Vielleicht ist es euch nicht aufgefallen, aber zwischen gestern und heute fehlt ein Tag. Der 29. Februar nämlich, der nur alle vier Jahre in einem Schaltjahr vorkommt, und den Almut Schnerring und Sascha Verlan von der Rosa-Hellblau-Falle genau aus diesem Grund zum Equal-Care-Day ausgerufen haben. Es ist das perfekte Datum, um den Umstand wiederzuspiegeln, dass 80 % der Care Arbeit von Frauen geleistet wird, und Männer somit vier Jahre brauchen, um die Arbeit aufzuholen, die Frauen innerhalb eines Jahres leisten. Klar, die Rollenbilder werden allmählich aufgebrochen, einige Männer haben mittlerweile verstanden, dass ihnen vom Wäschewaschen

und Windelwechseln nicht die Eier abfallen, aber im Großen und Ganzen bleibt ein partnerschaftliches Verständnis (von einer 50/50 Aufteilung ganz zu schweigen) von Care Tätigkeit in weiter Ferne. Kümmern, Pflegen, Haushaltstätigkeiten, Kindererziehung, tägliches Kochen  – all diesen Dingen und noch vielen mehr wird ein Geschlecht zugeschrieben. Care ist nach wie vor weiblich. Selbst der Versuch, dieses Stereotyp aufzulösen, mündet oft in einer schlichten Umkehrung, die die eigentliche Geschlechtszuschreibung unangetastet lässt. Dann ist Mann „Dad Mom“, der die „rohe Kraft eines Vaters“ mit den eigentlich unmännlichen Wäschefaltfähigkeiten kombiniert.

Oder Mann ist ein supercooler, zugewandter Vater, ohne dabei seine Männlichkeit aufzugeben: „Wenn du ein Vater bist, können Umarmungen krachende Umarmungen sein oder aber auch High Fives, Fist Bumps und krasse Handshakes.“

Zärtlich, tröstend oder rückversichernd zählt offenbar nicht dazu. Das wäre dann doch Weiberkram. Beide Clips gehen „irgendwie“ in die richtige Richtung Care Arbeit,  können sich aber zugleich nicht davon lösen, wie zentral die Kategorie Geschlecht in diesem Zusammenhang ist und bleibt. Sie haben was, aber noch nicht genug. Dove geht da schon deutlich weiter.

Väter zelebrieren mit ihrer Vaterschaft darin zwar immer noch zugleich auch aktive Männlichkeit. Aber sie tanzen auch, sie streicheln, sie küssen. Davon würde ich gerne mehr sehen und lesen. Am liebsten aber hätte ich Augenringe, verbrannte Finger, Wundpflaster, vollgekotzte Bettlaken, Männertränen, sorgenvolle Blicke. Nicht sehr werbetauglich, ich weiß, aber ich wünsche es mir trotzem. Ich will auf Elternabenden wegdämmernde, aus dem Mundwinkel leicht sabbernde Väter, die rechtzeitig hochfahren, um sich an Hilfsdiensten und Wahlämtern zu beteiligen und nicht aus dem Fenster starrend darauf zu warten, dass das „die Muttis“ machen. Denn Care Arbeit erschöpft sich nicht in Freizeitaktivitäten und Wochenendbesuchen. Auch nicht in „seiner Frau helfen“ oder sich fürs Glühbirnewechseln zuständig zu fühen. Eine gerechte Verteilung von Care Verpflichtungen heißt, dass sich nicht einer auf Kosten der anderen zurücklehnt. Dabei geht es nicht um Erbsenzählerei, Fleißbienchen oder Strichlisten, sondern um Fairness. Im kleinen wie im größeren Rahmen.

Denn Care betrifft uns alle.