Collien Ulmen-Fernandes kennt man eher als Schauspielerin und Moderatorin als dass man sie als Kinderbuchautorin einordnen würde. Aber weil das Leben seine Vielfalt hat und manche Themen an bestimmten Wendungen besonders wichtig werden, ist sie jetzt auch das: Kinderbuchautorin, und zwar eine feministische.

Ich gebe zu, dass ich skeptisch war – eine attraktive deutsche Schauspielerin, die sonst eher in der Gala zu sehen ist, als Feministin? Das geht jobmäßig doch gar nicht zusammen? Genau diese Haltung zeigt die unterbewussten Vorurteile auf, die wir alle mit uns herumtragen und gegen die Collien anschreibt. Als ich sie nämlich letzte Woche auf einem ZDFneo-Dreh in Köln kennenlernte, traf ich eine engagierte Gleichstellungsaktivistin, die einengende Stereotype enorm wütend machen. Sie haute mir aktuellste Studien um die Ohren, die ich noch gar nicht kannte – obwohl doch ich als Expertin geladen war für den Dokumentarfilm „No more Boys and Girls“, der am 1. November 2018 in ZDFneo ausgestrahlt wird und in dem ich Colliens Erfahrungen in einer Schulklasse kommentiere.

Ich brachte ihr unser „David und sein rosa Pony“ mit, dafür schenkte sie mir „Lotti und Otto – Eine Geschichte über Jungssachen und Mädchenkram“, ein wunderschön gezeichnetes Kinderbuch über ein Ottermädchen, das gerne angelt und einen Otterjungen, der gerne backt. In einem Ferienkamp werden die beiden in geschlechtergetrennte Gruppen gesteckt, in denen sie sich nicht wohlfühlen – und später „doppeltes Lottchen“-artig alle darin überraschen, dass Jungen wunderbar Blumengirlanden bauen und Mädchen vor nichts Angst haben können. Am Ende des Buches hatte ich Gänsehaut. Wenn deutsche Celebritys dermaßen Genderwind machen, kann es nur bergauf gehen.

Unbedingt kaufen, verschenken, vorlesen!

Collien Ulmen-Fernandes, Carola Sieverding: „Lotti & Otto“, Verlag Edel Kids, €13,99, ISBN 978-3-96129-008-6