Ich gebe zu: Hygieneschutzmasken-tragende, meist asiatisch gelesene Reisende habe ich in der Vergangenheit oft belächelt. Gesehen habe ich sie höchstens mal auf Flughäfen oder in der Hamburger Innenstadt, schicke Koffer hinter sich herziehend und mit grün-weißer Schutzmaske auf der Nase. „Was soll das?“, dachte ich auch mal empört: Ist hier alles, sind wir etwa, zu unhygienisch für die? Das ist doch lächerlich.

Sars war 2003 sehr weit weg. Erst jetzt weicht unsere Ignoranz, und wir können nachvollziehen, wie tief ein Seuchen-Schock sitzen und langfristig prägen kann. Ich bin in einem blitzblanken Scheuermilch-Haushalt aufgewachsen in dem alles ständig gereinigt wurde, meine Mutter war stolze 60er-Jahre Hausfrau. Um meinen Kindern meine starken Allergien zu ersparen, habe ich jeden in den Dreck gefallenen Schnuller einfach so wieder in den Mund gesteckt und die Hände der Kinder so selten gewaschen wie möglich. Sie haben tatsächlich keine Allergien entwickelt und wir sind alle immunstark. Und jetzt soll ich mir ständig die Hände waschen und mich vor herumschwirrenden Viren auch noch mit Maske schützen, anstatt mich abzuhärten? Mir gefällt das nicht.

Das muss es ja auch nicht. Denn es geht nicht um mich, habe ich inzwischen gelernt. Sondern um die anderen. Forschende vermuten, dass simple Baumwollmasken die Chancen reduzieren, dass ich, sollte ich das Virus auch ohne Symptome tragen, es an andere weitergebe. An meine Freundin, die Kortison nehmen muss. An meine älteren oder vorbelasteten Nachbarn, die ich vor dem Gemüseladen treffe und mit ihnen – mit Abstand – in der Schlange auch mal länger schnacke. Oder das Kind, das Asthma hat. Ich soll nicht Maske tragen, um mich selbst zu schützen – sondern aus Höflichkeit und Anstand. Das leuchtet mir ein.

Jetzt bleibt nur das Problem: Verstehen das auch die anderen? Sehen die mich nicht genau so, wie ich früher die maskierten Reisenden empfunden habe? Als lächerlich und ängstlich? Jetzt bin ich nicht nur die Frau, die „ständig ein Problem mit irgendwelchen Sexismen hat“, sondern auch noch „völlig überzogen“ mit Maske rumrennt? Denn auch, wenn diese Tage viel übers Maskentragen geschrieben wird: Mit einer rumlaufen tut noch kaum jemand.

Leider habe ich aktuell keine Stoffmalstifte, sonst hätte ich mir „#ausRücksicht“ auf meine gestern genähte Maske malen können. Aber vielleicht könnte das jemand sticken? Es gibt doch diese tollen Maschinen dafür? Das Nähen ging übrigens ziemlich einfach. Ich bin auf diese Webseite gegangen und habe mir schnell Anleitung und Vorlage ausgedruckt.

Dann habe ich Stoffreste gefunden, die auf 60 Grad gewaschen werden können (ein zerschlissener Bettdeckenüberzug und Bettlaken) und losgelegt. Es ist wirklich nicht schwer! Die Anleitung unter diesem Link sind gut verständlich. Wer nicht näht: Bestellen geht auch! Es gibt zur Zeit unzählige Angebote im Netz. Schicker finde ich ja die Masken mit den Lamellen, aber die sind aufwendiger und brauchen dringend einen Haltedraht, den ich nicht hatte. So eine bestelle ich mir vielleicht noch dazu.

Auf #maskeauf findet ihr auch noch weitere Anleitungen und Tipps zum Verwenden und Reinigen der eigenen Maske. Außerdem könnt ihr euch dort Prominente ansehen, die schon unter eine Maske geschlüpft sind und eure eigenen Masken-Selfie mit dem Hashtag #maskeauf teilen.

Jetzt hoffe ich, dass ganz viele Menschen diese Tage kreativ werden oder die vielen Online-Bestellangebote nutzen, damit es normaler wird, in diesen Tagen andere zu schützen. Aus Rücksicht. Oder, um die, die sich dringend schützen müssen, nicht alleine zu lassen.

Let’s do it!
Eure Stevie

Foto Credit: privat

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