Heute ist es mal wieder Zeit für ein Update von der Front der Werbemelder*in. Denn auch wenn in den letzten Wochen die Werbetätigkeiten im öffentlichen Raum deutlich reduziert wurden und die meisten sehr viel Zeit Zuhause verbracht haben, ist Werbung nach wie vor eine der bislang unverzichtbaren Säulen unserer Marktwirtschaft. Werbung finanziert beispielsweise über das Anzeigengeschäft weite Teile der Presselandschaft und sollte auch und gerade deshalb nicht unterschätzt werden. Darum haben wir uns auch sehr gefreut als wir am 11. Mai zum drittem Mal den Pinken Pudel für progressive Werbung vergeben konnten, die mit Geschlechternormen und Stereotypen bricht.

Preisverleihung – Pinker Pudel 2020

🏆 Und der Pinke Pudel 2020 geht an…🏆Ihr habt abgestimmt und auch die Jury hat ihren Preis vergeben. Wer die diesjährigen Gewinner*innen sind, verrät euch Tarik Tesfu in der Videoverleihung direkt aus seiner Küche. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf viele weitere Werbefilme, die mit Stereotypen brechen!#PinkerPudel #SexismusInDerWerbung #Feminismus #PinkstinksGermany

Gepostet von Pinkstinks Germany am Montag, 11. Mai 2020

Aber bei aller Begeisterung über die Arbeit der diesjährigen Preisträger*innen wollen wir natürlich nicht aus den Augen verlieren, was das Problem ist. Denn das heißt immer noch struktureller Sexismus und findet immer noch zu viel Anwendung. So viel Anwendung, dass wir mit Blick auf unsere Werbemelder*in immer wieder spezielle Unterkategorien ausmachen können. Zum Beispiel, dass Frauen zwar gerne als Beilage präsentiert werden, dafür aber nicht als Profis. Dass die Brüste von Frauen in der Werbung als Kommunikationsmittel eingesetzt werden, die Männern irgendetwas sagen.

Und dass Männer darauf reagieren müssen, weil sie angeblich Tiere sind.

In der Kategorie, die wir euch heute vorstellen, dreht sich alles darum, dass Frauen etwas möglichst lasziv an oder in den Mund führen, um über die Andeutung von Oralverkehr eine gewisse “Sexiness” des Produkts zu suggerieren. Dafür schauen wir auf den aktuellen Stand aus der Werbemelder*in und nicht ins Archiv. Es wäre ein Leichtes an dieser Stelle die berüchtigte Burger King Werbung von 2009 hervorzukramen, um mit diesem wirklich krassen Motiv betroffene Empörung hervorzurufen. Aber darum ging und geht es Pinkstinks nicht. Es geht darum zu zeigen, was passiert, die Zusammenhänge aufzuzeigen, wieso es passiert und dagegen aktiv zu werden. Was passiert also? Sagen wir einfach, im Food-Bereich haben wir ein eher größeres Problem. Das kann Pizza betreffen,

Pommes

und natürlich auch Wurst.

Weil Männer haben ja auch irgendwie ne Wurst und wenn die Frau dann mit dem Mund, *zwinkizwonki*, kennstekennste (hier bitte die entsprechende Mario Barth Zote einfügen). Essen, das muss man zur “Verteidigung” der Verantwortlichen allerdings anführen, wird nun mal oral konsumiert und da ist diese Art der Bebilderung zumindest naheliegend.

Sexistisch aber naheliegend.

Andeutungen dieser Art können und werden jedoch selbstverständlich auch vollkommen sinnbefreit und zusammenhangslos eingesetzt. Wenn es um eine chirurgische Ausbildung geht,

um Styling

oder um ein Fitnessstudio.

Gerade in den stumpfesten, kaum mehr zweideutig zu nennenden Oralverkehr/Sperma Andeutungen zeigt sich hier das Problem. Und es heißt nicht Sex. Dass Menschen einvernehmlich Oralsex haben, ist ihre Sache und hat mit der gezeigten Werbung rein gar nichts zu tun. Das Problem heißt Sexismus. Eine kontextlose Degradierung von Frauen zu sexuell verfügbaren Objekten zwecks Produktbewerbung diskriminiert sie aufgrund von Geschlecht. Deswegen hat es auch nichts mit Prüderie zu tun, diese Werbung problematisch zu finden. Sondern mit Herabwürdigung.

Sex war nie das Problem. Sexismus ist es immer.

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