Es ist fast dämlich, dass Pinkstinks gerade jetzt in Sommerpause geht: Jetzt, da die Stadt Frankfurt das Aus für sexistische Werbung verkündet hat. Jetzt, da Großbritanniens Werberat eine Studie über die schädlichen Auswirkungen sexistischer Werbung publiziert hat. Was könnte da die nächsten Tage noch kommen? „Deutscher Werberat startet bundesweite Informationskampagne gegen Sexismus in der Werbung“? Und wir wären nicht hier, das zu feiern, zu loben und zu verbreiten!

Wie gut, dass wir selbst eine solche Kampagne starten, wenn wir Mitte August wieder da sind. Denn auch wenn wir weiter darauf hoffen, dass der Werberat sich seiner britischen Schwester anschließt und härter gegen sexistische Werbung vorgeht, sind wir da ein wenig skeptisch – aus Gründen. Pressesprecherin Anne Grote hat in den Medien nichts verlauten lassen, was uns positiv stimmt: Die Presseaktion der ASA (Advertising Standards Authority) wurde weder kommentiert noch gelobt. Könnte das daran liegen, dass der deutsche Werberat es ganz klar ablehnt, Geschlechtsstereotype in der Werbung anzugehen? Immerhin hat er sich ja darauf festgelegt, dass solche Geschlechtsstereotype an sich kein Problem darstellen und lediglich „die Realität abbilden“.

Dabei hat die britische Zeitung „The Guardian“ unserer Meinung nach treffend zusammen gefasst, wobei es in der von der ASA angekündigten Verschärfung von hauseigenen Kriterien gehen wird:

How harmful are adverts that stereotype gender?

Sex and gender stereotypes are a staple of advertising, but that might be about to change after new proposals put forward by the UK advertising watchdog. Some say these adverts aren't a big deal and the regulator is overstepping its bounds and censoring creative freedom, but the regulator says the ads are harmful to our sense of self and the gender roles we aspire to.

Posted by The Guardian on Samstag, 22. Juli 2017

Also kein Verbot der Frau an der Waschmaschine oder des Herren am Grill. Es dürfen auch weiterhin realistische Zielgruppen angesprochen werden: Werbung muss Menschen nicht „umerziehen“. Sie muss aber sehr wohl verhindern, dass schädliche Stereotype verstärkt werden. Ein Mädchen, das Ballett tanzt, ist nicht das Problem. Das tanzende Mädchen im Vergleich zum rechnenden Bruder ist aber ebenso limitierend wie der unfähige Vater, der beim Kochen alles dreckig macht, während seine Frau geduldig um ihn herum putzt.

Es sind die Vergleiche, die die Aussage: „Frauen sind zum Putzen da!“, „Mädchen können kein Mathe!“ bekräftigen und das Selbstbild einer Generation formen. Und um dieses Selbstbild, wissen wir seit der letzten OECD-Studie, ist es nicht gut bestellt: Bei gleichen Leistungen gehen Mädchen davon aus, mathematisch nicht so begabt zu sein wie Jungen.

Der Deutsche Werberat wehrt sich seit Jahren dagegen, Geschlechtsrollenstereotype anzugehen, auch nicht in ihrer überzogenen Version, wie von der ASA beschrieben. Argumentiert wurde häufig mit dem Grundgesetz: Eine Rüge von Stereotypen in der Werbung würde die Meinungsfreiheit beschränken. Wir hingegen haben gezeigt, dass gerade aus dem Grundgesetz ein Verbot überzogener Geschlechtsrollenstereotype in der Werbung hergeleitet werden kann:

Ferner bleibt die Frage, warum der Werberat überhaupt an juristischen Maßstäben gemessen werden muss. Immerhin ist er das selbstregulierende Gremium der deutschen Werbewirtschaft, die sich ihre eigenen „Standards“ geben können. Auch die ASA wird jetzt von konservativer Seite angegriffen, seine Kriterien nicht verschärfen zu dürfen: Das beschränke die freie Marktwirtschaft. Während wir diese ständig beschränken (auch Zigaretten – und Alkoholwerbung obliegen Kriterien) darf ein unabhängiges, eben nicht gesetzliches Gremium genau das: Ihrer Branche Standards auferlegen, die sie für richtig hält.

Während wir sehr gespannt bleiben, ob die ASA dem konservativem Sturm gegenhalten kann und tatsächlich Ende des Jahres ihre neuen Kriterien publizieren, hoffen wir inzwischen auf weitere deutsche Städte, die sexistische Werbung verbieten. Und wenn wir in drei Wochen wieder da sind, produzieren wir neue Sticker, eine Bierdeckel-Kollektion für Kneipen und viele weitere Informationsmaterialien, mit denen wir Deutschland schöner machen wollen. So schön, dass immer mehr Menschen wissen: Stereotype haben Grenzen, an denen sie diskriminierend wirken. Und Diskriminierung aufgrund von Geschlecht ist, nach dem deutschen Grundgesetz, in Deutschland verboten.

Habt einen wunderbaren Sommer! Wir sind am 21.08. wieder für euch da!

Lieben Gruß, Stevie und Team