„Wenn durchschnittliche Frauenzeitschriften Menschen wären, litten sie unter Persönlichkeitsstörungen.“ Seitdem ich mich für eine Redakteurin vor knapp vier Jahren durch gut zwei Dutzend Magazine gelesen und dieses Fazit gezogen habe, wird und wird es nicht besser. Den absoluten Tiefpunkt bildete im letzten Juni Beulenpest und Schenkelschande. Aber auch wenn andere Hefte weniger furchtbar und teilweise mit gut gemeinten Absichten daherkommen, bleibt die Frage, welcher Mensch diese absurd widersprüchlichen Aussagen und Anforderungen aushalten soll.

Nehmen wir beispielsweise das aktuelle Karriere-Spezial der Zeitschrift Cosmopolitan, die Cosmo@Work.

Eigentlich eine gute Sache, Business und Karriere nicht länger nur in Männerhänden zu belassen, sondern auch als Themen von und für Frauen zu besetzen. Und die Cosmopolitan tut sich in diesem Bereich schon seit einiger Zeit hervor. Sie ist auf Messen wie der women&work und der herCAREER vertreten, bietet Coaching und Mentoring an und ist sehr aktiv dabei, Frauen miteinander zu vernetzen. Trotzdem nur eigentlich. Denn immer wieder konterkariert sie ihre eigenen Aussagen und sabotiert echte Gleichberechtigung. In der aktuellen Ausgabe liest sich das im Interview mit der Autorin Susanne Kleinhenz so:

Ähm, Moment mal. Was genau soll das sein, dieser „Psychoscheiß“? Und wieso hat der ein Geschlecht? Gibt es etwa noch mehr solche Tipps?

Den Kopf schräg legen und immer leicht von unten nach oben schauen? Das klingt ja fast wie #flirtennachbravo, nur eben jetzt als #karrierenachcosmo. Bloß das die Cosmo nicht so konsequent eklige Ratschläge erteilt. Stattdessen lässt sie kluge, erfolgreiche Frauen zu Wort kommen, die Wert auf Eigenständigkeit

und Durchsetzungskraft

leg(t)en. Nur um das im gleichen Heft an anderer Stelle mit Schwung in die Tonne zu treten. „Männer“, so lässt sich in der Cosmo erfahren, „agieren sehr archaisch und sind in Hierarchiefragen wie Tiere“. Außerdem ist es einerseits ganz egal, was frau trägt (Empowerment und so, los jetzt, du schaffst das!), und andererseits noch viel egaler, ob sie eine Brille braucht. Getragen wird sie trotzdem. Zur Not mit Fensterglas.

Weil das nämlich das Klügste ist, was Frau tun kann: Brille tragen.

Nicht etwa promovieren, eine Fremdsprache lernen oder mit einem Verbesserungsvorschlag für Arbeitsprozesse glänzen. Lieber so tun als ob.

Aber das mit Abstand Wichtigste, das man Frauen mit auf dem Weg geben kann, nachdem man ihnen hier und da klar gemacht hat, dass sie sich nicht immer an die Regeln halten brauchen und ruhig auch mal das Wort ergreifen können, ist natürlich gefälligst den Mund zu halten.

Wegen „Stress-Tourette“ und so. Mal abgesehen davon, dass man eine Nervenkrankheit womöglich nicht auf eine billige journalistische Punchline reduzieren sollte und Fluchen ja auch ein Segen sein kann:

Was genau soll frau jetzt tun? So fensterglasbebrillt, schimpfschweigend, overunderdressed, zielstrebiglos und hohlintelligent? So widersprüchlich und schlecht beraten? Also außer den Verstand verlieren?