Eigentlich könnte doch alles so schön sein. Bei der diesjährigen Verleihung der Golden Globes kamen zahlreiche Stars von Reese Witherspoon bis Salma Hayek ganz in schwarz um im Rahmen der #metoo Debatte auf sexualisierte Gewalt im Filmbusiness aufmerksam zu machen.
Bei den Oskars sprach die wunderbare Frances McDormand, noch mit der Trophäe in der Hand, bevor sie ihr dann später geklaut wurde, mit zitternder Stimme über Frauenrechte und Gleichberechtigung und bat ihre Kolleginnen aufzustehen um sich selbst zu beklatschen. Viele folgten ihrem Aufruf, allen voran Meryl Streep.

Außerdem setzte McDormand sich für die Inclusion Rider Klausel ein. Eine Klausel, die mehr Diversität am Filmset und eine gleichberechtigte Beteiligung von Frauen, LGBTI, Menschen mit Behinderung und POCs in Filmen gewährleisten soll.

Man muss es sich mal vorstellen: Plötzlich würden aus der Traumfabrik Filme kommen in denen ein tatsächlicher Querschnitt der Gesellschaft abgebildet ist und in denen weiße körpernormierte Menschen nicht mehr anderen vorgezogen würden. Und das in Hollywood! Das wäre ja eine unglaubliche Revolution! Ich glaube, dass solche Nachrichten und die Reichweite von #metoo, #aufschrei, #ausnahmslos zahlreichen Feminist*innen weltweit sprachlos den Mund offenstehen ließen.

Genderspezifische Gewalt ist seit einiger Zeit nicht nur ein „wichtiges Thema“, auf das hartnäckige Feminist*innen unermüdlich aufmerksam machen, sondern durch Time’s Up und #metoo wurde gegen sexualisierte Gewalt aufzustehen sogar richtig hip und cool. Sogar Miley Cyrus war plötzlich da dabei. Unglaublich. So entschloss sich vielleicht nach #metoo die ein oder andere Aktivistin in Hamburg diesen Winter endlich mal einen Tag frei zu machen und vom Erfolg und von Endorphinen beschwingt durch Hamburg zu schlendern.

Falls es dabei aber eine an einem Montag in die Hamburger Innenstadt verschlagen hat, ist ihr wahrscheinlich schnell jedes Hochgefühl verflogen. Denn es ist eben nicht nur schön. Dort ist seit einiger Zeit etwas Merkwürdiges zu beobachten: Immer montags versammeln sich Menschen, um gegen die deutsche Einwanderungspolitik und Angela Merkel zu demonstrieren. Zuerst waren es etwa achtzig, am darauffolgenden Montag ein paar mehr und in der Woche darauf noch mehr.

Angemeldet hat diese Demos unter dem Titel #merkelmussweg eine Frau, Uta Ogilvie. Dass sich auf diesen „Protesten“ gegen die Regierung organisierte Neonazis und Kader der Identitären Bewegung treffen ist spätestens seitdem der Verfassungsschutz berichtete: „Die eigentlichen Initiatoren haben nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zum Teil einen Vorlauf in rechts­extremistischen Strukturen und entstammen auch dem Türsteher- und Althooligan-Milieu“, klar.

Die Bewegung hat mit Uta Ogilvie und späteren Anmelderinnen wie Jennifer Gehse, Frauen gefunden, die als Gesichter der Demos fungieren und die sich als unpolitische Opfer der Einwanderungspolitik darstellen: Als besorgte Frauen und Mütter denen die Einwanderung „einfach zu viel ist“ – Das vor allem rechte Männer an diesen Demos teilnehmen, scheint sie nicht zu stören. „Naja“, kann man nach einem Blick auf die Pappschilder dieser Leute sagen, „ein paar Rechte treffen sich montags zur gemeinsamen Politikerschelte, ist ja seit PEGIDA eigentlich nichts Neues, kennen wir doch schon.“

Aber diesmal ist es anders und zwar deshalb, weil die rechte Bewegung immer aggressiver versucht feministische Debatten wie #metoo für sich zu kapern, um Hass gegen Migrant*innen zu schüren. Und zwar mit dem einfachen Trick, zu behaupten es hätten früher keinen Sexismus gegeben, sondern der wäre erst durch migrantische Männer importiert worden.

Ein weiteres Beispiel für den Trend ist das im Januar veröffentlichte Video 120 Dezibel der sogenannten Identitären Bewegung. Initiator ist der bekannte rechte Österreicher Martin Sellner. In dem dreiminütigen Clip, der mit sehr dramatischer Musik unterlegt ist, verkünden Frauen: „Wegen eurer Zuwanderungspolitik stehen wir bald einer Mehrheit von jungen Männern aus archaischen frauenfeindlichen Gesellschaften gegenüber. (…) Ihr predigt Feminismus und Frauenrechte, dabei seid ihr die wahren Frauenfeinde.“

Die Frauen in dem Video, die sich selbst die „Töchter Europas“ nennen, machen in dem Clip deutlich, dass sie glauben Gewalt gegen Frauen wäre ein importiertes Problem. Nur wegen der „Migranten“ hätten sie plötzlich nachts Angst, nur wegen der „Migranten“ müssten sie seit Kurzem mit Pfefferspray rumlaufen.

Dass Frauen in dem Clip der rechten Bewegung nahestehen wird verschwiegen, auch wenn es spätestens nach, in dem Video getroffenen Aussagen, wie: „Ihr seid schuld, weil ihr euch weigert eure Grenzen zu sichern, (…) weil ihr euch weigert zu kontrollieren wer hereinkommt“ der aufmerksamen Zuhörerin klar ist woher der Wind weht.

Dass es für Geflüchtete inzwischen unglaublich schwierig ist einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu bekommen und die europäische Grenzabwehr in Zeiten von Frontex so gut aufgerüstet ist wie noch nie, muss an dieser Stelle wohl nicht erneut gesagt werden.

Aber auch wenn das Märchen vom „bösen Fremden“ kalter Kaffee ist, hindert das die rechte Bewegung leider nicht daran unermüdlich zu versuchen den gesellschaftliche Konsens, dass sexualisierte Gewalt und Sexismus ein Problem sind, für sich zu nutzen. Am 15. Februar stürmten einige der 120 Dezibel Frauen auf der Berlinale sogar eine Bühne und störten damit eine Podiumsdiskussion zum Thema #metoo. Glücklicherweise konnte die Aktion schnell beendet werden.

Dass die rechte Bewegung selbst massiv von Frauenhass und Gewalt durchzogen ist, ist ein Widerspruch der anscheinend einfach ignoriert wird. Ein entlarvendes Beispiel für das Frauenbild der Identitären ist ein Bild, dass die identitäre Bewegung vor einiger Zeit veröffentlichte und das deutlich macht wer wirklich ein Grund für Frauen ist nachts das Pfefferspray einzustecken:

Während also feministische Hollywoodstars wie Frances McDormand aus der #metoo Debatte die Konsequenz ziehen eine pluralistische offene Gesellschaft zu fordern, in der alle die gleichen Chancen haben, wollen andere uns dazu bringen, aus #metoo ganz andere Konsequenten zu ziehen. Für sie sollen nur bestimmte Frauen, nämlich weiße deutsche Frauen, vor bestimmten Männern, nämlich migrantischen Männern, geschützt werden. Was mit sexualisierter Gewalt gegen nicht-weiße Menschen ist, interessiert nicht. Ebenso wenig wie der Sexismus und die sexuellen Übergriffe von denjenigen die sie als „deutsch“ verstehen. Also zum Beispiel mit den Übergriffen von Identitären und Nazis!

Die ganze Debatte über sexualisierte Gewalt bedeutet für sie nur eine weitere Möglichkeit ihren Rassismus öffentlichkeitswirksam zu verbreiten.

Also WATCH OUT ihr Lieben: Bei all der Freude darüber, dass sexuelle Übergriffen und Sexismus endlich als gesellschaftliche Probleme anerkannt werden, müssen wir darauf achten auf dem rechten Auge nicht blind zu sein.

Wir lassen unser #metoo doch nicht von solchen Leuten kapern!

Beitragsbild: Screenshot YouTube