Als ich 2005 das erste Mal Vater wurde, hätte ich mir manchmal gewünscht, mich mit anderen Männern über ihre Erfahrungen austauschen zu können. Aber in meinem Freundeskreis war ich mit Mitte 20 der Erste mit einem Kind und auch mein älterer Bruder hat diesbezüglich erst später nachgelegt. Was ich aus dem entfernteren Bekannenkreis zu hören bekam war so albern bis übergriffig, dass ich sehr schnell auf Durchzug gestellt habe. Blieben noch Väterratgeber. Aber die gab es in der Form nicht. Der Typus und die Zielgruppe Neue Väter kam erst Ende der Nuller Jahre in Schwung. Und zwar mit dem Buch Papa To Go von Christian Busemann, das so erfolgreich in diese Marktlücke eingeschlagen ist, dass bis zum heutigen Tag eine Auflage die nächste jagt. Die schlechte Nachricht ist also, dass ich damit die (oft wirklich guten und informativen) Hinweise darauf, was zum Beispiel genau die einzelnen Einträge im Mutterpass bedeuten, welche Tests vorgenommen werden und was organisatorisch so alles zu erledigen ist, in diesem und vergleichbaren Büchern nicht bekommen habe. Die kann man sich natürlich auch in Elternratgebern holen, aber spezielle Informationen zum Thema Vaterschaft sind noch mal etwas anderes.

Die gute Nachricht ist, dass mir so auch die Konfrontation mit hohlen Klischees und (sagen wir, wie es ist) kackdreisten Sexismen zu einem Zeitpunkt erspart geblieben ist, an dem ich mich gegen die eine oder andere „Information“ nicht so gut hätte zur Wehr setzen können.

Denn unter dem Siegel ankumpelnder Witzischkeit werden da Sachen ausgepackt, die einem die Schuhe ausziehen. Sachen wie die scheinbar alles entscheidenden Fragen

„Wie schlafe ich mit einem ‚Wasserbüffel‘?“
„Wie bekomme ich die Matrone noch mal auf die Turnmatte?“
und natürlich
„Wer fummelt schon gerne herzhaft im Ausschnitt rum, wenn die scharfe Schleuder dabei plötzlich einnickt?“

Alles natürlich total lustig und ironisch gemeint. Mann liebt ja seine schwangere Partnerin und irgendwie hat man womöglich auch noch im Hinterkopf, dass man diese Schwangerschaft mitverantwortet hat und es dabei um den eigenen Nachwuchs geht. Trotzdem hat mann es schwer. Sehr schwer sogar.

Da ist es nur natürlich, wenn er sich fragt, ob er „dem mürrisch stöhnenden, ungelenken Schwangerschaftspummelchen noch einen brüderlichen Blowjob aus dem Kreuz leiern kann“. Um was könnte es bei der Schwangerschaft der Partnerin denn bitteschön sonst gehen?! Außer eben darum, wie mann noch an ein Nümmerchen mit „dem Fleisch-Panzer“ kommt.

Dass diese Form der anwitzelnden Übergriffigkeit keine so richtig dufte Idee sein könnte, hat der Autor nach eigenem Bekunden inzwischen auch bemerkt.

Leider ist ihm dabei entgangen, dass es neben seiner abwertenden Sprache noch ganz andere Probleme gibt. Wer ernsthaft Dinge wie „aber irgendwie lassen sich die Mädels ja dann doch immer noch mal bequatschen“ formuliert, der sollte dringend seinen Kompass hinsichtlich Einvernehmlichkeit, Respekt und eigener Arschlochhaftigkeit justieren. Mit dieser Grundeinstellung ist es nämlich nicht getan, einfach nur an Sätzen zu schrauben. Problematisch ist nicht, dass Busemann Sätze wie „Die Brustwarzen werden dunkler.“ schreibt. Problematisch ist, dass er das mit der Einschätzung „stört aber nicht“ versieht. Im Sinne von:

Junge, mach dir keine Sorgen. Da ändert sich zwar was in einer für dich wichtigen Zone, aber die Alte bleibt fickbar.

Daran ist nichts ok. Bei allem Verständnis dafür, dass dieser und andere Ratgeber in Publikumsverlagen nicht darauf abzielen, gendersensible Männer abzuholen, die sich fragen, was eine Schwangerschaft emotional für sie und ihre Partnerschaft bedeutet, wie sie Verantwortung übernehmen und mit der werdenden Mutter gemeinsam daran wachsen können – so geht das nicht. Klar wird in solchen Ratgebern vereinfacht, zugespitzt und übertrieben. Und selbstverständlich müssen mir „Männer und Technik, ne, kennste, ne“ Titel wie Baby – Betriebsanleitung: Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung nicht gefallen und haben trotzdem ihre Berechtigung. Aber wer schreibt, „dass schwangere Frauen unkontrollierbare Wesen sind, die Dinge von sich geben, die rein rational überhaupt nicht zu verstehen sind„, der sollte noch mal gründlich überlegen, was genau er da eigentlich gerade von sich gibt.