Es ist nur ein Verdacht. Nur eine Ahnung, eine Vermutung, ein Erfahrungswert. Anekdotische Evidenz nennt man das. Nichts Konkretes, keine Studien, keine Untersuchungen, keine Forschungsergebnisse. Nur ein irritierter, unguter Eindruck, der sich immer wiederholt: Es geht um Kleidergrößen bei Kindern und Jugendlichen. Immer wieder bekommen wir Hinweise von Eltern, die uns darauf aufmerksam machen, dass irgendetwas mit den Klamotten für ihren Nachwuchs nicht stimmt. Dass sie es zwar nicht beweisen könnten, aber viele in ihrem Umfeld ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Dass da – so schwierig ein solcher Begriff in Zeiten wie diesen vollkommen zu Recht sein mag – womöglich eine Art Verschwörung im Gange ist.
Fast immer enden die entsprechenden Mails und Benachrichtigungen mit den gleichen zwei Fragen:
Bilde ich es mir wirklich nur ein, oder fallen die Kleidungsstücke von Mädchen wirklich oft um ein Vielfaches kleiner aus als die von gleichaltrigen Jungen?
Fällt das wirklich nur mir und meinen Bekannten auf?

Nein, an der Sache ist wirklich etwas dran. In den USA hat sich aus dem Eindruck, dass Bekleidung, die speziell für Mädchen ausgewiesen ist, oft sehr eng und klein ausfällt, eine ganze Bekleidungsmarke entwickelt. 2013 gründete Sharon Choksi mithilfe eines Crowdfundings die Plattform girls will be, um dem von ihr identifizierten Trend etwas entgegenzuhalten. Sie stellte eigene Recherchen und Vergleiche an und stellte fest, dass da tatsächlich etwas nicht stimmte.

Wobei man an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich erwähnen sollte, dass es nicht darum geht, dass Mädchen keine knappen Shorts und engen T-Shirts tragen dürfen. Das steht ihnen selbstverständlich ebenso frei wie Jungen. Vielmehr geht es darum, dass Kleidung, die speziell für Mädchen beworben wird, ihren Körpern grundsätzlich weniger zu ermöglichen scheint, Raum einzunehmen. Und das Problem scheint sich fortzusetzen. Wenn eine Frau ein paar Jahre nach dem Kauf ihrer Lieblingsjeasn die gleiche Hose noch mal haben möchte und plötzlich zwei Nummern größer braucht, obwohl sie nicht zugenommen hat und in die alte noch reinpasst, dann stimmt etwas nicht.

Oder wenn du ein Kleid vier Nummern über deiner eigentlichen Größe anprobieren musst und trotzdem keine Luft bekommst.

Das Ganze wirkt wie Gaslighting. Also wie ein besonders perfider Manipulationsversuch, der darauf abzielt, die Wahrnehmung und den Realitätssinn von Betroffenen bewusst zu verunsichern, um daraus Vorteil zu ziehen. Als würde jemand das Zimmer eines Opfers umräumen, um in die daraus resultierende Verwirrung hinein zu behaupten, dass es nie anders gewesen sei. Dass alles nur eine Kopfgeburt sei. Und man kann nichts belegen, nichts beweisen, es bleibt nur dieses merkwürdige Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt.

Aber eine Sache ist dann doch so verräterisch, dass sie zumindest ein Indiz dafür ist, dass es bekleidungsmäßig insbesondere für Mädchen nicht mit rechten Dingen zugeht: Viele Menschen legen sich bei dieser Frage zunächst intuitiv darauf fest, dass Jungen nun einmal größer und schwerer als Mädchen seien und deshalb auch weitere Kleidung bräuchten. Auch uns geht es so. Aber so eindeutig ist es gar nicht. Mädchen sind bei der Geburt durchschnittlich 2 cm kleiner als Jungen. Eine Differenz, die sich immer weiter verkleinert, bis Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren im Durchschnitt größer sind als Jungen. Und auch was das Gewicht angeht, stellt sich die Situation laut WHO und RKI deutlich differenzierter dar.

Vor der Pubertät ist der Unterschied minimal, in der Frühpubertät sind Mädchen etwas schwerer, bis in der ausgehenden Pubertät Jungen im Schnitt deutlich schwerer sind als Mädchen.

Wenn er sich also nicht wirklich umfänglich aus der Realität speist, woher kommt dieser Eindruck dann? Nun, darüber berichtet Pinkstinks schon seit vielen Jahren. Das gehört quasi zu unserer DNA.


Die Beispiele sind ebenso zahlreich

… wie absurd …

… und lassen nur den einen Schluss zu: Mädchen werden noch immer klein gehalten.

Bild: Pinkstinks Germany e.V.

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