Ich liebe Düfte. Mein erstes Parfum bekam ich mit 13 Jahren zu Weihnachten („Beautiful“ von Estée Lauder) – es folgte die halbe Douglas-Kollektion, bis ich mit Anfang Dreißig Kinder bekam. „Das riecht so nach Stevie!“, sagte meine beste Freundin immer, wenn sie mich in Studienzeiten besuchte und alles nach Jean-Paul Gaultiers Strapsen-Parfum roch.

Genau diese Strapse-und-Bustier-ohne-Kopf-Flasche in der Hand haltend fragte mich einmal ein Ex-Freund, wie das eigentlich passen würde: Mein Feminismus und Parfum. Süchtig nach synthetischen Duftstoffen ignorierte ich seine Frage stoisch. Erst nach langer Abstinenz als Säuglingsmutter, meine letzte Marc-Jacobs-Flasche war schon Monate alle, merkte ich auf der Suche nach neuem Stoff, dass ich skeptisch wurde. Warum sollte ich eigentlich „Beautiful“, angehimmelt („J’adore“), ein Gänseblümchen („Daisy“), ein Engel (Thierry Mugler) oder „So Pretty“ (Cartier) sein? Keines der Bilder, die die Parfums im Duty-Free-Shop oder Kaufhaus bewarben, sprachen mich mehr an. Devote, verführerische, sehr schlanke, junge, immer weiße Frauen, die sich muskelbepackten, wahnsinnig kernigen Männern hingaben. Bei aller Schnüffelsucht: Es ging nicht mehr.

Cate Blanchett zum Beispiel, die ich in ihren diversen und oft sehr starken Frauenrollen anbete,

wird in der Parfum-Werbung zur inhaltslosen Verführerin.

Dabei spricht sie mich, selbst im tollsten Kleid, viel mehr an, wenn sie solche derben Sätze spricht:

Oder Charlize Theron, die einen Oskar für ihre Rolle als Serienkillerin in Monster bekam: Die darf für Dior im Modelschritt und Goldkleidchen durch seichtes Wasser schreiten.

Bevor jetzt gleich die Kritik kommt, ob Frauen denn nicht auch mal einfach nur zart und schön sein dürfen: Natürlich dürfen sie das. Aber bin ich wirklich die einzige Frau auf der Welt, der einer fauchenden, rauen Cate Blanchett den Stoff viel lieber abkaufen würde? Die sich eher mit ihr als „Elisabeth“ in Ritterrüstung identifizieren möchte als sinnlich und perfekt geschminkt vor der Kamera räkelnd?

Ganz alleine bin ich damit wohl nicht. Deshalb hat Geza Schön einen neuen Duft konzipiert, der unter dem Namen „Feminista“ vermarktet wird: Ganz ohne Bilder! Im Werbetext steht unter anderem: „Our craving for conformity will be overpowered by our curiosity for the unknown.“ Das spricht mich schon mal sehr an. Ich mache mir lieber meine eigenen Bilder, als die ewig gleichen von der Industrie vorgesetzt zu bekommen.

Wir bei Pinkstinks durften das neue Parfum testen. Unsere einhellige Meinung: Sehr spannender erster Geruch! Die Komplexität bleibt allerdings nicht lange liegen – nur die fruchtigeren Töne bleiben auf der Haut. Wer also gerne junge Düfte mag, ist mit dem Parfum genau richtig.

Zum Glück gibt es inzwischen immer mehr Naturkosmetikdüfte, die ohne visuelles Marketing auskommen und die man inzwischen auch bei dm und co. finden kann. Dort schnüffle ich neuerdings herum. Noch trage ich eine britische Parfummarke, die ohne Bilder wirbt und trotzdem zu den großen Marken mit eigenen Verkaufsräumen zählt. (Nein, Jo Malone zahlt leider nicht für dieses Lob!) Dort muss ich mir keine Bilder anschauen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann und kann ewig im Laden stehen und zwischen pfeffrigen und süßen Noten hin- und herspringen. Zum Beispiel Waldsalbei für die Regen-, Freesien für die Sonnentage. Was ich mir als Hamburgerin also zu Weihnachten wünsche, ist dann wohl klar! Viel mehr aber: Zum Beispiel Weltfrieden, ein europäisches Glyphosatverbot, keine Erdbeben mehr und ganz viel Feminismus. Und euch alles, alles Liebe!

Eure Stevie