G wie Glossar. F und G wie feministisches Glossar.

Von A wie Ableismus bis Q wie Queer – in unserem Glossar findest du Erklärungen zu Wörtern, die uns im feministischen Diskurs immer wieder begegnen. Dieses Lexikon versteht sich als der Anfang einer umfangreichen Begriffsklärung und wird laufend weiter befüllt. Schreib uns gerne, wenn du Vorschläge für neue Einträge hast! 

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A

Ableismus bezeichnet die Benachteiligung von Menschen mit einer psychischen oder körperlichen Beeinträchtigung – also die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und chronisch kranken Menschen. Die Bezeichnung »Ableismus« setzt sich aus »to be able to« (englisch für »fähig« oder »in der Lage sein«) und »-ismus« zusammen. Ein »-ismus« ist eine gruppenbezogene Diskriminierungsform. Ableismus bewirkt auch, dass Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten auf ihre Beeinträchtigung reduziert und von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen werden. Keine Behinderung oder Krankheit zu haben ist die gesellschaftliche Norm – und alle, die ihr nicht entsprechen, werden abgewertet, stigmatisiert und ausgegrenzt. Das hat auch mit kapitalistischen Nutzenerwägungen zu tun und fängt schon oft in Werkstätten für Menschen mit Behinderung an, in denen Unternehmen billig produzieren können, weil sie den Beschäftigten keinen Mindestlohn zahlen müssen. Aber auch unsere Sprache ist oft ableistisch, viele diskriminierende Begriffe sind tief in unserem täglichen Sprachgebrauch verankert. Angefangen bei der Bezeichnung von Menschen mit Behinderung selbst: Der Begriff »die Behinderten« fasst viele, ganz unterschiedliche Menschen aufgrund einer vermeintlich gemeinsamen Eigenschaft zusammen – und stigmatisiert sie so. Passender ist deshalb der Ausdruck »Menschen mit Behinderung«. Durch einen Unterstrich im Wort »be_hindert« kann außerdem zum Ausdruck gebracht werden, dass eine Person nicht behindert ist, sondern be_hindert wird – von Gesellschaft und Strukturen. Nicht allen Menschen gefällt aber diese Schreibweise. Unbedingt also Betroffenen gegenüber sensibel sein und im Zweifelsfall lieber nachfragen, welche Bezeichnung bevorzugt wird.
Mehr zum Ableismus-Begriff und wieso Ableismus auch sexistisch sein kann, liest du hier.

Adultismus bezeichnet die Diskriminierung von jüngeren Menschen – also Kindern und Jugendlichen – durch Erwachsene. Der Begriff leitet sich vom englischen Wort »adult« (erwachsen) ab. Ähnlich wie beim Sexismus oder Rassismus geht es um ein Machtgefälle. Erwachsensein gilt als Norm und Maß aller Dinge. Kindheit gilt nur als Durchgangsphase oder ein »Noch-nicht-fertig-Sein«. Diese Haltung führt dazu, dass Erwachsene sich allein wegen ihres Alters als kompetenter, intelligenter und vernünftiger einschätzen. Das passiert im Alltag oft beiläufig: Wenn Erwachsene über die Köpfe von Kindern hinwegreden, ihre Sorgen als »Kinderkram« abtun oder körperliche Grenzen missachten (z. B. der erzwungene Kuss für die Verwandtschaft). Adultismus zu verlernen heißt nicht, dass Kinder keine Begleitung oder Verantwortung durch Erwachsene brauchen. Es geht darum, junge Menschen nicht als »Objekte der Erziehung« zu behandeln, sondern sie als gleichwertige Menschen mit ihren Rechten und Gefühlen ernst zu nehmen – und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Dieses Adjektiv lässt sich mit »geschlechtslos« übersetzen. Wichtig zu wissen: Die englische Sprache unterscheidet zwischen »gender« – dem sozialen Geschlecht – und »sex« – dem biologischen Geschlecht. Menschen, die den Begriff agender für sich nutzen, lehnen das Konzept Geschlecht ab, fühlen sich keinem Geschlecht zugehörig oder haben ein nicht definiertes Geschlecht. Agender kann mit unter die Schirmbegriffe trans* und nicht-binär fallen.

Der Begriff setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für Mann (anēr) und Frau (gynē) zusammen. Androgyn bedeutet, dass eine Person äußerliche Merkmale vereint, die gesellschaftlich traditionell entweder als »männlich« oder »weiblich« gelesen werden. Das Ergebnis ist oft ein Erscheinungsbild, das sich nicht eindeutig in die binäre Schublade von Mann oder Frau stecken lässt. Das kann sich auf körperliche Merkmale beziehen, aber oft geht es vor allem um die Gender Performance (die Inszenierung von Geschlecht): etwa durch Kleidung, Haarschnitt, Make-up oder Körpersprache. Wichtig zur Unterscheidung: Androgynität beschreibt eher den Geschlechtsausdruck (wie jemand aussieht), nicht zwingend die Geschlechtsidentität (wer jemand ist). Eine Person kann sich also androgyn kleiden und stylen, sich selbst aber eindeutig als Frau, als Mann oder auch als nicht-binär definieren. Androgynität bricht spielerisch mit unseren Sehgewohnheiten und hinterfragt die strengen Regeln, wie ein »echter Mann« oder eine »echte Frau« auszusehen hat.

kämpft gegen die Errungenschaften und Forderungen des Feminismus, zum Beispiel indem reproduktive Rechte angegriffen und Verbote von Schwangerschaftsabbrüchen gefordert werden. Antifeministische Gruppierungen gehen dabei oft organisiert vor. Sie fordern eine Rückkehr zum traditionellen, heteronormativen Familienbild und sehen im Feminismus eine Gefahr für Frauen und Familien in Deutschland. Antifeminist*innen wenden sich auch oft gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt und die Selbstbestimmung von trans* Personen. Sie hetzen gegen Wissenschaft und Geschlechterforschung, die sie für sogenannte “Gender-Ideologie” halten. Dabei eint sie ihr anti-modernes, konservatives bis rechtsextremes und heteronormatives Weltbild. Dieses ist eng mit anderen Ungleichwertigkeitsvorstellungen wie Rassismus und Antisemitismus verknüpft. Antifeministische Strategien können individuell z. B. in Internet-Diskussionen, in vorwiegend rechtspopulistischen Parteien oder auch ganz anderen Gruppierungen auftauchen. Mehr zu Antifeminismus und ob auch Frauen Antifeministinnen sein können, lest ihr hier.

Antisemitismus bezeichnet eine feindselige Wahrnehmung von jüdischen Menschen und Gemeinschaften. Sie basiert auf vorgefassten Annahmen über ihre kollektive Identität und findet oft Ausdruck in stereotypen Darstellungen, Vorurteilen und symbolhaften Anspielungen. Antisemitismus kann sich in verschiedenen Formen äußern, darunter verbale Angriffe und körperliche Gewalt, religiöser Hass und die Ablehnung von jüdischen Praktiken oder Traditionen, oder staatliche Diskriminierung und Vertreibung. Eng verbunden mit antisemitischen Einstellungen sind Verschwörungstheorien, die als Grundlage für diverse antisemitische Erklärungsmuster dienen. Solche Mythen attribuieren jüdischen Menschen negativ konnotierte Charakterzüge. Mehrere Formen des Antisemitismus werden unterschieden, z. B. der christlich-religiöse Antijudaismus infolge der Abspaltung des Christentums vom Judentum; der rassifizierte Antisemitismus des Nationalsozialismus; die Holocaust-Leugnung und Täter-Opfer-Umkehr nach 1945; sowie der israelbezogene antizionistische Antisemitismus. Der Antisemitismus erreichte in Europa während des Holocausts (1933-1945), bei dem sechs Millionen Juden*Jüdinnen systematisch von den Nationalsozialist*innen ermordet wurden, eine verheerende Eskalation. Auch heute gibt es weltweit Antisemitismus; in den letzten Jahren nahm er stetig zu.

Asexualität ist eine sexuelle Orientierung und beschreibt Menschen, die wenig oder keine sexuelle Anziehung zu anderen Menschen verspüren. Das bedeutet nicht, dass sie auch aromantisch sind – viele können also sehr wohl romantische Gefühle aufbauen. Asexualität bewegt sich auf einem vielfältigen Spektrum mit verschiedenen Mikrolabeln. Asexuelle Menschen nutzen manchmal den Begriff »ace« als Eigenbezeichnung und Schirmbegriff. Übrigens: Menschen, die nicht asexuell sind, werden als allosexuell bezeichnet.

Aromantik beschreibt eine romantische Orientierung, bei der Personen wenig oder keine romantischen Gefühle verspüren oder kein Interesse an romantischen Verbindungen haben. Das bedeutet nicht, dass sie auch asexuell sind – viele können also sehr wohl Interesse an sexuellen Aktivitäten haben. Aromantik bewegt sich auf einem vielfältigen Spektrum mit verschiedenen Mikrolabeln.

B

Binarität bedeutet »Zweiteiligkeit« oder »Zweigliedrigkeit«. Die Binarität des Geschlechts ist die Annahme der Zweiteiligkeit des Geschlechts. Binäre Vorstellungen teilen Geschlecht in die beiden Kategorien »Frau« und »Mann« und lassen keine Geschlechter außerhalb dieser Klassifikation zu. Dieses Denken nennt man auch »Heteronormativität«. Ein Beispiel für die institutionalisierte Durchsetzung des binären Systems sind die medizinisch nicht notwendigen Eingriffe an inter* Kindern, nur um sie klar einem der beiden Geschlechter zuordnen zu können. 

»BIPoC« ist eine Selbstbezeichnung von »Black, Indigenous and People of Color«, also Schwarzen, Indigenen und Menschen of Color. Die Abkürzung stellt die spezifische rassistische Gewalt und Diskriminierung heraus, die diese Menschengruppen erfahren. Sie vereint jene Menschen, die von der Dominanzgesellschaft als »nicht-weiß« wahrgenommen werden und deshalb verschiedenen Formen von Rassismus ausgesetzt sind. Viele Aktivist*innen nutzen das Akronym als ermächtigende Selbstbezeichnung. Es wird aber auch in wissenschaftlichen Kontexten verwendet.

Blackfacing ist eine rassistische Praxis, bei der sich weiße Personen das Gesicht dunkel schminken, um Schwarze Menschen darzustellen. Diese Tradition hat ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert in den Minstrel-Shows in den Vereinigten Staaten, bei denen weiße Schauspieler*innen mit geschwärzten Gesichtern stereotypisierte und abwertende Darstellungen zum Besten gaben. Blackfacing ist rassistisch und respektlos, weil es historische Stereotypen und Diskriminierungen verfestigt. Die Praxis ignoriert die realen Erfahrungen und die Geschichte von Schwarzen Menschen und People of Color und reduziert sie auf karikaturhafte und herabwürdigende Darstellungen. Auch heute kommt Blackfacing weiter vor: In Deutschland etwa immer wieder bei Karnevalsumzügen oder auch in Social Media z. B. wenn weiße Menschen Emojis in Schwarzen Hauttönen verwenden, um sich für den Moment damit zu schmücken.

C

Der Begriff »Cancel Culture« steht, vereinfacht gesagt, für einen Vorgang, bei dem ein Unternehmen oder eine bekannte Person etwas Inakzeptables tut oder sagt und dafür öffentlich zur Rechenschaft gezogen wird. Und zwar vor allem durch Aufrufe zur Ausgrenzung. Zum Beispiel: »XYZ hat dies oder das gesagt oder getan, geht nicht zur Show!« Das war und ist ein wichtiger Teil von Bewegungen wie #MeToo und #BlackLivesMatter, die vor allem in sozialen Netzwerken gewachsen sind. Heute wird der Begriff oft verwendet, um auf eine angebliche Kultur des Mundverbietens hinzuweisen. Nach dem Motto: »Heute darf man ja gar nichts mehr sagen, sonst wird man direkt gecancelt«. Das stimmt so nicht. Öffentliches Outcalling kann eine wichtige und nicht zuletzt manchmal auch die einzige Strategie von Betroffenen sein, sich gegen die oft viel mächtigeren Täter*innen zur Wehr zu setzen. Und dennoch zeigen Fälle wie Luke Mockridge oder Till Lindemann: Eine Cancel Culture im Sinne einer Kultur des Silencing, durch die Personen aus dem öffentlichen Leben komplett ausgeschlossen werden, existiert nicht. Man kann die Wurzeln der heutigen sogenannten Cancel Culture zurückverfolgen, bis in die US-Bürgerrechtsbewegung in den 1950er und 60er Jahren mit den politischen Boykotten. Wie der 1955 durch Claudette Corvin und Rosa Parks ausgelöste Montgomery Bus Boykott, ein 381 Tage dauernder Protest gegen Apartheid in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Cisgeschlechtlichkeit heißt, dass Menschen sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt aufgrund sichtbarer Genitalien zugewiesen wurde: Wenn Eltern und Ärtz*innen ein Baby als »Jungen« oder »Mädchen« bezeichnen und die Geschlechtsidentität tatsächlich mit dem unmittelbar nach der Geburt bestimmten Geschlecht übereinstimmt, dann ist die Person cis. Das Gegenstück zu cis ist trans*. Indem wir nicht nur von nicht-binären, inter* und trans* Menschen sprechen, sondern auch von cis Personen, wird deutlich, dass dies alles gleichwertige Varianten menschlicher Geschlechtsidentität sind. Mit Cisgeschlechtlichkeit sind oft enge Vorstellungen davon verbunden, was es bedeutet, ein Mann oder eine Frau zu sein. Als Feminist*innen kämpfen wir gegen den Rückschluss von Geschlecht auf vermeintlich typische Eigenschaften, Verhaltensweisen und Aufgaben.

Der Begriff kommt von der englischen Redewendung »Coming out of the closet« (aus dem Schrank kommen). Er beschreibt den Weg, die eigene sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu erkennen und mit anderen zu teilen. Warum ist das nötig? Weil unsere Gesellschaft Heterosexualität und Cis-Geschlechtlichkeit (Identifikation mit dem Geburtsgeschlecht) als Standard setzt. Wer anders liebt oder fühlt, muss das oft aktiv aussprechen, um richtig gesehen zu werden. Meist unterscheiden wir zwei Schritte: Das innere Coming Out ist das persönliche Erkennen und »Sich-selbst-Eingestehen«. Das äußere Coming Out ist der Schritt in die Öffentlichkeit – zum Beispiel vor Freund*innen, Familie oder im Job. Wichtig: Ein Coming Out ist selten einmalig. Im neuen Job oder Verein müssen sich queere Menschen oft immer wieder neu erklären. Ob, wann und bei wem jemand sein Coming Out hat, entscheidet die Person allein. Erzählen Dritte es gegen den Willen der Person weiter, ist das ein Outing. Das ist übergriffig und verletzt die Privatsphäre.

D

Der Begriff beschreibt eine rechtliche Kategorie für Menschen, die sich nicht als männlich oder weiblich einordnen. Er bricht damit die klassische Binarität (Zweigeschlechtlichkeit) auf, auch wenn Geschlecht in der Realität ein vielfältiges Spektrum ist. In Deutschland ist das Dritte Geschlecht seit 2018 rechtlich anerkannt: Im Personenstandsregister gibt es neben »männlich« und »weiblich« die Option »divers«. Diese Änderung haben vor allem inter* Aktivist*innen erkämpft. Sie wollten sichtbar machen, dass es Menschen gibt, deren Körper nicht in die Norm von Mann oder Frau passen. Wichtig ist: Geschlechtliche Vielfalt ist keine »neue Mode«. Viele Kulturen weltweit kennen und respektieren seit Jahrhunderten mehr als zwei Geschlechter. Die Option »divers« ist ein wichtiger Schritt, damit diese Vielfalt auch im Gesetz und im Pass existiert.

F

steht für Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen. Damit umfasst das Akronym Menschen, die im Patriarchat aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung verschiedenen Benachteiligungen und strukturellen Diskriminierungen ausgesetzt sind. Die Formen der Diskriminierungen können sich stark unterscheiden, zum Beispiel ist eine cis Frau von Sexismus und Misogynie (Frauenfeindlichkeit) betroffen, während eine trans* Frau auch Trans*feindlichkeit erlebt. Sicher ist euch das Akronym schon mal im Kontext von Veranstaltungen aufgefallen. Hier wird es verwendet, um auszusagen, an wen sie sich richten und wer willkommen ist – in diesem Fall also alle außer cis Männer. Damit sollen sicherere Räume und Orte des Empowerments geschaffen werden.

G

Das englische Wort Gender wird oft mit »soziales Geschlecht« übersetzt. Es unterscheidet sich von »Sex« (dem biologischen Geschlecht). Gender beschreibt alles, was eine Gesellschaft mit einem Geschlecht verknüpft: Erwartungen, Rollenbilder, Erziehung und Kultur. Ein zentraler feministischer Gedanke ist: Gender ist nichts, was wir im Innersten fest »haben«. Es ist etwas, das wir »tun«. Wir erlernen es von klein auf. Bekommen wir Puppen oder Autos? Sollen wir »lieb« oder »stark« sein? Wir wiederholen diese gelernten Muster jeden Tag – durch Kleidung, Sprache und wie wir uns bewegen. Weil fast alle Menschen dabei mitmachen, wirkt Geschlecht wie eine feste Tatsache. Eigentlich ist es aber wie ein einstudiertes Schauspiel, das ständig wiederholt wird. Das Wichtige daran: Wenn Gender »gemacht« wird, kann es auch anders gemacht werden. Wir können die alten Drehbücher hinterfragen, umschreiben und alle Geschlechter freier und vielfältiger leben.

ist die »Lohnlücke«, also das geschlechtsspezifische Lohngefälle. Es wird zwischen einer »bereinigten« und einer »unbereinigten« Lohnlücke unterschieden. Zur Berechnung der bereinigten Lohnlücke werden strukturelle Faktoren wie Beruf oder Bildungsstand abgezogen. Bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiographie verdienen Frauen dann immer noch 6 % weniger als Männer. Die unbereinigte Lohnlücke lag im Jahr 2022 bei 18 %: Das heißt, Frauen in Deutschland verdienten über alle Berufe und Anstellungsverhältnisse hinweg 18 % weniger als Männer. Damit sind zwei Drittel der geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschiede darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger schlechter bezahlte Berufe ausüben, auf niedrigerer Stufe der Karriereleiter und in Teilzeit arbeiten. Übrigens: Leider ist die Studienlage zum Gender-Pay-Gap sehr binär. Gerne würden wir u. a. auch detailliert abbilden, wie groß etwa die Lohnlücke zwischen queeren Personen und cis hetero Menschen in Deutschland ist. Oder innerhalb queerer Beziehungen – aber dazu gibt es schlichtweg viel zu wenige Zahlen. Insgesamt verdienen queere Personen allerdings häufig weniger.

Der Begriff »Genderperformance« oder auch »Doing Gender« beruht auf dem sozialwissenschaftlichen Konzept, dass Geschlecht nicht nur von biologischen Merkmalen abhängt, sondern auch von sozialen Einflüssen wie Normen, Erwartungen und Praktiken geformt wird. Dabei beschreibt »Doing Gender« verschiedene Verhaltensweisen und Inszenierungen, die verdeutlichen, bestätigen oder in Frage stellen, welchem Geschlecht man angehört. Das kann durch die Art, wie man spricht, sich bewegt oder seine Körperhaltung zeigt, geschehen – wenn sich also jemand in einer Weise kleidet, die in der allgemeinen Vorstellung mit einem bestimmten Geschlecht verbunden ist, dann ist das eine Form der Genderperformance. 

Genderperformance ist damit nicht nur individuell, sondern auch kulturell und gesellschaftlich bedingt. Bestimmte Verhaltensweisen und Ausdrucksformen werden als »geschlechtstypisch« angesehen und entsprechend erwartet. Unstimmigkeiten werden gesellschaftlich sanktioniert (etwa in Form von Queerfeindlichkeit).

Anstatt Geschlecht als festes Merkmal zu sehen, macht das Konzept der Gender-Performance greifbar, dass Geschlecht sehr vielfältig zum Ausdruck kommt. Das hilft dabei, traditionelle Ideen von »typisch männlich« oder »typisch weiblich« zu hinterfragen. Kurz gesagt: Geschlecht ist nicht einfach nur männlich oder weiblich, sondern etwas, das wir ständig neu definieren können.

Das Gendersternchen (*) ist ein Sonderzeichen, das wir in der Schriftsprache nutzen, um alle Geschlechter anzusprechen. Ein Beispiel ist das Wort »Schüler*innen«. Das Sternchen wird zwischen die männliche Wortform und die weibliche Endung gesetzt. Es hat eine wichtige symbolische Bedeutung und steht für alle Identitäten, die zwischen oder außerhalb von »Mann« und »Frau« liegen. Das Sternchen schafft also Raum für nicht-binäre, inter* und trans* Personen.

 

Aber kein sprachliches Thema regt so sehr auf wie das »Gendern«. Einige Menschen empfinden das Sternchen als störend für den Lesefluss. Sie argumentieren, dass im generischen Maskulinum (z. B. »die Schüler«) alle »mitgemeint« wären. Aber wer »mitgemeint« ist, wird längst nicht mitgedacht. Studien zeigen: Beim Wort »Ärzte« denken die meisten Menschen an Männer. Das Sternchen bricht das auf, macht Vielfalt sichtbar und erinnert daran, dass die Welt nicht nur männlich ist.

 

Es gibt nicht »die eine« richtige Art zu gendern. Jede Form hat Vor- und Nachteile.

 

Der Gender-Doppelpunkt (Schüler:innen) gilt als barrierefrei, da viele Screenreader (Vorleseprogramme) ihn als kurze Pause lesen – wie einen Glottisschlag (der kleine Stopp beim Sprechen von »Spiegelei«).

 

Der Unterstrich (Schüler_innen) symbolisiert visuell eine Lücke für Raum zwischen den Geschlechtern. Screenreader lesen hier aber oft »Unterstrich« vor, was stören kann.

 

Das Binnen-I (SchülerInnen) ist eine ältere Form, die nur Männer und Frauen (großes I) sichtbar macht, aber den Raum für andere Geschlechtsidentitäten weglässt.

 

Neutrale Formulierungen: Statt »Lehrer«, »Lehrende« oder »Lehrkraft« sagen. Das schließt niemanden aus, funktioniert aber nicht bei allen Wörtern.

Im Deutschen ist dieser Begriff oft missverständlich, weil er Unterschiedliches meint. Für mehr Klarheit hilft die Unterscheidung in drei Ebenen. Erstens das körperliche Geschlecht (Sex): Das umfasst die Biologie wie Anatomie, Chromosomen und Hormone. Hier existieren nicht nur zwei Schubladen, sondern biologische Vielfalt (siehe Intergeschlechtlichkeit). Zweitens das soziale Geschlecht (Gender): Das meint die Identität und soziale Rolle. Fühle ich mich als Frau, Mann oder nicht-binär? Dieses innere Wissen muss nicht zum Eintrag in der Geburtsurkunde passen. Drittens der Geschlechtsausdruck: Er zeigt sich durch Kleidung, Haare oder Verhalten. Im Alltag werfen wir diese Ebenen oft zusammen und erwarten, dass ein bestimmter Körper automatisch eine Identität vorgibt. Aber der Körper bestimmt nicht, wer eine Person ist oder wie sie zu sein hat.

H

Heteronormativität besteht aus drei Annahmen:

  • Es existieren nur zwei Geschlechter (Mann und Frau). 
  • Das bei der Geburt zugeordnete Geschlecht stimmt mit der eigenen Geschlechtsidentität überein (Es wird also angenommen, alle seien cis).
  • Mann und Frau finden sich nur gegenseitig anziehend. Das ist natürlich, so soll es sein.

Dieses Konzept ist immer noch in den meisten Gesellschaften vorherrschend und zeigt sich in gesellschaftlichen Erwartungen und Regeln. Heteronormativität führt zur Abstrafung, zum Ausschluss und zur Diskriminierung von Menschen, die nicht ins heteronormative Konzept fallen. Das betrifft alle, die nicht der heterosexuellen und binären Norm entsprechen, wie z. B. Schwule, Lesben, bi- oder asexuelle, aber auch trans*, nicht-binäre und inter* Menschen. Im Alltag nehmen wir Heteronormativität meist nicht einmal als einengend wahr, weil wir in ihre gesellschaftliche Norm hineingeboren werden. Solange wir uns in den begrenzten, vorgegebenen Schubladen wohlfühlen.

Dieser Begriff beschreibt das romantische und sexuelle Begehren von Menschen des eigenen Geschlechts. Frauen lieben Frauen, Männer lieben Männer – ganz gleich, ob sie cis oder trans* sind. Auch einige nicht-binäre Personen nutzen den Begriff für sich. Das Wort ist im 19. Jahrhundert entstanden (obwohl Homosexualität selbst so alt ist wie die Menschheit) und klingt heute fast schon medizinisch oder förmlich. Viele Menschen nutzen deshalb lieber die direkten Bezeichnungen lesbisch oder schwul. Historisch trägt der Begriff eine schwere Last: Lange haben Gesetze und die Medizin gleichgeschlechtliche Liebe als Verbrechen oder Krankheit abgestempelt. Das hat großes Leid verursacht. Heute verstehen wir Homosexualität als eine von vielen gleichwertigen Möglichkeiten, zu lieben und zu leben.

I

Der Begriff steht als Kurzform für Intergeschlechtlichkeit. Er beschreibt Menschen, deren körperliche Merkmale bei der Geburt nicht eindeutig der medizinischen Norm von »männlich« oder »weiblich« entsprechen. Das betrifft zum Beispiel Chromosomen, Hormone oder die Geschlechtsorgane. Das Sternchen symbolisiert dabei die Vielfalt der Körper jenseits der starren Zweiteilung. Lange hat die Medizin diese natürlichen Variationen als »Störung« abgewertet. Ärzt*innen haben intergeschlechtliche Kinder oft ohne medizinische Not operiert, um sie »passend« zu machen. Aktivist*innen kritisieren diese Eingriffe als Verletzung der Menschenrechte und der körperlichen Unversehrtheit. Inter* zu sein ist keine Krankheit. Es zeigt schlicht, dass die Natur vielfältiger und nuancierter ist als duale Geschlechtskategorien.

Intersektionalität ist ein Konzept, das das Zusammenwirken mehrerer Diskriminierungs- und Unterdrückungsmechanismen beschreiben soll. Damit ist gemeint, dass Diskriminierungsformen nicht einfach einzeln für sich wirken, sondern sich gegenseitig beeinflussen und so ganz besondere Formen der Diskriminierung entstehen können. Zum Beispiel begegnen arabisch gelesene, cis-männliche Arbeiter oft anderen Vorurteilen als cis-männliche weiße Arbeiter. Genauso erfahren Schwarze Frauen eine andere Diskriminierung als weiße Frauen, die allein durch die Addition von Sexismus und Rassismus nicht zu fassen ist. Es ist hier eine bestimmte Form des rassifizierten Sexismus, der erst durch das Zusammenwirken der beiden Unterdrückungsmechanismen entsteht. Wir denken, dass Feminismus intersektional sein muss, um unterschiedliche Lebensrealitäten zu erfassen und spezifische Unterdrückungsformen sichtbar zu machen. Gleichzeitig müssen wir nach den Gemeinsamkeiten der unterschiedlichen Diskriminierungen fragen und analysieren, welches System sie hervorbringt. Mehr zu Intersektionalität lest ihr hier.

K

heißt im englischen »cultural appropriation« und beschreibt die Übernahme kultureller Elemente oder Praktiken einer marginalisierten Kultur durch dominante Personen, Gruppen oder Kulturen. Oder einfach gesagt: Menschen nehmen sich etwas, das ihnen nicht gehört, und machen es sich zu Nutze. Kulturelle Aneignung findet nicht auf Augenhöhe statt, sondern ist immer eine unerlaubte Über- oder Wegnahme geistigen Eigentums, traditionellen Wissens oder kultureller Artefakte. Noch immer werden BIPoC von weißen Menschen und Gesellschaften rassistisch diskriminiert. Gleichzeitig bereichern sich weiße Menschen an den Symbolen marginalisierter Kulturen – auch und gerade weil sie keine Diskriminierung fürchten müssen.

L

LGBTQIA* ist eine Abkürzung der englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual und Asexual. Es ist also eine Abkürzung für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, queere, inter* und asexuelle Menschen. Häufig wird auch nur Queer als Oberbegriff für Menschen, die wegen ihrer Sexualität oder ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert werden, verwendet. Das + symbolisiert hier, dass es noch viele weitere Orientierungen und Identitäten gibt.

Der Begriff »Lookismus« kommt aus dem Englischen von »look« = »Aussehen«. Wenn eine Person nach ihrem Äußeren bewertet und diskriminiert wird, dann nennt sich das Lookismus. Dahinter stecken stereotype Schönheitsideale und Körpernormen. Der Wert eines Menschen wird anhand des Aussehens bemessen. Wer dem gesellschaftlichen Schönheitsideal nicht entspricht, wird abgewertet. Das führt zu ungerechter Ungleichbehandlung und kann wie jede Diskriminierungsform bei den Betroffenen großes Leid verursachen. In der Regel sind besonders Frauen und weiblich gelesene Personen von Lookismus betroffen, weil sie dem sexistischen Schönheitsdruck der Gesellschaft unterliegen.

M

Bei Mikroaggressionen handelt es sich um diskriminierende Aussagen oder Handlungen, die auf den ersten Blick unauffällig wirken. Häufig finden sie statt, ohne dass dahinter eine bewusst diskriminierende Absicht steckt. Ein Beispiel ist die Frage »Und, woher kommst du wirklich?« an BIPoC. Egal, ob sie und ihre Eltern seit mehreren Generationen in Berlin oder Castrop-Rauxel leben. Oder wenn eine trans* oder nicht-binäre Person konsequent mit falschen Pronomen angeredet wird. Jede Mikroaggression für sich allein mag von außen nicht dramatisch wirken. Aber wenn es viele sind und das über einen langen Zeitraum stattfindet, dann sind sie extrem verletzend, übergriffig und zermürbend.

Das Wort Misogynie stammt aus dem altgriechischen und bedeutet »Frauenhass« bzw. -feindlichkeit. Es setzt sich zusammen aus »misos« für Hass und »gyne« für Frau. Misogynie ist eine direkte Folge des Patriarchats, in dem alle Geschlechter dem männlichen untergeordnet werden. Die Abwertung und Feindschaft gegenüber Frauen und allen, denen Weibliches zugeschrieben wird, ist leider immer noch ziemlich fest in unserer Gesellschaft verankert, wird uns anerzogen und sozialisiert. So kommt es, dass auch Frauen selbst Misogynie verinnerlichen und sich misogyn verhalten. Das passiert meist unbewusst, z. B. indem Frau sich stark von anderen Frauen abgrenzen möchte und diese stereotypisiert und abwertet. Auch trans* Frauen und nicht-binäre Menschen sind von dieser Form patriarchaler Gewalt betroffen. Den traurigen Höhepunkt findet Misogynie in Femiziden/Feminiziden (Frauenmorde), die leider immer noch Alltag in Deutschland sind. Im Jahr 2022 wurde im Schnitt jeden dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner ermordet. Jeden Tag gab es einen Tötungsversuch.

N

Binarität bedeutet: entweder Mann oder Frau und nichts dazwischen. Diese Zweiteilung (Binarität) wird allerdings menschlicher (Geschlechts-)Vielfalt nicht gerecht. Darauf aufbauend bedeutet also eine nicht-binäre Geschlechtsidentität, sich nicht in eine von nur zwei möglichen Schubladen zu entscheiden. Dabei kann nicht-binär auch ein Sammelbegriff sein für verschiedene Geschlechtsidentitäten, die nicht männlich oder weiblich sind. Die Identität kann aber auch fließend sein und sich laufend verändern – das betrifft Menschen, die sich z. B. mal als Mann, mal als Frau und mal geschlechtslos fühlen.

O

Ein Outing bedeutet, dass Dritte die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität einer Person ohne deren Zustimmung öffentlich machen. Das unterscheidet sich grundlegend vom selbstbestimmten Coming Out. Beim Outing verliert die betroffene Person die Kontrolle über ihre eigene Geschichte. Dieser Eingriff in die Privatsphäre kann verletzend und gefährlich sein. Je nach Umfeld drohen der geouteten Person Diskriminierung, Jobverlust oder soziale Ausgrenzung – oder Schlimmeres. Ein Outing gilt deshalb als übergriffiger Akt und Vertrauensbruch. Respektvoller Umgang heißt: Jede Person entscheidet selbst, ob, wann und wem sie sich offenbart.

P

Als Patriarchat bezeichnet man Gesellschaften, in denen es ein Machtgefälle zwischen den Geschlechtern gibt und das maßgeblich von cis Männern geprägt, kontrolliert und beherrscht wird. Das Patriarchat ist ein global andauernder Zustand, der die Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Dominanz des cis Mannes beschreibt. Der Begriff des Patriarchats macht es möglich, Sexismus als ein strukturelles, nicht naturgegebenes Problem aufzufassen und zu erforschen. Die Entwicklung des Patriarchats ist ein historisch hoch spannendes Thema, das bis heute in der Wissenschaft umstritten ist. Die Geschichte ist von patriarchalen Gesellschaften geprägt, in denen cis Männer als Herrscher den Ton angaben und noch immer angeben.

Pinkwashing erfolgt, wenn Organisationen zu Werbezwecken nach außen hin so tun, als würden sie sich mit der LGBTIQA+-Community solidarisieren und sich für ihre Rechte einsetzen. Man spricht dann auch oft von »Queerbaiting«. Damit wollen sich Unternehmen und Organisationen ein fortschrittliches und offenes Image verpassen, es geht um Aufmerksamkeit und Profit. Mit der tatsächlichen Unterstützung sieht es dabei dann oft weit weniger rosig aus oder es werden sogar rückschrittliche Stereotype verbreitet. Ein Beispiel sind die ganzen Regenbogen-Logos großer Konzerne oder gezielte Kooperationsanfragen mit queeren Vereinen und Influencer*innen im Pride Month oder die kommerziellen Wagen bei den Christopher-Street-Day-Paraden.

Q

Queer ist ein Sammelbegriff für Personen, deren geschlechtliche Identität (Geschlecht, dem sich Menschen zugehörig fühlen) und/oder sexuelle Orientierung (wen sie begehren oder wie sie lieben) nicht der zweigeschlechtlichen, cisgeschlechtlichen und/oder heterosexuellen Norm entspricht. Zum Beispiel bezeichnen sich viele homo- und bisexuelle genauso wie trans* Personen als queer. Ursprünglich war queer ein Schimpfwort für LGBTQIA+-Identitäten, das sich von Betroffenen angeeignet wurde und heute als positive Selbstbezeichnung verwendet wird. Der Begriff ist in dauerhafter Entwicklung und wird nicht immer einheitlich definiert. Queere Personen und Frauen sind besonders stark von den Unterdrückungsmechanismen des Patriarchats sowie häufig von Gewalt und Abwertungen betroffen.

R

ist die Abwertung und Stereotypisierung von Schwarzen Menschen, Indigenen Personen und People of Color (BIPoC) aufgrund ihrer wahrgenommenen bzw. zugeschriebenen Ethnie, ihrer Sprache, Religion, Nationalität oder Herkunft. Personen werden aufgrund ihrer wahrgenommenen Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ganz bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten zugesprochen. Das ist verallgemeinernd und entpersonalisierend. Rassismus wirkt aber auch strukturell und drückt sich z. B. auch in Schwierigkeiten bei der Job- oder Wohnungssuche, in der Benachteiligung im Bildungssystem, bei Racial Profiling durch die Polizei oder in rassistischen Gewalttaten aus. Unsere Gesellschaft ist durch strukturellen Rassismus geprägt und wir alle sind dadurch rassistisch sozialisiert. Es ist also insbesondere die Aufgabe weißer Menschen, diese Strukturen und die eigene Position zu hinterfragen, dagegen zu arbeiten und sich zu solidarisieren. Rassismus ist eine Ideologie, die von weißen Menschen zur Rechtfertigung von Kolonialisierung, Ausbeutung und Unterdrückung von Ländern und Menschen des globalen Südens entwickelt wurde. Bis ins 20. Jahrhundert wurden sogar pseudowissenschaftlich nicht-existente »menschliche Rassen« erforscht. 

Manchmal lesen wir etwas von »Rassismus gegen weiße Menschen« – so etwas gibt es allerdings nicht. Es kann in Einzelfällen passieren, dass weiße Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Nationalität in gewissen Kontexten anders behandelt, abgewertet oder beleidigt werden – also situative Diskriminierung erfahren. Das ist jedoch keinesfalls gleichzusetzen mit systematischem Rassismus. Ganz im Gegenteil: Weiße Personen profitieren von den Strukturen unserer Gesellschaft, von den Machtverhältnissen, die aus Kolonialisierung und Versklavung entstanden sind und bis heute nachwirken.

S

Sexismus ist die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. In patriarchalen Gesellschaften sind meistens Frauen von Sexismus betroffen, genauso wie Personen, die sich nicht heteronormativen Vorstellungen von Geschlecht zuordnen lassen. Sexistische Diskriminierung beinhaltet die Bewertung, Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Sexismus findet – wie jede andere Form von Diskriminierung auch – nicht nur auf der zwischenmenschlichen, sondern auch auf der strukturellen Ebene statt. Das geht auf Geschlechterstereotype und Rollenbilder zurück, die festlegen wollen, wie Menschen aufgrund ihres Geschlechts »zu sein haben«. Danach stünden die Geschlechter in einem hierarchischen Verhältnis zueinander und das männliche Geschlecht sei das überlegene. Sexistische Diskriminierung kann dann so aussehen, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter grundsätzlich abgelehnt oder Ungleichbehandlung bestritten wird. Auch die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern und sexualisierte Gewalt gegen Frauen und weiblich gelesene Personen geht auf Sexismus zurück.

Schwul nennen sich Männer, die Männer lieben und begehren. Früher haben Leute das Wort fast ausschließlich als Schimpfwort benutzt. Die homosexuelle Community hat den Begriff jedoch für sich zurückerobert (Reclaiming) und benutzt ihn mit Stolz. Trotzdem verwenden einige Menschen »schwul« weiter abwertend. Dieser Gebrauch als Beleidigung diskriminiert schwule Männer und greift ihre Liebe an. Sprache schafft Realität: Wer »schwul« als Beleidigung nutzt, festigt homofeindliche Denkmuster. Als Selbstbezeichnung ist das Wort heute jedoch völlig normal und positiv besetzt.

T

Die Abkürzung TERF steht für Trans Exclusionary Radical Feminism – also trans* Personen ausschließender Feminismus. »TERFS« wird vorgeworfen, trans* (und nicht-binäre) Personen nicht nur auszugrenzen, sondern ihnen auch die Identität und Existenz abzusprechen. In ihrem Weltbild gibt es nur zwei Geschlechter und auch nur die bei der Geburt zugewiesene Geschlechtsidentität. Demnach existieren also ausschließlich cis-weibliche und cis-männliche Personen. Trans* Frauen und Trans* Männer können in diesem Denken niemals »richtige« Frauen und Männer sein. Das Akronym TWERF steht für Transwomen Erasing Radical Feminism – also die Ausradierung von trans* Frauen aus dem Feminismus. TWERFs meinen, dass trans* Frauen Männer sind, die sich bloß als Frauen ausgeben und damit zum Beispiel die feministische Bewegung unterwandern.

Trans*geschlechtlichkeit bedeutet, dass Menschen sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde: Wenn Eltern und Ärzt*innen einem Baby bei der Geburt das Geschlecht »Junge« oder »Mädchen« zuweisen, sich das Kind aber gar nicht so identifiziert, ist es trans*. Das Gegenteil von trans* ist cis. Manche trans* Personen nehmen geschlechtsangleichende Maßnahmen vor, kleiden und stylen sich entsprechend. Andere tun das nicht, das macht sie nicht weniger trans*. Das Sternchen weist darauf hin, dass Trans*Geschlechtlichkeit ein Schirmbegriff für viele Geschlechtsidentitäten ist. So identifizieren sich z. B. auch viele nicht-binäre Menschen als trans*. Übrigens: Die Geschlechtsidentität ist unabhängig von der Sexualität. Wie cis Menschen können natürlich auch trans* Menschen jede Sexualität haben, also z. B. homo-, a- oder heterosexuell sein. Dabei nutzen nicht alle trans* Personen das * für sich.

Der Begriff Trigger kommt aus dem Englischen und bedeutet »Auslöser«. In der Psychologie beschreibt ein Trigger einen Auslöser für Erinnerungen an traumatische Erlebnisse – zum Beispiel Orte, Bilder, Geräusche oder Gerüche. Trigger können ein unverarbeitetes Trauma wachrufen und die Betroffenen in eine belastende Situation zurückversetzen, sodass die dazugehörigen negativen Gefühle (teilweise) erneut durchlebt werden. Deshalb gibt es sogenannte Trigger-Warnungen (TW). Dadurch können sich Betroffene vorher innerlich wappnen oder sich aus der Situation entfernen, wenn sie gerade nicht bereit dafür sind oder sich eine unterstützende Begleitung suchen. Auch sexualisierte Gewalt und rassistische Sprache können mit Triggerwarnungen versehen sein.

V

bedeutet auf Deutsch »Opfer-Beschuldigung« oder auch »Täter-Opfer-Umkehr« und ist eine Verteidigungsstrategie, die dem Opfer eine (Mit-)Schuld zuweisen soll, um den*die Täter*in zu entlasten. Wir kennen Victim Blaming vor allem von Fällen sexualisierter Gewalt oder Übergriffen, in denen betroffenen Personen z. B. unterstellt wird, sie hätten die Tat durch ihre Kleidung provoziert und trügen deshalb eine Mitschuld an dem, was ihnen angetan wurde. So wird die Verantwortung auf die Opfer gelenkt, statt sie dort zu suchen, wo sie liegt: bei den Täter*innen. Denn Gewalt ist niemals die Schuld der Person, die sie erfährt – Gewalt geschieht, weil sich jemand entscheidet, sie auszuüben. Opfern eine (Mit-)Schuld zu geben, hält sie davon ab, sich Hilfe zu suchen, weil sie die Erfahrung machen, dass ihre Glaubwürdigkeit infrage gestellt wird.

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