Vielen von euch wird es schon aufgefallen sein: Stereotype und sexistische Werbung haben saisonale Hochphasen, in denen für uns besonders viel zu tun ist. In der Vorweihnachtszeit zum Beispiel, zu Karneval oder zum Mutter- beziehungsweise zum Weltfrauentag. Ein Zeitraum fällt dabei aber ziemlich unter den Tisch, obwohl er in Sachen stereotype Darstellung von Frauen locker mit den anderen mithalten kann und mit unschöner Regelmäßigkeit seit Jahren dabei ist. Die Rede ist vom Frühjahrsputz.

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Die Sache an sich ist ja schon nervig genug. Aber seit Jahr und Tag wird diese Putzaufforderung mit Werbemotiven bebildert, die nahezu ausschließlich Frauen zeigen. Da hat sich seit den 50ern nicht viel geändert.

Und deswegen beschäftigt uns die Sache auch nicht zum ersten Mal. Schon 2014 haben wir uns mit Tchibo darüber in die Wolle gekriegt, dass es ziemlich uncool ist, wenn an zu bewerbenden Putzmitteln nur Frauen gezeigt werden, die dann dafür auch noch ihre Töchter rekrutieren.

Nicht, dass wir uns missverstehen: Selbstverständlich putzen auch Frauen und selbstverständlich darf Werbung das abbilden. Genauso wie Frauen an Waschmaschinen und Frauen am Herd. Wenn aber immer wieder nur Frauen bei Haushaltstätigkeiten gezeigt werden, dann wird man schon mal die zugrundeliegenden Vorurteile und Klischees ansprechen und hinterfragen dürfen. Und 2018 betrifft das Rossmann.

Wir erinnern uns: Rossmann, das waren doch die, die zum Weltfrauentag mit der Rossfrau um die Ecke gekommen sind und dafür heftig kritisiert wurden – auch von uns.

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Allerdings haben wir dabei auch nicht unerwähnt gelassen, dass wir es prinzipiell begrüßen, wenn sich Unternehmen zusammen mit Werbetreibenden Gedanken zu dem Thema machen und offen für Veränderungen sind. Wenn man ihnen das nämlich mit voller Wucht um die Ohren haut, hören sie einfach auf damit. Zum Vergleich: Wir und viele andere mögen das (zu Recht) kritisiert haben. Die Werbefachzeitschrift Horizont fand daran hingegen nichts auszusetzen. Dazwischen eine gemeinsame Sprache zu finden, um Stereotype und Sexismus angehen zu können, ist nicht einfach aber eben notwendig.

Das heißt aber auch nicht, dass wir überhaupt nicht mehr kritisieren, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Deshalb: Huhu, Rossmann, da sind wir wieder. Wir müssen über eure Putzmittelwerbung sprechen. Diese Darstellung von Haushaltstätigkeiten mit einem hippen Mutter-Tochter-Gespann nervt einfach.

Klar verstehen wir, dass man auch so etwas Lästiges wie Putzen nett bewerben muss, um die entsprechenden Produkte zu verkaufen. Und wir wollen auch gar nicht so tun als wärt ihr die einzigen. Wenn es darum geht zu zeigen, wer in Deutschland putzt, wurde sich großflächig auf Frauen verständigt. 

Aber es wäre so einfach, es besser zu machen. Das habt ihr doch selbst schon 2014 mit dem fensterputzenden Ingo gezeigt.

Und andere kriegen das inzwischen auch ziemlich gut hin (auch wenn sich an den sprachlichen Feinheiten noch arbeiten lässt).

Also warum nicht mal ein Vater-Tochter-Gespann putzen lassen, zwei Männer oder sonst irgendeine Kombination, die nicht schon wieder suggeriert, dass „das bisschen Haushalt“ ausschließlich Frauensache ist. Das ist uns Männern nicht nur zuzumuten, sondern holt uns da ab, wo sich viele von uns eben auch befinden: Beim Frühjahrsputz. Denn nicht nur hierfür gilt ein besonders wichtiger Lifehack: Wenn Ernie und Bert das können, dann können wir das auch.