Pinkstinks definiert sich seit Entstehung als feministische Organisation. Für uns ist das nicht nur ein hippes Modestatement,

wir meinen das auch so. Vielen sind wir mit unseren Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit und Diskriminierungsfreiheit deutlich zu radikal. Andere finden uns zu nett, zu anbiedern oder in unseren Anliegen zu eindimensional und zu wenig intersektionell. Manchmal nervt dieses zwischen den Stühlen sitzen aber im Grunde ist es Ausdruck dessen, was wir machen: Wir kommunizieren mit Bildungsarbeit und Protest feministische Themen, die uns wichtig sind, in den Mainstream. Das ist alles andere als einfach, dafür aber umso schöner, wenn es funktioniert. Auf unsere Echt jetzt Kampagne haben wir großartiges Feedback von Leuten bekommen, die sich mit Themen rund um Körpernormen und Schönheitsdiktat kaum oder gar nicht befasst hatten. Häufig begegnet man uns aber auch mit Unverständnis und Misstrauen. Und immer wieder mit Vorwürfen an den Feminismus. Ist der nicht viel zu weit gegangen? Nimmt der Frauen noch mit? Was soll das überhaupt? Oft sind es dieselben. Und genau deshalb ist es höchste Zeit, dazu mal was zu sagen.

Feminismus will die Umerziehung der Geschlechter: Mädchen sollen zu Jungen gemacht werden und Jungen zu Mädchen.

Kriegen wir ständig zu hören, bleibt ausgesprochen befremdlich. Wer sollte das wollen und warum? Was könnte der Nutzen einer solchen Umerziehungsmaßnahme sein? Das würde lediglich auf einen Feminismus zutreffen, der stark in zweigeschlechtlichem Denken verhaftet ist und eine sehr beschränkte Form von Patriarchat mit einer sehr beschränkten Form von Matriarchat ersetzen will. Dieser Feminismus hätte totalitäre Züge, weil er von absoluter Herrschaft (Jungen) und absoluter Ohnmacht (Mädchen) ausgeht und diese Verhältnisse umkehren will. Wenn dem nicht so wäre, müsste er ja auf Diversität und Pluralität setzen. Also auf das, wofür sich die überwältigende Mehrheit der Feminist*innen ausspricht.

Feminismus betreibt Gleichmacherei. Obwohl viele Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, argumentiert Feminismus absichtlich über sie hinweg, um eine Form von Gleichheit herzustellen, die so überhaupt nicht existiert.

Das genaue Gegenteil trifft zu: Selbst Vertreter*innen des Gleichheitsfeminismus behaupten nicht, dass Frauen und Männer exakt gleich sind. Sie stellen lediglich fest, dass zum einen viele der angeblich angeborenen Unterschiede sozialisiert sind, und es zum anderen noch diverse andere Kategorien gibt, an denen Unterschiede und Gleichheiten festgemacht werden können. Tatsächlich betreibt die Gegenseite Gleichmacherei. Binnengeschlechtliche Gleichmacherei. Das heißt, Männer haben zu sein wie andere Männer und Frauen wie andere Frauen. Inwieweit jemand wie ich mit seiner DDR-Kindheit, seinen vier Kindern, seiner Begeisterung fürs Kümmern und seinem Desinteresse an Autofahren und Fußball zwangsläufig „wie alle anderen Männern“ sein soll, erschließt sich nicht. Auch über das Begehren lässt Mann sich nicht definieren. Männer begehren Frauen, Männer, niemanden, beides und noch vieles mehr. Selbst die Gruppe der Penisträger ist nicht vollkommen deckungsgleich mit der Gruppe Mann. Gerade Männer sollten in diesem Zusammenhang Verständnis und Akzeptanz für Transmänner aufbringen. Denn auf der Skala kein Penis = kein Mann bis maximaler Penis = maximaler Mann gibt es ja noch all die (unter)durchschnittlichen Penisträger, die nach dieser Logik weniger Mann sind als sie sein sollten. Warum sollte Mann sich dieser männerfeindlichen Logik unterwerfen? Am Ende geht es darum, Menschen nicht trotz ihrer Unterschiede gleich zu berechtigen, sondern dies gerade wegen all ihrer Unterschiede auf Basis einiger unumstößlicher Gemeinsamkeiten zu tun.

Feminismus hat etwas gegen Hausfrauen.

Feminismus kann in der Tat so gelesen werden, denn diese feministische Forderung findet sich immer wieder: Sei Pippi und nicht Annika!

Sie meint, dass frau möglichst unangepasst und frei nach ihren eigenen Regeln leben sollte. Und eben nicht als brave Hausfrau, die die Kinder betreut. Aber gerade der intersektionelle Feminismus weist sehr deutlich darauf hin, dass die Welt der Pippis ohne die Annikas gar nicht funktionieren würde. Dass es uncool und unsolidarisch ist, Annikas anzufeinden. Wenn Frauen wirklich alles sein können, dann können sie auch Hausfrauen sein. Kümmern ist unersetzlich und steht allen gut zu Gesicht. Es ist eine der zentralsten Aufgaben von Feminismus, in seiner Herrschaftskritik und dem Stellen der damit verbundenen Machtfrage, nicht selbst zu teilen und zu herrschen. Trotzdem ist und bleibt eine Kritik an der einseitigen Verpflichtung von Frauen zu Tätigkeiten rund um Kinder und Haushalt sinnvoll. Sie darf nur niemals aus den Augen verlieren, was das eigentliche Problem ist. Und die Hausfrau ist es mit Sicherheit nicht.

Feminismus hat etwas gegen klassische Femininität.

Ähnlich verhält es sich mit der Kritik an Mode, Schminken, Verschönerung und anderen Aspekten, die traditionell mit Weiblichkeit verknüpft werden. Es kommt immer wieder vor, dass feministisch positionierte Menschen eine radikale Abkehr von diesen Aspekten fordern, um frau damit patriarchalen Anforderungen entziehen zu können. Zu Hochzeiten der #MeToo Debatte wurde dies genauso diskutiert wie jüngst von der Autorin Charlotte Roche, die in ihrer Kolumne Frauen dazu aufgefordert hat, sich ein für alle Mal abzuschminken, und dafür zurechtgewiesen wurde. All diesen Forderungen ist gemein, dass sie Schminken mit einem Schminkdiktat und die Lust an Verschönerung mit dem Zwang zur Normschönheit zu verwechseln scheinen. Feminismus hat also dann etwas gegen klassische Femininität, wenn er aus nachvollziehbarer Wut über die alltäglichen Zurichtungen von Frauen und Mädchen auf limitierte, widersprüchliche und körperfeindliche Schönheitsnormen eine Abkehr von Dingen fordert, die in anderen Zusammenhängen eben auch Freiheit bedeuten können.

Feminismus ist zerstritten.

In der Tat gibt es große Verwerfungslinien innerhalb des Feminismus, entlang derer sehr heftige Auseinandersetzungen geführt werden: Über Themen wie Prostitution, Kopftuch und Transsexualität streiten sich Menschen, die sich jeweils als Feminist*in definieren. So bedauerlich das einerseits ist,  so fragwürdig ist es andererseits, dass von Feminismus allenthalben Einigkeit gefordert wird. Warum sollte es Feminismus anders ergehen als anderen politischen Ideen und ihren Bemühungen praktischer Umsetzung? Wieso sollte sich ausgerechnet Feminismus nicht in Lager, Flügel und Interessengemeinschaften ausdifferenzieren? So sehr wir und viele andere sich innerhalb feministischer Auseinandersetzungen mehr von dem wünschen, was Kübra Gümüşay Wohlwollen und Barbara Streidl Teilzeit-Solidarität nennen, so unabdingbar sind diese Auseinandersetzungen für einen pointierten, genauen, intersektionellen und inklusiven Feminismus.

Und demnächst: Feminismus hasst Männer, betreibt Identitätspolitik und Opferkult, ist irrelevant und nicht kritikfähig. Das wollen wir doch mal sehen.