Fleischbeschau

Als ich vor einigen Wochen in einem Blogtext mein Erstaunen darüber zum Ausdruck gebracht habe, dass Attila Hildmann, Deutschlands bekanntester Autor von veganen Kochbüchern, auf Youtube jetzt als „Vegangsta“ in Sexismus macht, war mächtig was los. Feministische Blogs griffen das Thema auf, die Social Media Gemeinde kommentierte fleißig und Hildmann selbst stand zunächst in kleinerem, dann in größerem medialen Rahmen Rede und Antwort. Seiner Meinung nach verkörpert er mit Vegangsta eine Kunstfigur, die sich der Bildsprache bedient, die Kindern und Jugendlichen geläufig ist, um sie für vegane Ernährung zu begeistern. Mit Ironie und allem. Wie üblich also. Da fragt man sich, wie bei Hildmann wohl „ironisches Fleischessen“ als Konzept ankommen würde. Ein Aufruf an möglichst viele Menschen also, für 12 Monate Unmengen an Fleisch von verschiedensten Tieren zu vertilgen – um mit dieser Aktion den allgemeinen Fleischkonsum zu karikieren. Die Leute verstehen das dann schon. Oder etwa nicht?!

In einem Punkt hat Attila Hildmann allerdings Recht: Der Verzehr von Fleisch wird schon seit Jahrzehnten massiv  sexistisch angepriesen. Zum Beispiel von den „Epic Meal Time“ Machern, an denen sich der Vegangsta nach eigener Aussage orientiert.

Männlichkeit wird hier an Fleischverzehr gekoppelt. Das hat Folgen. Falls Männer an der Supermarktkasse in die Verlegenheit kommen, „unmännliches“ Tofu zu kaufen, während ein Geschlechtsgenosse Unmengen von Fleisch auf das Band legen, dann muss das ausgeglichen werden – durch etwas anderes, das angeblich für Männlichkeit steht.

Die Gleichung Männer = Fleischverzehr wird immer wieder aufgemacht, auch und gerade in Abgrenzung von „Chick Food“.

Der nächste Schritt ist dann die fleischbegeisterte Männlichkeit mit Bildern zu versorgen, für die sie ebenfalls Enthusiasmus zu zeigen hat – von sexualisierter Weiblichkeit. Die Degradierung von Weiblichkeit zu totem Fleisch, das für den Verzehr gedacht ist, wird nicht nur angedeutet

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Speisekarte

sondern bis in die letzte Konsequenz abgebildet. Mit Hühnchen in Bikinistreifen

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und Gänsen in Strapsen und Korsett.

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Am Ende führt diese Form der Bildsprache, in der Männlichkeit über den Verzehr von Fleisch und Weiblichkeit als dieses zu verzehrende Fleisch definiert wird, dazu, dass Frauen gegenüber Männern Abwertung erfahren und für etwas gelten, das Mann einfach konsumieren kann.

Oder wie der Senator des Bundesstaates South Carolina es formuliert hat: „Frauen sind ein minderes Stück Fleisch.“