Dass wir versuchen, unser Engagement gegen Sexismus nicht nur in unsere Community zu kommunizieren, wisst ihr schon länger. Ob auf feministischen Podien oder in der Fußgängerzone, ob RTL oder arte – wir reden mit jedem und jeder, weil wir finden, dass Sexismus ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, das nur gemeinsam behoben werden kann. Deshalb gehen wir jetzt dahin, wo es (manchmal) weh tut und Sexismus oftmals eine Art geschütztes Habitat vorfindet: In die Kneipen. In Stammtischgespräche. Auf Bierdeckel. Denn gerade dort hat die sexistische Darstellung von Frauen lange Tradition. Anfangs vor allem als grafische Umsetzung von Pin-Up Motiven,

später als Nacktfoto, das dann gegebenenfalls durch schlecht übergezeichnete „Dessous“ den entsprechenden Gesetzen und Gepflogenheiten des jeweiligen Landes angepasst wurden.

In den 90ern ging man dazu über, Zentralmotive aus den Werbeclips auf Bierfilz zu drucken. Schöfferhofer ließ sein Weizen im Bauchnabel einer Frau prickeln, der Heinekenmann griff an ein normschönes Bein und markierte so seinen Besitz. Und Guiness ließ den Firmenschriftzug entweder auf Strapse schreiben oder noch sinnbefreiter auf eine Art schwarzem Nippelband.

Bierdeckelsexismus ist aber nicht auf Brauereien beschränkt. Entsprechende Motive werden auch zu Firmenfeiern gedruckt, auf Geburtstagen verschenkt oder auf der Junggesellenparty verteilt.

Sie liegen aber nach wie vor auch in Kneipen, Gaststätten, Biergärten etc. aus. Ganz aktuell wird uns über die Werbemelder*in häufig dieses Motiv eingereicht,

um das es gerade ziemlich viel Wirbel gibt. Denn das verantwortliche Hofbräuhaus wehrt sich pressewirksam gegen die von ihm identifizierten Puritanismus und die Humorbefreitheit. Immerhin sei Dirndl in Bayern ja Tradition und außerdem keine Burka.

Dem Werberat lagen übrigens schon vor 10 Jahren Beschwerden über dieses 16 Jahre alte Motiv vor. Damals wurden sie allesamt abgelehnt, heute ringt man mit der Einschätzung, weil den letzten Jahren eine zunehmende Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber Sexismus zu beobachten sei. Abgesehen davon, dass das durchaus zutrifft, bezeichnete Sexismus auch vor 10 Jahren schon eine Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, die über Fragen des persönlichen Geschmacks hinausgeht. Und das sogenannte „Schlüpferstürmer“-Urteil, in dem gesondert darauf hingewiesen wird, dass die Darstellung der sexuellen Verfügbarkeit von Frauen im Zusammenhang mit Werbung für Alkohol besonders problematisch ist, ist noch mal älter und stammt von 1995. Aber selbst wenn der Werberat eine Rüge aussprechen sollte – die Verantwortlichen des Hofbräuhauses haben bereits verlauten lassen, dass sie das nicht anficht. Womit einmal mehr belegt wäre, dass eine schlichte Rüge als Letztkonsequenz nicht ausreichend ist.

Deshalb müssen andere Wege gefunden werden. Auch über den engen Rahmen von Werbung hinaus. Im Gegensatz zu Sexismus in der Werbung kann und sollte Sexismus als Bestandteil freier Meinung nicht verboten werden, weil dies nicht zuletzt bedeuten würde, dass auch andere Meinungsäußerungen verboten werden könnten. Aber wir können darauf aufmerksam machen, darüber ins Gespräch kommen und versuchen zu überzeugen. Deshalb gibt es von uns jetzt was auf den Deckel.

Bestellt die Bierdeckel kostenfrei in unserem Shop, verschenkt sie, legt sie aus, diskutiert darüber. Lasst uns Sexismus gemeinsam anpacken.