Da steht er nun: Heinz-Christian Strache, seines Zeichens Chef der österreichischen Rechtspopulisten von der FPÖ, Sportminister und Vizekanzler, erklärt vor Kameras seinen Rücktritt von eben diesen Ämtern. Er tut dies so wortreich wie unspezifisch. Eigentlich, so lässt sich sein Statement zusammenfassen, sei ja nichts passiert. Gut, es war eine „b’soffene G’schichte„, und ja, er habe wohl alkoholisiert diesen und jene beleidigt, aber in der Hauptsache ginge es doch wohl darum, dass dies ein „gezieltes politisches Attentat“ auf seine Person gewesen sei. Abgesehen davon, dass ich mich wie viele andere frage, wer genau dahinter steckt, bin ich einmal mehr überrascht davon, mit wie viel Nachdruck sich jemand wie Strache als moralisch integre Person verteidigt.

Ich sage jemand wie, weil sich diese Art der Selbstwahrnehmung in den letzten Jahren zunehmend bei (rechts)konservativen Männern mit Macht und Verantwortung beobachten lässt. Und mögen sie auch dabei erwischt werden, wie sie zum wiederholten Mal bis zu den Ellbogen im Dreck wühlen, um andere damit zu bewerfen, sie verkaufen sich doch immer wieder als strahlende Saubermänner. Und viele ihrer Anhänger*innen folgen ihnen darin, obwohl sie trotz einer ungefähren bis ziemlich genauen Vorstellung davon, was eigentlich passiert, damit die eigenen ethischen Ansprüche hintergehen.

Nun könnte man es sich leicht machen und einfach sagen, Konservative sind halt so. Aber das stimmt nicht. Deshalb ist dies hier auch kein Rant gegen Konservatismus. Konservativ zu sein, ist keine Schande. Auch nicht aus der Sicht eines politisch eher links beheimaten Autors mit feministischen Überzeugungen wie mir. Konservatismus ist ein legitimer Versuch, sich auf das Weltgeschehen einen Reim zu machen und politische wie ethische Konsequenzen daraus zu ziehen. Man kann diese politische Idee für konsistent und sinnvoll erachten oder sie unbrauchbar und kurzsichtig finden. Man kann sie adaptieren oder verwerfen. Befördern oder bekämpfen. Aber man sollte Konservatismus nicht mit dem gleichsetzen, was Männer wie Strache und ihre Anhänger*innen daraus machen:

Nicht erst seit Donald Trump, aber spätestens mit seiner Wahl zum Präsidenten werden konservative Ansichten vor dem Auge der Weltöffentlichkeit als Geisel gehalten. Und was wir sehen ist eine vollkommene Erosion des Anstands bei mächtigen Männern, die sich zugleich als besonders tugendhaft präsentieren. Nun sind Bigotterie und die alte „Wasser predigen, Wein saufen“ Nummer beileibe keine Erfindung der Konservativen. Das können Linke und Liberale ebenso. Aber diese gemeinschaftliche Verabredung darauf, dass moralische Überlegenheit nur steif und fest behauptet werden muss, während das genaue Gegenteil in die Tat umgesetzt wird, ist neueren Datums. Trump zum Beispiel kämpft laut eigenen Aussagen neben anderem wie kein anderer für Gleichberechtigung, respektiert Frauen und ist der konservativste Politiker überhaupt.

Der Mann also, der Frauen „bei der Pussy packen will“. Der rechte Gewalttaten verharmlost und gegen Minderheiten vorgeht. Aber das ist nicht konservativ. Es ist nicht konservativ, wie Strache und seine FPÖ faschistoiden Wunschvorstellungen von einem weißen Europa mit Verschwörungstheorien und Umvolkungsfantasien legitimieren zu wollen. Es ist auch nicht konservativ, wie die AfD gegen Minderheiten und Religionen mobil zu machen. Konservativ im besten Sinn des Wortes kann es sein, wie der verstorbene Senator John McCain vor den eigenen Anhänger*innen dafür einzustehen, dass ein politischer Kontrahent mit Achtung behandelt wird.

Und deshalb warte ich darauf, dass die Konservativen endlich genug davon haben. Auf die, die ihr Weltbild nicht von Etikettenschwindlern vereinnahmen lassen wollen, weil sie so fesch ausschauen und ganz oft „Heimat“ sagen. Den Sumpf austrocknen wollen, endlich mal auf den Tisch hauen, wenigstens noch in die Kirche gehen und als einzige persönliche Verfehlung vielleicht hier und da ein bisschen zu sehr Mann sind.

So wie Strache eben. Ausversehen zu viril. Zu sehr Schürzenjäger und Macho. Ein echter Mann. Aber ich befürchte, die Versuchung, ein konservatives Geschlechterbild gegen eigentliche konservative Werte aufrechtzuerhalten, ist noch zu groß. Noch fühlt es sich einfach zu geil an, mit dieser Art toxischer Männlichkeit nicht nur davonzukommen, sondern sie auch aktiv und erfolgreich gegen andere einsetzen zu können. Mal sehen, was noch kommt.

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Quelle Beitragsbild: Wikimedia Commons