klau nicht – zu viele Menschen klauen“ nicht funktioniert, kann man sich vorstellen. Klauen ist etwas, das moralisch verwerflich ist und „Tu das nicht! Das ist böse!“ kann leicht Trotzreaktionen bewirken. Bei toxischer Männlichkeit geht es aber um eine Haltung, die nicht nur anderen schadet (z.B. Frauen) sondern besonders Männern selbst. Das deutlich zu machen, darauf zielt der Spot ab. Es sind die geliebten Söhne, die prügeln lernen und selbst Prügel einstecken müssen, weil man noch immer meint, dass „Jungs nun mal Jungs sind“. Deshalb sollten wir traditionelle Männlichkeitskonzepte hinterfragen. Weil es Männer sind, die sich „Schwächling!“ anhören müssen, wenn sie nicht durchtrainiert und erfolgreich sind. Weil Männer einen schlechten Ruf bekommen haben – als gewalttätig und übergriffig, obwohl nicht alle Männer so sind. All das ist ungesund und Männer „verdienen“ mehr – eben das „Beste im Mann“. Wenn man dem Hashtag #MenAreTrash des letzten Sommers noch vorwerfen konnte, diese Argumentationslinie (auf werberisch „Storytelling“) auf 12 Zeichen nicht ausreichend transportiert haben zu können, hat Gillette hier einen guten Job gemacht.

Es gibt Unterschiede zwischen individueller Schuld und der Kritikwürdigkeit eines Konzeptes, in das man hinein sozialisiert wurde.

Aber große Teile unserer Gesellschaft sind noch nicht bereit, diese Verdichtung des komplexen Problems auf zwei Minuten Videozeit aufnehmen zu können. Das liegt an toxischer Männlichkeit an sich: Unverwundbar zu sein heißt eben auch, nie gelernt zu haben, dass Individuen keine abgeschlossenen Entitäten sind. Es gibt Unterschiede zwischen individueller Schuld und der Kritikwürdigkeit eines Konzeptes, in das man hinein sozialisiert wurde. Ich selbst begegne diesem Phänomen oft, wenn ich zu #MeToo doziere. Ein Tontechniker in einem großen Medienhaus sagte mir neulich wütend, warum er denn nachts die Straßenseite wechseln solle, wenn in einer dunklen Gasse eine Frau genau vor ihm ginge. Er sei doch kein Vergewaltiger! Und privilegiert schon gar nicht! Und richtig – im Gegensatz zu seinen gutverdienenden Vorgesetzten hat er das Nachsehen. Dass er zu einer Gruppe gehört, die statistisch gesehen sehr viel seltener sexualisierte Gewalt erlebt und leider die meisten Täter dieser Form von Gewalt stellt, darf ihn auch wütend machen. Trotzdem privilegiert diese Zugehörigkeit in der Form, dass er eben keine Angst haben muss, vor einer Frau eine dunkle Gasse entlang zu gehen. Als ich dies ausführte, entspannte sich der Mann. Er war nicht schuld. Er konnte aber etwas tun, um zu helfen und als Vorbild für die Gruppe zu dienen, der er sich zugehörig fühlte.

In der #MeToo-Debatte und der Auseinandersetzung um Privilegien und Männlichkeit ist es unfassbar wichtig, vorsichtig vorzugehen, um Männer nicht zu verprellen, sondern mitzunehmen. Die einzig ungünstige Szene sehe ich beim Gillette-Spot in einer Reihe grillender, durchweg muskulöser Männer, die als Chor „Boys will be boys“ predigen. Sie stehen als Vollpfosten neben den eher wenig gestählten Männern, die Jungs retten und sorgende Väter sind. „Was ist an Grillen verwerflich?“ fragte ein Twitter-User, der sich angegriffen fühlte. Dass grillende Männer als steinzeitliche „Herren des Feuers“ das Männlichkeitsklischee per se darstellen, dass viele Männer zu viel Fleisch essen und meinen, nicht kochen zu können (nur grillen), dass das für Männer ungesund und für viele Frauen ungünstig ist, dass Grillen mit Grobschlächtigen und Kochen mit Feinfühligkeit – auch für sich selbst – gleichgesetzt wird und dass das alles letztendlich für den Mann bedeutet, sich weniger um sich selbst zu kümmern und fünf Jahre früher als Frauen zu sterben: Für all das braucht es tatsächlich eine akademisierte Haltung zu toxischen Männlichkeitstheorien und kann nicht in zwei Minuten transportiert werden. Ob der Film genau darüber eine Debatte lostreten kann? Oder wurde die Möglichkeit dazu durch den Film verhindert?

Gillette wird den Film nicht zurückziehen und am Thema dranbleiben, mit einer Million Spendengelder an Organisationen, die sich neuen Männlichkeitsbildern verpflichten und in Deutschland mit einer Webseite, die ihre Vorschläge zu neuen Männerbildern verstetigt. Es wird P&G nicht ruinieren, im Gegenteil. Lasst uns die Wut im Netz aushalten als das, was sie ist: Ein Erinnern, dass auch Frauen traditionelle Weiblichkeitskonzepte nicht über Nacht über Bord geworfen haben, sondern noch lange verteidigen mussten und viele es noch immer tun. Dass diese „Männerrechtler“, die sich jetzt versammeln, um Gillette zu disliken, in ihrer verzweifelten Verteidigung ihrer erlernten Identität für uns männliche Gewalt darstellen, ist ein Problem. Es macht aber sichtbar, wo wir stehen: An einem Punkt, an dem wir dringend informieren müssen. Mit Geduld, Atmung und Unterstützung der Medien.

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2019 gegen Sexismus! https://pinkstinks.de/2019-gegen-sexismus/ https://pinkstinks.de/2019-gegen-sexismus/#comments Sun, 06 Jan 2019 18:00:01 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000003776

Liebe Menschen, vielen lieben Dank für die vielen Zuschriften über die Jahreswende! Wir fühlen uns gelobpudelt und gewärmt! Viele von euch fragten, wie sie uns 2019 unterstützen könnten. Besonders junge Eltern, insbesondere Väter, haben gefragt, was sie gegen Sexismus tun könnten – denn erst wenn die Kleinen da sind und man den sexistischen Müll in […]

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Liebe Menschen,

vielen lieben Dank für die vielen Zuschriften über die Jahreswende! Wir fühlen uns gelobpudelt und gewärmt! Viele von euch fragten, wie sie uns 2019 unterstützen könnten. Besonders junge Eltern, insbesondere Väter, haben gefragt, was sie gegen Sexismus tun könnten – denn erst wenn die Kleinen da sind und man den sexistischen Müll in Kleidungs- und Spielwarenläden erlebt, fühlt eine*r sich besonders machtlos gegen die Rosa-Hellblau-Falle.

Deshalb lasst Pinkstinks größer werden! Schon jetzt nutzen über 100.000 User in unseren sozialen Netzwerken unsere Plattformen, um gemeinsam gegen Sexismus laut zu werden. Wie die Soziologin Prof. Dr. Petra Lucht neulich im Interview sagte: Niemand möchte sein Kind ausgegrenzt wissen und alleine gegen die Vorgaben der Wirtschaft angehen. Also müssen wir gemeinsam sensibilisieren und kommunizieren, dass wir mehr Vielfalt brauchen – für uns und unsere Kinder.

Deshalb: Bestellt Sticker und Flyer! Das geht bei uns kostenlos im Shop, gerne gegen eine Spende. Abonniert unseren Newsletter und leitet ihn an eure Freunde weiter! So bilden wir ein weites Netzwerk, dem schon jetzt 20.000 Menschen angehören! Und drittens: Schickt uns eure Fragen! Im Frühjahr starten wir die „Schule gegen Sexismus“, eine Plattform, auf der sich Lehrende informieren können, was sie gegen Sexismus an den Schulen tun können und auf der wir Kurzvideos bereitstellen, die Antworten auf häufige Fragen geben wie

  • Schauen Mädchen als Säugling nicht eher auf Gesichter und Jungs auf Mobiles?
  • Sind Männer nicht größer, um Frauen zu beschützen?
  • Gibt es Sexismus gegen Männer?
  • Mein Sohn ist als Baby auf Bagger zugekrabbelt. Ist das nicht ein Beweis, dass Spielverhalten genetisch bedingt ist?

Schickt uns die Fragen, die ihr dort thematisiert sehen möchtet! Hier in den Kommentaren oder auf Facebook! Damit helft ihr uns sehr, damit wir ein großes Nachschlagewerk für Fragen zu Gender und Sexismus erstellen können.

Auf ein neues, spannendes und bewegendes Jahr mit euch – mit Pinkem Pudel, tollen Kampagnen gegen Sexismus in der Werbung, der Schule gegen Sexismus und als erstes, einer Broschüre zu Vielfalt in Kitas, die wir gerade fertigstellen. Ein frohes, gerechteres neues Jahr!

Eure Stevie und Team

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Werbung zu Weihnachten https://pinkstinks.de/weihnachtswerbung/ https://pinkstinks.de/weihnachtswerbung/#comments Wed, 12 Dec 2018 00:58:41 +0000 https://pinkstinks.de/?p=1000003713

Alle Jahre wieder… bringen die großen Discounter in der Vorweihnachtszeit aufwendig produzierte Werbeclips heraus. Und alle Jahre wieder lohnt es sich genau hinzuschauen, was da mit welchen Mitteln erzählt wird. Denn die Werbung der Discounter ist in vielfacher Weise ein Gradmesser für die Durchdringung von gesellschaftlichem Wandel. Man bemüht sich mit der Zeit zu gehen […]

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Alle Jahre wieder…
bringen die großen Discounter in der Vorweihnachtszeit aufwendig produzierte Werbeclips heraus. Und alle Jahre wieder lohnt es sich genau hinzuschauen, was da mit welchen Mitteln erzählt wird. Denn die Werbung der Discounter ist in vielfacher Weise ein Gradmesser für die Durchdringung von gesellschaftlichem Wandel. Man bemüht sich mit der Zeit zu gehen und riskiert sogar das ein oder andere Mal etwas. Andererseits mag man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, um die Durchschnittskundschaft nicht zu verschrecken. Discounter richten sich genau an die Person, die Olli Dittrich so treffend in dem Film König von Deutschland porträtiert. Deshalb erleben wir mit den Discountern ein ständiges auf und ab. Denn sie treten ebenso als klassische Pinkifizierungsvertreter auf

wie als Verfechter eines moderneren Rollenverständnisses.

Und ab und an weisen sie sogar über den Status Quo hinaus.

Wie die Discounter sich für ihre Kundschaft Weihnachten ausmalen sagt also eine Menge darüber aus, wo wir stehen und wie weit wir noch gehen müssen.  Wird es besinnlich, kommerziell, kritisch, lustig, klischeehaft oder progressiv? Nichts davon? Alles zusammen? Schauen wir uns das Ganze doch mal an:

Penny hat sich dieses Jahr für das Motto Weihnachten braucht nicht viel. Nur Liebe. entschieden und einen berührenden Animationsfilm produzieren lassen, in dem eine Mutter mit den Auswirkungen der Tatsache zu kämpfen hat, dass Armut in diesem Land vor allem weiblich und alleinerziehend ist.

Das ist bemerkenswert umgesetzt und für Discounterverhältnisse geradezu konsumkritisch. Denn es sind eben genau die 5 Euro zum Schlittschuhfahren, die zu oft fehlen. Partizipation kostet Geld. Andererseits sollte man sich bei aller Rührung auch Gedanken darüber machen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die alleinerziehende Mutter in dem Clip Verkäuferin bei Penny ist. Oder wie viel Essen man an der Kasse mit Liebe bezahlen kann.

Lidl legt in Sachen Weihnachtskritik sogar noch eine Schneeschaufel drauf.

Es ist als wäre man in eine Version von Gudrun Pausewangs Die Kinder in der Erde geraten. In ihrer Umweltdystopie verlassen die Kinder ihre Eltern und schlafen in der Erde, bis die Erwachsenen aufhören den Planeten zu zerstören. Im Clip von Lidl fliehen die Kinder vor dem, was eben auch oft Weihnachtsrealität ist, in eine Art erwachsenenfreie Weihnachtswunderwelt. Lidl geht sogar noch weiter und verbindet das mit einem klaren Appell: Wir Erwachsenen sollen das Fest nicht vermasseln. Starke Ansage. Die allerdings durch das Lidl lohnt sich Gepfeife am Ende auch stark verliert.

Wie jedes Jahr gibt es natürlich auch Clips, die eher an uns vorbeigehen: Kaufland erklärt sich „zum offiziellen Ausstatter des Weihnachtsmannes„, Aldi lässt jemanden von der Aufzählung einer enormen Menge verschiedener Weihnachtsessen überrollen und Edeka lässt die Kundschaft in einem Markt zwischen weihnachtlich und normal hin und her schalten. Das plätschert alles so ein bisschen vor sich hin, ist aber im Detail dann doch ganz interessant. Zum Beispiel dass es zwei Männer sind, die sich so kenntnisreich übers Essen unterhalten (beziehungsweise einer monologisiert), oder dass Kundschaft in Werbeclips nicht immer gleichbedeutend mit weiß und unter 30 sein muss. Kleine Schritte, aber es geht voran.

Was uns aber ganz besonders gut gefallen hat, ist der Weihnachtsspot von Rewe. Von den knapp 15 Millionen Aufrufen des Penny Rührstücks ist er weit entfernt und auch sonst kommt er eher unscheinbar daher. Ohne Spezialeffekte mit gerade einmal 40 Sekunden. Die haben es dafür aber in sich.

Denn er erzählt auf sehr unkomplizierte Weise etwas über Inklusion, Freundschaft, Interesse, Kindheit und Weihnachten. Und zwar ohne sich dabei des berüchtigten Inspiration Porn zu bedienen. Also ohne die gehörlose Person auf ihre Gehörlosigkeit zu reduzieren. Stattdessen zeigt er ein Mädchen, das die Initiative ergreift und Gebärdensprache lernt, um zu kommunizieren. Deshalb findet sich auch – ganz untypisch für YouTube – kaum Hass und Nörgelei unter dem Clip, sondern der Dank vieler Gehörloser dafür, dass und wie hier mit dem Thema umgegangen wird. Wir finden, das könnte ein Kandidat für den Pinken Pudel 2019 sein.

Fazit: Da bewegt sich was. Sicher, es ist nicht alles Gold, was weihnachtlich glänzt. Und die Prospekte der jeweiligen Discounter gucken wir uns nächstes Jahr trotzdem wieder sehr genau an. Aber von sexistischen und rassistischen Motiven auf Müllermilchflaschen zur Vorweihnachtszeit 2015 scheinen wir mittlerweile ein ganzes Stück entfernt.

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