„Mama, du hast viele Muskeln, aber auch ganz schön viel Speck.“, stellte meine Tochter diese Woche fest, als ich aus der Dusche kam. Sie patschte auf meinen Bauch und wir mussten beide lachen. Nur hinter meinem Speck und meinen Muskeln saß ein kleines Männchen und fand das gar nicht lustig. Es war mal größer und lauter und hat lange Zeit als innere Stimme immer das wiederholt, was andere über meinen Körper gesagt haben, zum Beispiel: Für den Rock sind die Beine viel zu dick. Deine Ohren passen nicht zu deinem Kopf. Ganz schöne Glubschaugen. Sind die Brüste echt? 5 Kilo weniger wären auch okay. Und so weiter.

Das Männchen hat bei mir kaum noch was zu melden. Ich kann seine Stimme und die Kommentare zwar noch hören, aber ich stehe nicht mehr als Antwort vor dem Spiegel und suche Fehler an mir. Ich ärgere mich nur noch über die Zeit, die ich mit Selbstzweifeln verschwendet habe, statt den Leuten zu sagen, dass sie sich übergriffig verhalten und bitte die Fresse halten sollen.

Kommentare über Körper und Aussehen sind leider ein gängiges Mittel, um andere zu verunsichern: Dazu wird sich das derzeitige Schönheitsideal vorgenommen und mit der Person, die runtergemacht werden soll, abgeglichen, und alles, was nicht passt, wird kränkend benutzt. Erst sagt jemand etwas kränkendes zu mir, woraufhin ich anfange, das Gesagte zu verinnerlichen und mich dann ganz allein weiter zu kränken. Das ist ganz ganz großer Scheiß, weil es unglücklich macht und Selbstbewusstsein und Zeit frisst, was beides tolle Faktoren für ein schönes Leben sind.
Ich strenge mich sehr an, meinen Kindern ein gutes, gesundes Körper- und Okayseigefühl zu vermitteln. Bei uns sind Wörter wie dick, weich und dellig keine Schimpfwörter, sondern Zustandsbeschreibungen, die klingen wie Werbung für Küchenrolle und auch genau so wenig Bedeutung haben. Bei uns sehen einfach alle aus, wie sie aussehen.

Im Buch von Missy-Mitbegründerin Sonja Eismann und Illustratorin Amelie Persson ist das auch so, nur umfangreicher, informativer und schöner. Gleich der Titel zeigt, dass hier dem aufgeladenen Thema Aussehen die Macht lässig aus der Hand genommen wird. Denn die Antwort auf „Wie siehst du denn aus?“ ist nicht: ‚Bestimmt falsch, weil meine Beine nicht dünn genug, meine Brüste nicht oben genug, mein Haare nicht rasiert genug, meine (whatever) nicht (richtig) genug aussehen.‘ Die Antwort ist einfach nur ‚Na guck doch, so halt.‘, und dieses ‚So‘ wird als viele Ausseh-Möglichkeiten gezeigt. Von Kopf über Haare, Augenbrauen, Arme, Hände, Penisse, Vulvas, Hintern und Nasen bis Füße ist alles dabei. Zu jedem besprochenen Körperteil gibt es eine illustrierte Doppelseite, auf der zum Beispiel verschiedene Hintern zu sehen sind, verschiedene Hautfarben, Haardichten, Größen und Formen. Darauf folgt eine Doppelseite Text, auf der es kurze Absätze mit Informationen zum Körperteil gibt. Hier werden Funktionen des Körperteils erklärt, Schönheitsideale entlarvt, Perfektionsdruck rausgenommen oder unterhaltsame Exkurse in die Geschichte unternommen.

Ich bin froh für alle Kinder und alle anderen Menschen, die dieses Buch lesen und dabei zusehen und zulesen können, wie Sonja Eismann und Amelie Persson dem Perfektionskack eine Welt entgegensetzen, in der alle sind, wie sie sind. Und das auf eine wundervoll unaufgeregte und wertschätzende Art.

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Foto: Unsplash

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