Proper ist das nicht, was uns die Werbung zu der Reinigungsproduktlinie Mr Muscle der Firma S. C. Johnson & Son verkaufen will. Übrigens eine Firma, die in den Vereinigten Statten mehrfach für ihre Arbeitsbedingungen und ihre Nichtdiskriminierungspolitik gelobt worden ist. Der Clip beginnt mit der berühmten Märcheneinleitung „Es war einmal“ und genau wie so oft in richtigen Märchen wird es anschließend ziemlich fies.

„Es war einmal ein Junge, der wollte Müttern das Putzen erleichtern.“

Das ist ja mal ein aufgewecktes Kerlchen. Nicht etwa dass er ein Junge wäre, der seiner Mutter beim Saubermachen helfen will oder mal nachfragt, wieso Mütter eigentlich andauernd putzen müssen während die Väter in dieser schrägen Putzfimmelwelt allenfalls durch Abwesenheit glänzen. Nein, der kleine Mr Muscle ist ein ganz Schlauer und wird, wenn er einmal groß ist, Erfinder und Held. So einer wird sich doch nicht die Hände schmutzig oder den Rücken krumm machen. Die Drecksarbeit verrichten die anderen – beziehungsweise die andere. Leider funktioniert das nach wie vor auch im richtigen Leben so. Tätigkeitsfeldern wird ein Geschlecht zugeordnet und wenn sie ausreichend professionalisiert sind und die entsprechenden Hierarchisierungsprozesse stattgefunden haben, profitieren andere davon.

So gaben einer Umfrage zufolge mehr als 2/3 der befragten Frauen an, dass sie in der Hauptsache für das heimische Kochen zuständig sind. Dem gegenüber steht eine Umfrage, die ich hiermit starte und deren Ergebnis ich mir schon im Vorfeld ausmalen kann: Nennt mit außer Sarah Wiener aus dem Stand eine erfolgreiche Köchin. Soviel dazu!

Für das Tätigkeitsfeld Putzen scheinen ähnliche Regeln zu gelten: Während Mutti am Schrubben ist, entwickelt Mr Muscle eine Technologie, „die Power und Intelligenz“ vereint. Das bisschen Haushalt stört also keinen großen Geist wie Mr Muscle. Für ihn ist das bisschen Haushalt lediglich ein intellektuelles Problem, dem er sich bereits im Kindesalter in paternalisierender Generosität annimmt. Mutti tut zwar, was sie kann (Putzen), ist aber leider zu doof, um sich die Arbeit zu erleichtern. Also entwickelt derjenige die Verbesserung, der sich aufgrund seines Geschlechts nicht mit so niederen Tätigkeiten befassen muss. Die Konstellation ist so ungerecht, dass sie schon vor beinahe 20 Jahren auf wunderbare Weise lächerlich gemacht wurde.

Wenn ich allerdings daran denke, dass diese Konstellation heute immer noch neu aufgelegt wird, bleibt mir das Lachen im Halse stecken. In diesem Sinne bekommst du von Pinkstinks dafür keinen Daumen, Mr. Muscle. Stattdessen fahren wir den Finger aus – du weißt schon welchen.