Als ich erzählte, dass heute Tom Rothenbücher von der kleinen Kosmetikfirma „Villa Lavanda“ ins Pinkstinks-Büro käme, sagte meine 14-jährige Tochter: „Nur weil du Fan bist, kannst du das Thema doch nicht bei Pinkstinks untermogeln! Weltretten ist doch gar nicht euer Ding.“ Okay. Ich beichte, dass ein vordergründiger Genderbezug fehlt und ich zu Weihnachten, Konsum und Geschenken einfach diese tolle Alternative bewerben möchte. Weil leider auch ich Spaß an Konsum habe und Villa Lavanda viele tolle Schnüffeldüfte zum Wohlfühlen auf komplett biologischer und abbaubarer Basis anbietet. Aber, jetzt kommt’s: Ich habe drei Genderbezüge gefunden!

Erstens ist Kosmetik ein Genderthema. Denn was kaum einem Lillifee-süchtigen Mädchen, das später einen Beautysalon aufmachen will, vermittelt wird: Für Kosmetik braucht man Mathe, Chemie und Excel-Tabellen.

Zweitens ist ein Mann, der täglich mit Ylang-Ylang-Düften pantscht und sich für Bergamotte begeistert, nun auch nicht gerade stereotyp.

Und drittens gibt’s bei Villa Lavanda rosa Zahnpasta für alle. Jey!

Auf Villa Lavanda aufmerksam gemacht wurde ich im lokalen Bioladen bio.lose in Hamburg-Eimsbüttel – einer der einzigen zwei Läden in Deutschland, die Toms Produkte verkaufen. Kürzlich verdonnerte ich meine Familie zu bewussterem Konsum: Bienenwachs statt Klarsichtfolie, mitgebrachte Plastikbehälter beim Einkaufen und der Suche nach Alternativen zum täglichen Plastikmüllgrauen. Das ist in unsere Nachbarschaft gar nicht schwer. Wer aber keinen Bioladen in der Nähe hat, der das abbaubare Bio-Waschmittel in mitgebrachte Behälter abfüllt, kann das bei Villa Lavanda in Papiertüten bestellen: Neben fast allen Produkten, die man für Putzen und Körperpflege braucht. Dabei ist es Tom wichtig zu betonen, dass auch die in vielen seiner Produkte enthaltenen ätherische Öle von der Natur abgebaut werden müssen, ganz ohne fänden die Wasserwerke noch viel besser. Auch ist die Produktion von Glas natürlich energetisch horrend, aber wir können Glas endlos recyclen. Die restlichen Inhaltsstoffe seiner Produkte sind komplett abbaubar, die Aludeckel nimmt er zurück und verwendet sie wieder. Ich dusche jetzt in Villa Lavanda Duschgel (man braucht nur einen Cent-großen Klecks), schmiere die Achseln mit ihrem Creme Deo ein (besser als jedes herkömmliche), wasche mir Haare und Zähne mit Toms Produkten und ergänze meine Wäsche mit dem Lavendel- Wäscheduft. Soweit die komplett verstrahlte Fantum-Werbung.

„Kann man denn davon leben?“, frage ich Tom, der in seinem Keller die Kosmetik erst anmischt, wenn sie bestellt wird, um keine Vorräte wegschmeißen zu müssen. Immer mehr Geschäfte fragen seine Produkte an. Das würde aber bedeuten, die Preise hochzusetzen (wegen der 50% Rabatt, die Läden brauchen), Kolleg*innen einzustellen, ein keimfreies Labor zu bauen, damit die Produkte noch länger halten. „Das kann und will ich nicht“, sagt Tom: Seine Arbeitsbelastung in Relation zum Privatleben ist gerade perfekt – wieso immer wachsen? Viel eher möchte er andere ermutigen, selbst in die Produktion einzusteigen. „Im Internet gibt es so viele tolle Anregungen – und dann einfach variieren!“ strahlt er mich an. Der ehemalige Softwareentwickler betont, dass es bei Zutaten manchmal die Kommastellen der Grammzahlen sind, die den Erfolg ausmachen. Das heißt genaue Aufzeichnungen führen, Relationen ausrechnen und stoffliche Erfahrungen machen. Der Spaß, den er dabei hat, ist ihm anzusehen.

Auf Naturkosmetik gekommen ist Tom, als er 2014 eine Arte-Dokumentation über Aluminiumsalze in Deos sah und beschloss, seine Deos von nun an selber zu machen. Das brachte so viel Spaß, dass er mit Duschgels und immer mehr Produkten weiterexperimentierte, sie nebenbei auf DaWanda stellte, nach deren Schließung auf eine eigene Netzpräsenz umzog…und im Frühjahr 2018 dann schließlich seinen alten Job an den Nagel hängte. Die Jahre in der Programmierung halfen ihm, eine attraktive Webseite zu gestalten. Ein guter Freund, der im Marketing arbeitet, rügt ihn oft, dass er zu viele Produkte anbiete – aber genau das ist es doch, was mich als Konsumentin so anspricht. Nehme ich, wenn mein Bergamotte-Minze-Duschgel alle ist, vielleicht Lemongras? Oder Litsea Ylang? Das Problem: Es wird erst in ein paar Monaten alle sein, weil es so ergiebig ist!

Als Vater einer zweijährigen Tochter ist Tom von Pinkstinks begeistert und fragte mich, ob es okay ist, dass sein grünes Mintzahngel ein kleines Krokodil, das Erdbeergel einen Hasen draufhat. Aber klar, finden wir. Krokodile sind ja nun mal grün. Und immerhin die Lieblingstiere seiner Tochter.

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