In den meisten Filmen, sogar in denen für Kinder, ist ein häufiger Teil der Geschichte diese hier: Ein Frau und ein Mann können sich zu Beginn nicht wirklich gut leiden. Sie findet, er macht albern auf dicke Hose und nimmt sie als Frau nicht ernst, er findet, sie ist ganz schön zickig und übertreibt mit allem. Die beiden sind aber durch widrige Umstände gezwungen, zusammenzuarbeiten. Das klappt erst nicht so gut, dann rettet er beide durch etwas sehr Mutiges und sie sinkt ergeben in seine Arme für einen Kuss.

Das klingt ziemlich furchtbar, oder? Der Typ findet sich offensichtlich richtig toll und respektiert die Frau nicht, sie mag ihn eigentlich nicht und doch ignoriert sie sein überhebliches Macho-Verhalten und scheint sich am Ende eigentlich nichts sehnlicher gewünscht zu haben, als in seinen Armen zu liegen. Es gibt aber etwas, das noch furchtbarer ist: Nämlich für wie normal wir diese Geschichten halten. Das fällt uns meistens erst dann auf, wenn eine Geschichte mal anders erzählt wird. Wenn zum Beispiel Mann und Frau (oder einfach Menschen) gleichberechtigt zusammenarbeiten, gemeinsam ihre Mission erfüllen und sich am Ende mit einem High-Five und einem ‚Man sieht sich‘ verabschiedet.

Aber es scheint für Frauen immer noch noch erstrebenswert und zeitgemäß zu sein, nach dem Prinzen zu suchen, ihn zu heiraten, Kinder zu bekommen, erst in die Teilzeit und dann in die Altersarmut zu rutschen oder zu den 35,79 % derer zu gehören, die sich zum Beispiel 2019 haben scheiden lassen. Echt mal, wäre die Ehe eine Fahrt im einer Looping-Bahn und der junge Mann zum Mitreisen würde beim Überprüfen der Sitzsicherung sowas sagen wie: „Tja, also bei knapp 40 % Mitfahrenden geht das Ding auf und die Fahrt nach hinten los“, wer würde überhaupt einsteigen?

Und tatsächlich beschließen Menschen inzwischen, lieber Single zu bleiben. Und damit sind jetzt nicht die gemeint, die auch in den Filmen vorkommen und zu trauriger Musik in strömendem Regen durch einsame Straßen schleichen und von draußen in Häuser gucken, in denen glückliche Paare am Kamin stehen oder über einen total guten Witz ihrer Kinder lachen. Sondern die, die Singlesein einfach gut finden. Die gern allein sind und sich eben nicht von Pärchen vorschreiben lassen wollen, dass sie in die falsche, bemitleidenswerte Lebensform geraten sind. Die psychologische Forschung kann inzwischen beweisen, dass Singles eben auch alles andere als bedauernswert und kauzig ichbezogen sein müssen, wie z.B. die Psychologin Bella de Paulo im Interview sagte:

„Singles neigen dazu, sich persönlich besser zu entwickeln und auf bedeutsame Art und Weise zur Gesellschaft beizutragen. Ein Klischee über Singles besagt ja, dass diese Menschen immer nur ganz egoistisch auf das eigene Vergnügen aus sind. Dabei übernehmen sie in Wahrheit viele ehrenamtliche Aufgaben und kümmern sich um andere Leute.“

Ja, es ist schon schön, wenn Menschen einfach so leben können, wie sie wollen, und dass es meist sogar eine Bereicherung für die ist, die mit der Beziehung gar nichts zu tun haben, weil die Menschen grundsätzlich glücklicher sind.

Und was ist, wenn Menschen weder in einer monogamen Beziehung noch allein leben wollen, sondern zu mehreren? Polyamorie nennt sich das, wenn Menschen erotische Liebesbeziehungen zu mehr als einer Person haben, und: alle Beteiligten davon wissen. Das klingt für Monogamie-Verfechter*innen ganz schön kompliziert und ist bestimmt nicht jedermenschs Sache. Aber Polyamorie bedeutet auch, dass automatisch sehr viel geredet wird. Über Bedürfnisse, Erwartungen, Gefühle, auch die negativen. Ohne Ehrlichkeit funktionieren die Beziehungen nicht, aber mal ehrlich, gilt das nicht für alle Lebensmodelle?

Es ist doch so: Alle Menschen möchten glücklich sein. Und das gelingt ihnen am besten, wenn sie ehrlich zu sich selbst und zu denen sind, mit denen sie zusammenleben. Innerhalb dieser Ehrlichkeit kann herauskommen, dass sie am liebsten monogam mit einem Menschen zusammenleben, heiraten und eine Familie gründen. Aber dieses klassische, stets bemühte und hochgelobte Lebensmodell sollte doch für das Glück aller Menschen am besten eine Option und keine Voraussetzung sein, wie unter anderem die britische Komikerin Rosie Wilby in ihrem spannenden Ted-Talk zum Thema Monogamie deutlich macht.

Und wenn dann Menschen ehrlich finden, dass sie einfach lieber allein sind, sollten sie vielleicht nicht überheblich bemitleidet, sondern mit ihrer Entscheidung in Ruhe gelassen werden. Das gilt auch für die Menschen, die sich überlegen, dass sie eine Beziehung oder eine Familie nicht im Mutter-Vater-Kind-Modus, sondern im Viele-Menschen-lieben-sich-offen-wie-sie-wollen-Modus haben wollen. All das bedeutet nicht, dass klassische Familien deshalb weniger wert sind oder Gefahr laufen, ausgelöscht zu werden. Es bedeutet einzig und allein, dass wir alle verschiedene Menschen sind, uns verschiedene Dinge vom Leben wünschen und es ein Glück ist, dass wir alle so sein und leben können, wie wir das wollen. Wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass ein Modell das Richtige für alle ist. Völlig gleich für alle Menschen sollte nur sein, dass sie die Auswahl haben, so zu leben, wie sie wollen. Und den Mut und die Umgebung, ehrlich zu sich selbst und den anderen zu sein. Das ist es nämlich, was wirklich zum Happy End führt.


Statista

Vice

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