Das Finale also – GNTM gucken ist nie einfach. Irgendwo zwischen Zeitverschwendung, Aufmerksamkeit für ein Thema, das man am liebsten nicht beachten würde, und der Verpflichtung, Germany’s Next Topmodel folgen zu müssen, wenn wir es kritisieren, sitzen wir dann doch wieder da und schauen uns das an.

Denn „solange GNTM läuft, werden wir es kritisieren müssen„. Und solange wir es kritisieren, können wir es nicht ignorieren. Inklusive der Gefahr, diesem Format mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen als es schon bekommt. Aber kritisieren müssen wir. Denn wie die Süddeutsche feststellt: Mag man sich anderswo auch mit #MeToo, Time’s Up und der Machtfrage zwischen den Geschlechtern beschäftigen. In Heidis Welt geht es immer noch um Meeedchen (Frauen), Mehl-Models (Männer) und für was für eine Version von Brot und Spiele man sich alljährlich entscheidet.

Alles beim Alten also? Nicht ganz. Mit Zauberereinlage sah es zunächst eher nach Germany’s Next Uri Geller aus. Außerdem kam das Finale von GNTM stellenweise erstaunlich politisch daher. Mit einem gemeinsamen Auftritt der verbliebenden Kandidatinnen und Drag Queens – inklusive Regenbogenfahne und #lovewins Verweisen.

Das einfach nur als Anbiederungsversuch an hippe Queerness zu lesen, würde zu kurz greifen. In diesem Zusammenhang hatte Germany’s Next Topmodel schon immer Schnittmengen mit dem Eurovision Song Contest und schöpft die inzwischen einfach mehr aus. Garniert das aber eben auch mit Witzchen darüber, dass die Drag Queens sicher auch Würstchen mögen. Muss halt.

Ansonsten wie immer: Wir unterbrechen die Werbung für einen kurzen Sendeabschnitt. In diesen Sendeabschnitten dann sehr öde Zusammenfassungen von dem, was war, und unerträgliche Nichtspannung auf das, was ist. Finale nämlich. Schnell wird dann noch die Plus-Size Kandidatin mit einer Kleidergröße unter 40 gegangen. War aber dabei gewesen (Klumquamperfekt I), kannste nix von sagen. Aus dem Off hört man noch Wolfgang Joop leicht angeekelt darüber lästern, dass sie wie Barbara Schöneberger aussieht – überhaupt nicht elfenhaft. Das will doch niemand sehen. Also außer diejenigen, die das gleichnamige Magazin zu einem der erfolgreichsten Gruner+Jahr Produkte machen.

Was noch? Walks, angetäuschte Shootings, noch mehr Walks, sexy, sexy, mach ihn an. Als ein Fotoshooting mit zwei heißen Boys angekündigt wird, posten Leute auf Twitter ein Videoschnipsel der lachenden Kaulitz-Zwillinge aus den Tagen von Tokio Hotel. Man muss Dialektik nehmen, wo man sie kriegen kann. Die strahlt einen noch mehr an als Klaudia mit K den Preis für Best Personality verliehen bekommt (ob das jetzt zynisch, naiv, dreist oder alles zusammen ist, wird gerade noch ausgewürfelt) und die Gelegenheit für eine längere Dankesrede nutzt.

„Wir sollten aufhören, ständig an uns zu zweifeln und uns klein zu machen.“ sagt sie.
„Ich muss dich leider abwürgen.“ kontert Heidi mit H (das F steht für Geduld). Und damit ist auch alles gesagt. Irgendwann hat Germany dann wieder ein Next Topmodel und war bei der Entscheidung total divers gewesen (Klumquamperfekt II). Nur dass Diversität bei GNTM fast immer den Tatbestand Vorspiegelung falscher Tatsachen erfüllt.

Die Frage, ob das eine Drohung sei, kann man sich auf die „Wir kommen wieder!“ Ankündigung getrost sparen. Die nach der Sinnhaftigkeit von Werbung für Windeln und Feuchttüchern zwischen den kurzen Sendungseinblendungen allerdings nicht. Wird da etwa eine neue Zielgruppe anvisiert? Und wenn ja, was bedeutet das?

„Seien Sie gespannt auf…“ heißt es an so einer Stelle sonst oft. Sind wir nicht. Dafür aber wachsam.