“Ja fein. Ja, das hast du fein gemacht! Wer hat das ganz fein gemacht?!” Es ist Ende 2020 und Männer werden immer noch wie Hunde behandelt beziehungsweise bestehen darauf, wie Hunde behandelt zu werden. Ich wünschte, das wäre irgendeine steile These, die ich hier nur auspacke, um etwas zu verdeutlichen oder ein Sinnbild für eine Geschlechterungerechtigkeit zu verwenden, aber leider weit gefehlt: Der “Männer sind wie Hunde”-Vergleich quillt aus allen Ecken und Enden und trägt seinen unrühmlichen Teil dazu bei, gleichberechtigte Beziehungen zwischen Männern und Frauen zu verunmöglichen. Aber fangen wir von vorne und bei zwei Disclaimern an: Zum einen können Hunde ganz großartige Begleiter für Menschen sein und dieser Text ist nicht dazu gedacht, die Beziehung zwischen Hunden und Menschen zu problematisieren. Zum anderen sind Tiervergleiche keinesfalls unüblich. Selbst der Vergleich von Frauen mit Hunden ist es nicht. So hat sich letztes Jahr um diese Zeit einer der bekanntesten deutschen YouTuber, Montana Black, nicht entblödet, darüber zu schwafeln, warum man Frauen zwar Freiraum geben aber eben auch an der Leine halten muss. Und dass Frauen in anderen Zusammenhängen gerne mit Ziegen (Zicken), Kühen oder Katzen verglichen werden, ist auch keine Neuigkeit.

Nanette L. Charron – “Why men are like dogs and women like cats”

Aber hier soll es um den immer wieder benutzten Vergleich von Männern mit Hunden gehen. Warum er gebraucht wird, was er bedeutet und wieso er eine richtig miese Idee ist. Angestachelt zu diesem Text hat mich ein Ausriss aus einer Frauenzeitung, der den drölfzigsten Aufguss dieser “Männer müssen für jede verschissene Kleinigkeit gelobt werden” darstellt.

Nicht nur mir fällt bei solchen geschlechtsspezifischen Lobhudeleien auf, dass die mehr nach Hundedressur als nach Beziehung auf Augenhöhe klingen.

Es klingt nach Leckerlis für ein Verhalten, das selbstverständlich sein sollte, nach Lob für Tätigkeiten, die ein erwachsener Mann ausführen müsste – nicht weil er sich davon Lob verspricht, sondern weil sie zu seinem Tätigkeitsbereich und zum Erwachsensein eben dazu gehören.

Wir haben schon verschiedentlich darauf hingewiesen ist, dass dieser Vergleich und die damit verbundene Dynamik zur Systemerhaltung eingesetzt wird.

Männer werden qua Geschlecht für unfähig erklärt, bestimmte Tätigkeiten zufriedenstellend auszuführen und spezifische Problemlagen zu erkennen. Männer sollen von Frauen langsam an die Realität eines völlig verdreckten Haushalts gewöhnt werden, an die Tatsache, dass sich der Einkauf nicht von alleine wegräumt und die Kinder nicht nur irgendwie da sind, sondern auch Betreuung brauchen. Sie brauchen immer eine Extraaufforderung und ganz viel Lob – egal wie sie es machen – und sind dabei maximal Haushaltshilfe statt gleichberechtigter Partner. Um diesen Zustand weiter aufrechterhalten zu können, vergewissern sich alle Beteiligten über diesen Hundevergleich des sexistischen Status Quo: Männer sind halt so. Können gar nicht anders. Das kommt entweder humorvoll daher …

Sangi & Sangi : “Sitz! Platz! Kuscheln! – Die moderne Männerschule” Eichborn Verlag.
Elke Morri: “Herbert, sitz! Männer sind wie Hunde. Ein Erziehungsratgeber” mvg Verlag

… oder ohne die Vortäuschung von Ironie. Mit der durchaus ernstgemeinten Behauptung, dass der beste Beziehungstipp, den man hat, eben der sei, dass Männer wie Hunde sind. “Beweise” dafür lassen sich natürlich auch finden: Männer “knurren und winseln, wenn sie hungrig sind”, sie “verstehen nur direkte Kommandos”, “markieren ihr Revier” und “müssen trainiert werden”. Außerdem “weckt er dich auf, weil er dein Bein bespringt“. So witzig einfach. Nicht nur weil es Männer entmenschlicht und auf das Ausleben niederer Instinkte herabwürdig, sondern weil es einen Akt sexualisierter Gewalt normalisiert, dem leider viel zu viele Frauen ausgesetzt sind: Davon aufzuwachen, dass ihr Partner ohne sich zuvor über Einvernehmlichkeit verständigt zu haben, das initiiert, was er für eine sexuelle Handlung hält. Was aber ohne Konsens immer nur Gewalt sein kann. Aber hey: “Er hört nicht zu? Er vergisst ständig wichtige Termine? Und in Sachen Sauberkeit ist er meistens total blind? Bingo”

Leider verfängt die “Männer sind wie Hunde”-Vorstellung gelegentlich auch bei Feminist*innen. Im vergangenen Jahr hat die Schauspielerin und Aktivistin Alyssa Milano zu einem Sexstreik aufgerufen, um gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts in den Vereinigten Staaten zu produzieren. So gerechtfertigt das Ansinnen auch sein mag, so sehr zahlt es auf den “Männer sind wie Hunde, Frauen müssen sie entsprechend behandeln”-Narrativ ein. Ein Sexstreik verstärkt und vermittelt nicht nur den Eindruck, dass Sex etwas ist, was Frauen Männern geben bzw. zu geben haben, um sie bei Laune zu halten, …

… er suggeriert auch, dass Sex der Knochen ist, den Männerhunde immer haben wollen, weil sie nicht anders können. So funktioniert das aber nicht. Ja, wir haben Probleme.
Ja, wir fallen weit hinter dem zurück, was sich unter Geschlechtergerechtigkeit zusammenfassen lässt.
Aber wir kommen in dieser Sache nicht voran, wenn wir Männer zu Hunden erklären, ignorantes und sexistisches Verhalten damit entschuldigen und versuchen, sie mit Sexleckerlis zu bestechen, damit sie das tun, was ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist.

Nämlich die Hälfte schultern und sich nicht alles am Arsch vorbei gehen zu lassen.

Veronika Hampel – “Ein humorvoller Männerversteh-Ratgeber”

“Männer sind wie Hunde” bringt uns keinen Schritt voran. Es wirft uns vielmehr um Längen zurück, weil es rechtfertigt, was nicht mehr zu rechtfertigen sein sollte. Männer sind nicht wie Hunde. Zu viele sind Sexisten. Dieses Problem muss adressiert und angegangen und nicht etwa mit Leckerlis beschwichtigt werden.

Andere Männer geben sich Mühe, hängen sich rein und tun, was sie können, um Gleichberechtigung zu leben. Sie verdienen mehr als ein manipulatives Lob, ein “Ja, das hast du fein gemacht” beim Verrichten von Tätigkeiten, die selbstverständlich sein sollten. Sie verdienen Wertschätzung. So wie Frauen übrigens auch.

Bild: Pinkstinks Germany e.V.

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