Aus Rossmann wird für einen Tag Rossfrau. Der Konzern hat gemeinsam mit der Werbeagentur GGH MullenLowe ein Konzept entwickelt, mit dem bis zum 8. März  jeden Tag einen besonderen Aspekt des Frauseins gefeiert werden soll. Das klingt ziemlich cool. Weniger cool ist allerdings die Tatsache, dass es hier vorrangig darum geht, die Kundin zum Konsumieren zu bringen.

Denn so gut wir die eigentliche Idee finden, zum Weltfrauentag „Frauen auf vielfältige Weise zu feiern und sich für das Vertrauen der Kundinnen zu bedanken“, so sehr verschwindet hinter diesem Hochleben der Kundin die Tatsache, dass sie für viele Produkte täglich mehr ausgeben muss als der Kunde. Die 30%, die Rossmann ihr zum Weltfrauentag auf verschiedene rosafarbene und Haushaltsprodukte zum Frauentag schenkt, stehen ihr eigentlich eh zu: Die sogenannte „Pink-Tax“ war insbesondere in den letzten Monaten oft im Gespräch.

Darüber hinaus ist die große Frage: Muss sich ausgerechnet am Internationalen Frauentag, der nicht ohne Grund auch Frauen*kampftag heißt,

Frausein im Konsum von ein paar Drogerieprodukten erschöpfen?

„Lass die Frau raus“ mit Haarspray und Geschenketüte? „Lass die Sportskanone raus“, indem Frauen auf der Tribüne gezeigt werden?

Wie wäre es mit echten Sportskanonen wie die Williams Schwestern, die den Profi-Tennissport seit Jahren dominieren. Oder die Snowboarderin Ester Ledecka, die in den vergangenen Tagen der olympischen Winterspiele nicht nur Gold in ihrer Paradesportart sondern auch in der Super-G Skiabfahrt. Wie wäre es mit der Politikerin, der Chefin – und zwar jeden Tag im Jahr, nicht nur zum Weltfrauentag? Vielleicht würde sich genau dann ändern, dass 80% der Kunden von Rossmann Frauen sind, dass Frauen nach wie vor den Haushalt schmeißen und damit bundesweit unter Doppelbelastung leiden.

Wie wäre es mit Riot statt Rosen (oder Rasierern)? Gerade im Zusammenhang mit der #MeToo Debatte hätten wir uns für den 8. März ein bisschen mehr Wumms gewünscht. Auch wenn wir uns freuen, dass sich hier Werbetreibende Gedanken gemacht haben und eine grauhaarige und eine Frau of Colour glamourös im Blaumann inszeniert in ihre Galerie aufgenommen haben. Dass das 2018 von der Werbefachzeitschrift Horizont.net schon als Mut gefeiert wird, ist die eigentliche Traurigkeit, gegen die wir am Frauen*kampftag auf die Straße gehen sollten. Neben den Themen Equal Pay, Sexismus am Arbeitsplatz, sexualisierte Gewalt, Abschaffung von §219a, Elternarbeitszeitgesetz, Frauenaltersarmut und vielen anderen Themen, für die dieser Tag vorgesehen ist und nicht von der Wirtschaft gekapert werden sollte. Aber darüber können wir mit der Werbewirtschaft am Donnerstagabend zur Verleihung des Pinken Pudels in netter Runde reden. Denn Kommunikation ist alles.

Lieben Gruß, Stevie und Nils