Von ganzem Herzen: Schreibt jetzt bitte keine Kommentare auf diesen Blogeintrag, die den Rat enthalten, Frauen könnten auch die umweltfreundlicheren Menstruationskappen einführen. Genau das passierte nämlich gerade, als wir diese Petition gegen die „Luxussteuer“ auf Tampons auf Facebook stellten. Anstatt wütend zu werden und gegen die Einordnung von Tampons als Luxusgut zu protestieren, kommentierten viele Userinnen entspannt, man könne doch auf die nachhaltigere und langlebigere Plastikalternative umsteigen. So spannend eine ökologische Debatte hierzu auch sein kann, sie ist nicht dran. Heute geht es um die Frage, warum die wenigsten von uns wissen, dass wir auf den Gebrauch von Tampons eine volle Mehrwertsteuer entrichten müssen, während Luxusgüter wie Kaffee oder Trüffel als Gebrauchsgüter eingestuft sind und deshalb eine reduzierte Mehrwertsteuer aufweisen.

Veganer kennen die Debatte schon lange: Auf Sojamilch zahlen wir den vollen, auf Kuhmilch nur den ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Die ganze Logik, welches Produkt welche Steuer enthält, ist in Deutschland hoch komplex und bedarf dringend der Überarbeitung. Darüber, ob wir aus Umweltgründen auf Tampons, Windeln und Papiertaschentücher die volle Mehrwertsteuer erheben sollten, können wir gerne reden, wenn auch auf alle anderen Holz- und Papierprodukte eine höhere Mehrwertsteuer entrichtet wird. Brennholz und Bücher hingegen sind für 7% zu haben. Auch Produkte wie Kaffee oder Trüffel werden als notwendige Gebrauchsartikel angesehen – warum dann nicht Tampons? Weil sie nur Frauen benötigen?

Die oben genannte Petition folgt ähnlichen, teilweise erfolgreichen Petitionen in Australien, Großbritannien und den USA. Bei uns auf Facebook entbrannte dazu eine Diskussion, ob diese Mehrwertsteuer-Regelung einfach nur unüberlegt und dumm, nicht aber sexistisch sei: Immerhin zahle man auch für Toilettenpapier die volle Mehrwertsteuer, und das gebrauchen alle Geschlechter – täglich.

Gerade aber bei Produkten, die nur die weibliche Monatshygiene betreffen (wie Tampons und Damenbinden) ist die Frage, warum diese nicht als Gebrauchsgut eingestuft werden – gerade, weil Frauen in der Regel finanziell schlechter gestellt sind. Um den „Luxus“ Tampons zu finanzieren, errechnete eine britische Studie, arbeiten wir im Schnitt 38 Tage in unserem Leben – und das, obwohl wir nach wie vor 23% weniger verdienen als Männer.

Nicht nur für Tampons zahlen wir oben drauf. Damenrasierer, Duschgel oder andere Kosmetika kosten in der pinken Version im Durchschnitt 40% mehr. Das Argument, man wäre ja frei, die männliche oder neutrale Version zu kaufen, ist unsinnig: Neutrale Versionen gibt es meist nur in den teureren, anti-allergenen Variationen, und nach Moschus duften möchten die wenigsten Frauen, die in unserer Welt sozialisiert werden.

Es gäbe also guten Grund, die Einstufung von Tampons als Umsatzsteuer-reduziert zu fordern. Trotzdem interessiert Frauen das Thema #Pinktax relativ wenig, Die gerade gestartete Petition auf Change.org, mit der Aufforderung an den Bundesrat, die volle Mehrwertsteuer für Tampons in Deutschlad zu senken, hat erst 10.000 Unterstützer*innen. Die Aktivistin Penelope Kemekenidou, die die Petition startete, hat dazu eine sehr guten Beitrag in der Huffington Post geschrieben, der erklärt, warum die Beteiligung schleppend ist. Sie erklärt, dass gerade uns Frauen der Kommentar „Es gibt doch wirklich Wichtigeres, für das man sich einsetzen kann!“ schnell auf den Lippen liegt. Bevor wir eine solche Petition unterstützen, überlegen wir, ob wir uns nicht etwas lächerlich machen, wenn wir uns über die 20 Cent extra aufregen, die wir für unsere Tampons oder das Duschgel ausgeben sollen. Dabei, sagt Kemekenidou, können wir gerade die großen feministischen Ziele nicht über Nacht erreichen und auch nur dann, wenn wir die vielen Teilbereiche nicht außer Acht lassen. Jede Petition, die Frauenrechte nach vorne bringt, ist ein Puzzlestück im Kampf gegen die Diskriminierung von Frauen in Form von körperlicher und struktureller Gewalt, Gehaltsschere und Rechte am Arbeitsplatz. Frauen sollten eben nicht hinnehmen, dass Tampons als Luxusgut angesehen werden, für die sie extra zahlen sollten. Sie sollten nicht das Gefühl haben, dieses intime Thema wäre nun einmal ihr eigenes Problem, für das „die Gesellschaft“ nicht auf zu kommen hat. Dass Kaffee als Gebrauchsgut angesehen wird und reduzierte Steuer aufweist, Tampons aber hoch besteuert werden, macht keinen Sinn. Will eine Frau aktiv am öffentlichen und Berufsleben teil haben, braucht sie gewisse Sanitärartikel und kann nicht mit rutschenden Stofffetzen herumlaufen. Die Gesellschaft sollte Sorge dafür tragen, dass ihr das kostengünstig ermöglicht wird.

Unser Appell: Protestiert mit Penelope Kemekenidou gegen die Tamponsteuer und werdet mit uns laut gegen die #Pinktax, von der ihr von uns in den nächsten Wochen noch mehr hören werdet. Gerade heute gab ich ein Deutschlandfunk-Interview dazu, das Thema ist in der Presse angekommen, jetzt ist Zeit dazu laut zu werden. Warum sollten Frauen mehr für Kosmetika ausgeben müssen als Männer? Weil sie das schöne Geschlecht sind? Diese Begründung sollte 2015 nicht mehr ausreichend sein.

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