„Für die Freiheit der Frau, gegen Islamisierung und Fremdengewalt.“ Unter diesem Motto hat die AfD Politikerin Leyla Bilge im vergangenen Monat zu einem „Frauenmarsch auf das Kanzleramt“ aufgerufen.

Unter denjenigen, die dort mit Pauschalisierungen gegen Migranten und Geflüchtete versuchten, die Frauenbewegung von rechts zu kapern, befanden sich hauptsächlich Männer.

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Männer, die sich „von Rockefellers, Rothschilds und anderen Juden“ verfolgt fühlen. Von den Clintons natürlich auch. Und die so ganz nebenbei wie schon bei früheren Gelegenheiten „von ihrem Gott gegebenen Recht Gebrauch machen, ihre Frauen zu beschützen“. Der rechtskonservative Theologe und Publizist David Berger hält eine Rede, erzählt ein bisschen was über „einen künstlichen #MeToo Skandal, der kein Skandal ist“ und darüber das sein Publikum aus „den wahren Feministinnen und Feministen“ besteht. Auf Schildern wird gefragt, „wer unsere Kinder vor Migrantengewalt schützt„. Merkel muss natürlich auch weg. Sogar der Pegida-Gründer Lutz Bachmann hat zwischen (Ermittlungs)verfahren wegen Volksverhetzung die Zeit gefunden, mal vorbeizuschauen.

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Eine ganze Menge Männer marschieren mit, die vielfach durch die pauschale Vorverurteilung ihrer migrantischen und geflüchteten Geschlechtsgenossen verbunden sind.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass gerade Männer von Verallgemeinerungen lieber die Finger lassen sollten. Denn es gibt unzählige Gründe, gegen Männer zu pauschalisieren:  Wenn jemand mit einem Schnellfeuergewehr aus einem Hotel in die Menge ballert, seine ehemalige Schule überfällt, einen Menschen mit Säure verätzt oder ein Fahrzeug in eine Menge steuert, dann ist diese Person zumeist männlichen Geschlechts. Gewaltherrscher, Warlords, Drogenbarone, Waffenschmuggler – die offenkundige Gemeinsamkeit liegt nicht in Herkunft oder Hautfarbe begründet, sondern vielmehr in der Geschlechtszugehörigkeit. Frauen begehen nur ein Bruchteil aller Straftaten. Gerade mal 5,3 Prozent der in Deutschland inhaftierten Personen sind Frauen. In Sicherungsverwahrung befinden sich fast ausschließlich Männer. Und seit über 100 Jahren ist die Zahl der weiblichen Verurteilten nahezu gleich geblieben.

Wenn es der Partei mit der niedrigsten Frauenquote im Bundestag

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also wirklich ernst mit ihrer Forderung nach mehr Sicherheit für Deutschland wäre, dann müsste die AfD konsequenterweise Obergrenzen für Männer fordern. Befähigungsnachweise für die mögliche Integration in eine friedliche Gesellschaft verlangen. Bei Konflikten in Bildungseinrichtungen sofort mehrwöchig alle Jungen wegen möglicher Eskalationen isolieren. Auf die Einführung eines Harmlosigkeitszeugnisses bestehen, welches lückenlos belegt, dass ein Mann kein Interesse an erweitertem Suizid hat. Wer sich weigert, fliegt raus.

Aber das ist natürlich pauschalisierender Unsinn. Eine solche Vorgehensweise würde Jungen und Männer grundsätzlich kriminalisieren und unter Generalverdacht stellen. Menschen also, die mehrheitlich einfach nur in Frieden leben wollen. Auf Migranten und Geflüchtete bezogen werden aber genau solche Forderungen immer wieder mit großer Selbstverständlichkeit gestellt. So als würden die nicht mehrheitlich einfach nur in Frieden leben wollen. Weil die ja angeblich alle irgendwas mit unseren deutschen Frauen vorhaben,

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in unsere Sozialsysteme einwandern und Islamisten sind. Wer tatsächlich etwas mit Frauen vorhat, das sind in der Regel männliche (Ex)Partner. Und die müssen dazu weder zugereist sein, noch Hartz IV beziehen oder religiösem Fanatismus frönen. Mann sein genügt.

Anstatt also Ressentiments gegen Migranten und Geflüchtete zu schüren oder zu bejahen, sollten wir uns lieber mit problematischen Männlichkeitskonzepten befassen, die viel zu häufig und viel zu zwangsläufig in Gewalt münden. Denn dieses Problem ist sehr real und geht uns alle an.