Die Deutsche Presseagentur (dpa) steht im Journalismus für Neutralität, Übersicht, Autorität und hoch professionellen Journalismus. Wenn wir von der dpa interviewt werden, freuen wir uns besonders, weil sie wiederum viele große Medien mit Kurznachrichten beliefert. Die dpa hat zudem ein Fotoarchiv, auf das andere Medien zugreifen können. Von diesem erwartet man selbstredend, dass es in fairer und politisch neutraler Weise wichtige zeitgenössische Themen illustriert.

Immer wieder mussten wir uns in den letzten Jahren ärgern, weil zwei Bilder der dpa standardmäßig genutzt wurden, um „Sexismus in der Werbung“ zu illustrieren. Besonders in der Debatte im Frühjahr 2016 um eine mögliche Gesetzesnorm gegen sexistische Werbung wurden Artikel, die Justizminister Heiko Maas angriffen („maaslos spießig“, „prüde“, „Kommt jetzt die Burka für Models?“) mit diesem Bild illustriert:

Da muss man auch gar nicht mehr den jeweiligen Artikel lesen, um zuzustimmen, dass Heiko Maas und alle Feministinnen völlig überzogen sind. Soll Dessous-Werbung jetzt etwa verboten werden? Darf nackte Haut dann gar nicht mehr in die Werbung? Ohne sich mit unseren Inhalten oder dem der Gesetzesnorm auseinander zu setzen suggeriert ein solches Bild, dass man weiß, was „Sexismusgegner“ sind: Ziemlich anstrengende Menschen, die schon bei Spitzentangas Erniedrigung wittern.

Wir wissen nicht, wer „Sexismus“ auf diese Fotos gesprüht hat, aber ein*e einzelne*r Sprayer*in, liebe dpa, ist keine Autorität in der Definition von Sexismus. Darüber machen sich Menschen in Doktorarbeiten und Selbstkontrollorganen wie dem Deutsche Werberat Gedanken. In seinen Kriterien kann man nichts finden, dass eine solche Dessouswerbung als sexistisch terminieren würde, auch nicht in der Dissertation von Dr. jur. Berit Völzmann, auf der unsere vorgeschlagene Gesetzesnorm beruht. Gerade, weil „Sexismus“ für viele Journalist*innen ein Fremdwort ist habe wir Berlin im letzten Jahr mit diesem Poster zuplakatiert:

Was uns aktuell am meisten schockiert hat: Bei der offiziellen Zusammenfassung der Bundestags-Anhörung zu einem bundesweiten Aktionsplan gegen Sexismus (den, naturgemäß, die CDU nicht befürwortet), wurde – mit Verweis auf die Autorität der dpa – genau dieses Foto wieder genutzt. Damit werden die Antragssteller und Politiker*innen der SPD, Grünen und Linken, die den Antrag befürworten, verhöhnt – und zwar auf der Webseite vom Bundestag. Von der zuständigen Pressestelle bekam ich folgende Antwort auf meine Beschwerde dazu: „Aufgabe des Fotos ist es, eine optische Assoziation zum Thema herzustellen, was aus unserer Sicht allein durch den Schriftzug „Sexismus“ gelungen ist.“ Na dann. Dass der auf einem nicht-sexistischen Bild prangt, wird ja wohl niemanden in seiner Meinung beeinflussen. Wo Deutschland in Sachen Sexismus doch so aufgeklärt ist. Dann braucht man auch keinen bundesweiten Aktionsplan mehr!

Liebe dpa, wir wissen, dass es Rechtemäßig schwer ist, für alle Themen schicke Bilder bereit zu haben. Wir hätten da aber ein paar Vorschläge:

Gegen dieses Motiv von Axe gab es, besonders in Berlin, sehr viel Widerstand. Es wurde vom Deutschen Werberat als diskriminierend eingestuft und von Unilever – leider erst nach Monaten – zurück gezogen.

Mit diesem Adbusting wird medialer Sexismus generell thematisiert, ohne ein konkretes Bild als sexistisch anzuprangern. Die Rechte für beide Bilder können Sie hier anfragen.

Wir hätten auch viele andere Bild-Ideen, fragen Sie einfach nach – wir sind gerne behilflich. Richtig, bei beiden Bilder müssen die Betrachtenden etwas nachdenken – aber das können wir Menschen, die auf die Seite vom Bundestag gehen, doch zumuten, oder nicht? Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie ihre Beitragsbilder zum Thema Sexismus überdenken würden.

Besten Dank! Und Gruß! Von Stevie Schmiedel und dem Pinkstinks-Team