Hallo Werbebranche, HACKT’S? Der Art Directors Club, renommierter deutscher Verein der Werber*innen, findet es unglaublich witzig, eine Portion Homophobie und Frauen*verachtung über ein paar deutsche Großstädte zu streuen. Ganz im Tenor von: Oh c’mon, it’s a word game. Wir meinen das doch nicht so. Pussies wird man für „Feigling“ doch wohl noch sagen dürfen. Nach dem Schock dieses ersten Bildes,

Katze

das uns im Hamburger Schneeregen begegnete, planten wir sofort einen Flashmob. Viele Menschen, die mit pinken Felldreiecken auf ihr Genital geklebt vor der beworbenen ADC-Veranstaltung auftauchen und per Banner fragen: „ADC, what’s your problem with pussys?“. Gerade hatten wir auf Twitter einen Protest gegen die Fußball-Bundesliga-Methode angeschoben, „schlechte“ Spieler als Strafe in pinke „Tussi“-Trikots zu stecken.

Pink, Pussy und Abwertung auf einem Plakat lässt nun einmal an Homophobie, an „Sei doch kein Mädchen!“ oder „Eier! Wir wollen Eier!“ denken. Aber nein. Wir Stinker*s sind sicherlich überempflindlich. Hier geht es doch um KATZEN! Um Grumpy Cats, die selbst vor Gurken Angst haben (und deshalb keine coolen Werbekampagnen bauen können)

oder zu passiv und mürrisch sind, irgendwo als spritziger Redner aufzutauchen.

PussyReferent

Pink ist außerdem die Farbe des Logos vom ADC, und „Katzen mit Mösen vergleichen? Also bitte, Pinkstinks. Das ist ja wohl etwas weit hergeholt.“

Auch, wenn „Don’t be a pussy“ tatsächlich im Anglo-Amerikanischen für „Sei kein Feigling“ steht, ist es gleichzeitig eine frauenfeindliche Abwertung. Nicht umsonst heißt die Vagina umgangssprachlich „pussy“, also „Muschi“. Schon Freud verglich die Möse gerne mit einer Katze. „Such a pussy“ wird gerne im Anglo-Amerikanischen als homophobe Abwertung benutzt und / oder als Statement, dass ein Mann einfach zu „weiblich“ ist. Nun ist aber der ADC ja nicht dumm. Die gesamte Kampagne hängt sicher nur bis morgen (Donnerstag bis Donnerstag), und online ist davon nichts zu finden. Etwas homophobes und frauen*feindliches Bashing auf der Straße, ein Lacher in den Agenturen, schon ist es wieder vergessen und der begehrte ADC-Preis wird weiterhin als einer der wichtigsten Trophäen der Werbeszene gefeiert, als Ausdruck von höchstem Stil.

Traurig, dass es selbst in den renommierten Etagen des ADC salonfähig ist, homophob und frauenfeindlich zu sein und dies von der Stadt Hamburg auch noch gefördert wird. Zum Glück sind wir beim Deutschen Werbefilmpreis in Hamburg diesen Freitag wenigstens mit massenhaft Stickern und Flyern präsent. 2016 werden wir aber vermehrt direkt in die Werbeagenturen gehen, um zu sensibilisieren und aufzuklären, was passiert, wenn unsere Gesetzenorm gegen sexistische Werbung 2016 im Gesetz verankert wird: Immerhin hat der SPD-Vorstand ein Verbot sexistischer Werbung schon angekündigt. Pussy-Abwertung ist dann nämlich verboten. Auch, wenn sie nur eine Woche hängt.

Pink makes a hell of a stink, übrigens. So was von. And we are heute very grumpy indeed.

Stevie und Lisa

Stevie und Lisa