Wer heute in ein Spielwarengeschäft geht, wird in eine Welt gedrängt, in der rosa Produkte für Mädchen vorgesehen sind und hellblaue für Jungen. Aber weder die Farbzuweisung noch Spielen an sich sind geschlechtergetrennt. Gender Marketing ist eine Erfindung des späten 20. Jahrhunderts.

Quellen

Alles deutet darauf hin, dass die Menschheit schon seit ihren Anfängen spielt. https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/spiele_und_spielzeug/geschichte_des_spielzeugs/index.html#Steinzeit

Puppen,Würfel, Dreidel, Knochen, Reifen und mehr– schon in der Antike standen Kindern eine ganze Reihe von Spielzeugen zur Verfügung. https://www.klassischearchaeologie.phil.uni-erlangen.de/realia/spiele/spiele2.html

Obwohl es dafür viele Artefakte und Textbelege gibt, ist nicht klar, ob geschlechtsspezifisch gespielt wurde. Zum einen der Besitz von Spielzeug lange Zeit eine Klassen- und keine Geschlechterfrage. Die Geschlechterfrage über Kleidung, Schmuck und Spielzeug nachdrücklich zu verkörpern, rückte erst beim Bürgertum ins Zentrum des Interesses. http://ieg-ego.eu/de/threads/modelle-und-stereotypen/europaeische-kleidermode-1450-1950/gabriele-mentges-europaeische-kleidermode-1450-1950

Zum anderen existiert Kindheit als Konzept einer eigenständigen Entwicklungsphase mit eigenen Bedürfnissen noch nicht sehr lange. https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/die-erfindung-der-kindheit/-/id=660374/did=14375846/nid=660374/27u3br/index.html

Für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich der Trend zum geschlechtsspezifischen Spielen jedoch deutlich erkennen. Im Zuge des Backlashes gegen emanzipatorische Erfolge in den 70er Jahren (http://susanfaludi.com/backlash.html) begannen sich Produkte und Werbung in den 80ern merklich zu verändern. Das lässt sich vor allem an der Spielzeugmarke Lego belegen. https://www.researchgate.net/profile/Stephanie_Reich/publication/321294731_Constructing_Difference_LegoR_Set_Narratives_Promote_Stereotypic_Gender_Roles_and_Play/links/5a83f367aca272d6501f46ea/Constructing-Difference-LegoR-Set-Narratives-Promote-Stereotypic-Gender-Roles-and-Play.pdf

Während Kinder zuvor geschlechtsübergreifend an Legosteinen Gefallen finden konnten, wurde im Zuge des in den 90ern etablierten Konzepts des Gender Marketings (https://books.google.de/books?id=6KQNRXrfJ5QC&redir_esc=y) geschlechtsspezifisch getrennt: Krach und Technik für Jungen, brav sein und Verschönerung für Mädchen. In den 00 Jahren mündete die zunehmende Stereotypisierung in offene Diskriminierung aufgrund von Geschlecht. https://www.bento.de/politik/sexismus-in-lego-werbung-kampagne-so-kompliziert-wie-eine-frau-wurde-gestoppt-a-a399fdce-b29a-47cc-a321-49fd831caffc