Lukas Krauß macht Wein und er macht es auf seine Art. Anstatt die gleiche Zielgruppe zu bedienen wie viele andere, nehmen Krauß und seine Medienagentur junge, urbane Hippster ins Visier, die auch schon mal „ein sexyanspruchsvoller Wein in einem klassischen Rotweinstil für die Szenebar und den Club“ reizt.

Leider ist die Marketingstrategie vom selbsternannten „Mann mit Hut“ trotz erfolgreicher Nutzung der sozialen Medien reichlich altbacken.
So hat Krauß einen Wein kreiert, den er Pornfelder nennt – ein Kofferwort für einen Verschnitt aus Portugieser und Dornfelder. Wenn das mal nicht „pornös“ und „irgendwie witzig“ ist. Wobei dem jungen Winzer angeblich nicht so ganz klar ist, was den Erfolg des Weins ausmacht: “Ich weiß auch nicht, ob das ‚sex sells‘ ist oder was das ist. Auf jeden Fall hatten wir noch nie einen Wein, der sich so gut verkauft hat.”

Schon merkwürdig: Auf dem Etikett zum Pornfelder sind zwei spärlich bekleidete Frauen in Strapsen abgebildet, die posieren bzw. mit den dargestellten Trauben spielen. Das Logo gibt es inzwischen schon auf T-Shirts. Auf der Webseite des Weines wird ein Kunde mit den Worten zitiert: „Am Gaumen ein Pussycat Doll“. Am liebsten würde Krauß „im Idealfall die ganze Produktion auf die Reeperbahn schieben”, weil Pornfelder für ihn da hingehört.

Und Verschenken sollte man den Wein laut Auskunft der Webseite geileweine.de am besten an einen Kumpel oder an Papa.
Aber ob das jetzt „sex sells“ ist, kann er nicht so genau sagen? Andere beziehen da klarer Stellung. Die kommunale Gleichstellungsbeauftragte Birgit Löwer dazu: “Diese Werbung ist aus meiner Sicht frauenfeindlich und sexistisch zugleich: Die Darstellung beleidigt Frauen als Gruppe und stellt sie in abwertender Weise dar. Die Reduzierung auf bestimmte Körperteile und Posen steht in keinem Zusammenhang mit dem Produkt.”

Pinkstinks schließt sich dieser Einschätzung an. Darüber hinaus fragen wir uns allerdings einmal mehr: Wieso?
Wieso bedient sich Marketing für junge, hippe, trendige Menschen so selbstverständlich Sexismen? Wieso zielen Sätze wie „Mach dich doch mal locker“ und „Sei doch nicht so spießig“ so häufig darauf ab, dass man es doch bitteschön hinnehmen soll, wenn weibliche Körper zu Blickfangobjekten degradiert werden? Und wieso denken 2014 eigentlich immer noch Leute, dass man so etwas mal machen müsste, weil es ganz neu und noch nie dagewesen ist?
Darauf ein 2009er Domkapitel von Tschida.

Tschida

Prost!

Nils Pickert