Ich bin davon überzeugt, dass wir einen Aufbruch der Männer brauchen. Ein Aufbruch hin zu einem gesünderen Bild von Männlichkeit, jenseits von eingefahrenen Rollenmustern oder vermeintlichen gesellschaftlichen Erwartungen wie sich ein Junge oder ein Mann zu verhalten hat. Dafür müssen wir Männer zunächst bereit sein, einen Blick auf uns höchstselbst zu werfen. Wir müssen bereit sein anzuschauen, wo wir uns als Mann selber schaden. Beispielsweise, indem wir versuchen, immer der Fels in der Brandung zu sein, indem wir Muster toxischer Männlichkeit wie den exzessiven Alkoholkonsum in Gruppen von Männern ausleben oder wir uns hartnäckig weigern, über Gefühle wie Angst, Trauer oder Sorgen zu sprechen.

Dieser Aufbruch kann besonders dann gelingen, wenn er auf zwei Ebenen stattfindet. Männer sollten sich in Männergruppen organisieren, um sich gegenseitig in ihrem Pioniergeist zu bestärken. Es ist nicht leicht, immer alleine gegen den Strom überkommener Konstruktionen von Männlichkeit zu schwimmen. Im Prozess der Veränderung müssen sich Männer gegenseitig unterstützen. Gleichzeitig sollte jeder Mann einzeln jeden Tag ein wenig aufbrechen und seinen Beitrag zu einem positiveren Bild von Männlichkeit leisten. Indem er gelernte männliche Verhaltensweisen durchbricht oder indem er sich zu Wort meldet, wenn die Geschlechtergerechtigkeit unter die Räder zu drohen gerät.

Deshalb habe ich mich im letzten Jahr dazu entschlossen, den ersten Buchkalender für Männer zu produzieren mit 52 Impulsen für Männer auf der Suche. Der Kalender enthält Gedanken und Ideen, Zahlen und Fakten, Geschichten und Anekdoten, die Männer motivieren, erst einmal zu sich selbst aufzubrechen. Zu ihren Gefühlen, Ängsten, Süchten und Sorgen. Auf 232 Seiten widmet sich das Buch männerspezifischen Themen. Männer und ihr Umgang mit Trauer, Lieben jenseits der Heterosexualität, Männerfreundschaften, psychische Gesundheit, Älterwerden, Vater-Sohn-Beziehungen, Geschlechtergerechtigkeit oder Männergruppen sind nur einige Beispiele. Der Kalender widmet sich vielen Bereichen, die für Männer von Bedeutung sind, über die sie aber selten reden. Männeraufbruch 2018 soll zum Nachdenken anregen, erstaunen und bereichern.

Boris von Heesen spendet an Pinkstinks. Wenn ihr den Kalender über diesen Link in seinem Shop bestellt, gehen 5 € direkt als Spende an uns.

Männer reagieren darauf unterschiedlich. Grob kann ich meine Geschlechtsgenossen in drei Gruppen einteilen. Ganz wichtig, hierbei handelt es sich um meine persönlichen Eindrücke, die sich aus der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema speisen. Die Hälfte der Männer reagiert nachdenklich, wenn sie von meinem Projekt hören. Man spürt förmlich die persönliche Betroffenheit und wie es in den Männern arbeitet, dass sie sich für ein Buch interessieren, das sie herausfordert, den Blick auf sich selber zu richten. Auch wenn ich nicht weiß, wie viele Männer letztlich mit den von mir gegebenen Impulsen weiterarbeiten, finde ich die große Anzahl der nachdenklichen Männer sehr ermutigend. Die zweite Gruppe, vielleicht ein Viertel der Männer mit denen ich über das Projekt rede, versucht mir auszuweichen und schnell thematisch neues Land zu gewinnen. Die letzte Gruppe, ebenfalls ungefähr ein Viertel, ich nenne sie gerne die ‚unsicheren Machos‘, versuchen das Projekt ins Lächerliche zu ziehen. Wenn ich von der Themenvielfalt erzähle, fragen sie nach Bildern mit nackten Frauen oder ob das Kalenderformat auch für einen Spind taugt.

Trotz solcher Erfahrungen spüre ich jeden Tag von Neuem, dass meine Initiative, einen Männeraufbruch mit Hilfe eines Impulskalenders ins Rollen zu bringen, auf fruchtbaren Boden fällt. Fast alle Frauen und eine gefühlte Mehrheit der Männer stehen hinter der Idee des Männeraufbruch 2018.