Das hier könnte so ein Schulterklopfertext werden. So einer nach dem Schema „Seht nur her was ich für ein krasser Typ bin, ich schmeiße den Haushalt und alle anderen nicht und überhaupt: Huldigt mir!“ Aber das wäre nicht nur sehr weit weg von der Realität sondern auch noch unfassbar öde. Es gibt viel zu viele Gelegenheiten, bei denen Männern dafür gehuldigt wird, dass sie ihren Partnerinnen am Wochenende „mal die Kinder abnehmen“ oder „im Haushalt helfen“. Genauso wie es viel zu viele Gelegenheiten gibt, bei denen Männer in Sachen Care-Tätigkeiten als absolut unfähig und qua Geschlecht nicht dazu in der Lage beschrieben werden.

Dabei wäre es dringend an der Zeit, über Männer im Haushalt und bei der Kinderbetreuung zu sprechen, ohne dabei ständig entweder in Held oder in Idiot einzuteilen und sich einfach mal anzuschauen, wie die Dinge tatsächlich laufen.

Bei mir zum Beispiel laufen sie ziemlich chaotisch. Ich betreue meine vier Kinder unter der Woche seit 5 Monaten alleine, weil die Lebenskomplizin jobtechnisch ein paar hundert Kilometer entfernt beschäftigt ist. Das ist kein Dauerzustand und wir planen, uns so bald wie möglich wieder alle an einem Ort und einen Haufen zusammenzuschmeißen. Das heißt für sie neue Arbeit, neue Leute, neue Stadt und die Verantwortung, für uns alle eine Art Vorhut zu bilden, wenn es darum geht, wo wir wohnen könnten, welche Schulen und Kitas es gibt etc. Hinzu kommt der ziemlich beträchtliche Aufwand, sich gegen die gesellschaftlichen Tiefschläge zu wappnen, die Frauen in ihrer Situation vorwerfen, schlechte weil karrieregeile Mütter ohne Herz zu sein. Für mich bedeutet das Job kombiniert mit Dauerdienst an der Kinderfront.
Kochen, Nägelschneiden, Oh Gott, wir haben noch Latein auf, Papa, der nimmt mir immer alles weg, putzen, Tischdramen, Putzen, Vorsingen, Einkaufen, Waschen, Putzen. Garniert mit Arbeit. Also im Prinzip das, was viele andere Menschen und in der Hauptsache eben Frauen auch machen müssen. Nur das ich dafür wahlweise gefeiert oder schräg angeguckt werde.


Es ist anstrengend, es ist sehr ermüdend, oft ist es nervig und laut, aber auch witzig, erfüllend und hier und da sogar ziemlich großartig. Und je länger ich es tue, desto klarer werden mir zwei Dinge:

1.
Ich möchte das nicht immer alleine machen. mir ist das auf Dauer zu anstrengend, es fühlt sich an wie ein Marathonlauf, für den man nicht ausreichend trainiert hat. Ich fühle mich wie Butter, die zu dünn aufs Brot gestrichen wurde.

2.
Ich bin froh, dass ich das alleine kann und dazu in der Lage bin. Ich möchte das leisten können, ich möchte als Vater dazu in der Lage sein und nicht schon völlig davon überfordert sein, meine Kinder mal für zwei Stunden alleine zu betreuen. Ich will diese Art der Verantwortung.

Über den ersten Punkt brauchen wir nicht weiter zu sprechen. Irgendwann wäre Luftholen, Selfcare und wieder zu Kräften kommen nicht nur ganz nett, sondern schlicht und ergreifend unverzichtbar. Alleinerziehende können ein Lied davon singen.
Der zweite Punkt scheint mir da schon erklärungsbedürftiger. Zum einen sollte das keine Geschlechterkiste sein. Es geht mir nicht darum, das als Mann zu machen, um irgendwem irgendetwas zu beweisen, indem einfach mal stereotype Verhältnisse auf links gedreht werden. So interessant oder einfallsreich ist das nun auch nicht. Stattdessen gibt es einen (zugebenermaßen) riesigen Berg an Arbeit und Aufgaben, der von uns gleichberechtigt bewältigt wird. Sie dort, ich hier, bei Gelegenheit vielleicht ja auch andersherum. Wir stemmen das irgendwie und versuchen uns dabei nicht zu übervorteilen. Funktioniert ganz gut so weit.
Zum anderen will ich deutlich mehr Verantwortung wahrnehmen als nur helfen. Was ist das überhaupt für eine Strunzidee, in seinem eigenen Haushalt „mitzuhelfen“, wie es Andreas Lorenz von papa-online in einem offenen Brief an Frauen beschreibt?

Ok, man kann häufiger auf seinem Hintern sitzen bleiben oder rausgehen und etwas anderes machen als diesen nervigen Familienkram.

Aber was soll das? Das ist auch mein verdammter Haushalt, mein Leben, meine Kinder. Die Rolle, die Männern traditionell zugewiesen wird, ist die einer Aushilfskraft in weiten Teilen ihres eigenen Lebens. Das fühlt sich, wie es jemand mal mir gegenüber in einem Workshop formulierte, so an „als wäre man in seiner eigenen Biografie nur zu Besuch.“
Von daher wäre es vielleicht mal ganz angebracht, wenn Männer sich nicht wegducken und die Mental Load den Frauen überlassen. Oder sich dahinter verstecken, dass sie sich ja gar nicht bevormundet fühlen, wenn ihnen die Partnerin nicht nur gedanklich den Arsch hinterherträgt.

Doch, wir sollten uns bevormundet fühlen. Für wie bescheuert wollen wir uns eigentlich noch ausgeben?


Geht der Sohn erst seit gestern in den Kindergarten? Haben wir die vergangenen Jahre nur von Wegwerfplastikgeschirr gegessen? Und überhaupt: Was heißt hier HELFEN? Ich assistiere doch nicht nur im Umgang mit meinen Kindern. Ich bin auch nicht nur Gast in meinem Haus. Was kommt als nächstes: Fordern wir Schildchen, auf denen steht, dass wir die Handtücher auf dem Boden liegen lassen sollen, wenn wir wünschen, dass sie gewaschen werden. Das ist aber kein Hotelzimmer, das ist mein Zuhause. Wenn wir nicht mehr als Haushaltstrottel und Erziehungsversager dargestellt und wahrgenommen werden wollen, dann sollten wir aufhören, die Idiotenkarte zu spielen und zugleich Applaus für jede Kleinigkeit einzufordern. Erst dann können wir anfangen darüber zu reden, wie es wirklich ist: Kinder, Haushalt, Arbeit, Beziehung, Freundschaften, Stress, Pläne. Eben über so viel mehr als „helfen“.