Vor einigen Tagen hat mich meine neunjährige Tochter mit dem Wunsch überrascht, Skaterin zu werden. Darauf habe ich wie immer reagiert, wenn eines meiner Kinder mit einer Idee um die Ecke kommt, die mir unfassbar gefährlich erscheint (ziemlich viele Ideen tun das, um ehrlich zu sein – ich bin ein Angstvater): Ich atme tief durch, um  dem Kind nicht meine eigene Panik aufzuhalsen und führe ein telepathisches Gespräch mit ihrer Mutter.

Ich: “Aaaaaaaaaaaaaaah!”
Sie: “Beruhige dich.”
Ich: “Aber was, wenn sie sich verletzt?!”
Sie: “Tja, das kann passieren, aber sie wird das sicher toll machen.”
Ich: “Erst neulich hatte sie ein Loch im Kopf!!!”
Sie: “Da war sie vier.”
Ich: “Echt jetzt? Kommt mir kürzer vor.”
Sie: “Ach nee.”
Ich: “Sollen wir sie das wirklich machen lassen?”
Sie: “Auf jeden Fall.”
Ich: “Ich sollte vielleicht vorher noch im Internet recherchieren.”
Sie: “Davon lässt du dich ja sowieso nie abhalten.”

Da hat sie allerdings recht. Ich bin ein Faktenfreak. Obwohl man im Prinzip nie genug Daten hat, damit sich Entscheidungen praktisch von selbst ergeben, versuche ich es immer wieder. In diesem Fall schaue ich mir 30 Minuten lang Bilder und Schilderungen von üblen Skateboardverletzungen an, die mich diesmal allerdings weniger als sonst verstören. Ich könnte jetzt behaupten, dass ich mittlerweile voll abgebrüht und alles bin. Stimmt aber nicht. Ich bin einfach nur abgelenkt. Weil ich nebenher noch schaue, welche coolen Skateboarderinnen es gibt, und die Suchmaschine Ergebnisse ausspuckt, die ich gar nicht gesucht habe. Klar, ich lande auch bei dem tollen Girls Skate Network, frage mich aber schon, wieso die Suche nach “female skateboarders” mir als allererstes “The 10 sexiest female skateboarders” liefert. Von da an geht alles in bewährter Pinkstinks Manier: Ein “Och Nööö!” führt zum nächsten. Von professionellen Skateboardern, die der Meinung sind, dass dieser Sport überhaupt nichts für Mädchen sei

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über Onlineshops, die sich in der Wahl sexistischer Motive bei der Gestaltung ihrer Boards gegenseitig übertrumpfen (“weil Brüste und Skateboarding einfach Sinn machen”)

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bis hin zu völlig zusammenhangslos sexualisierter Werbung.

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Wirklich schade. Mit Sicherheit stehen diese Beispiele nicht für den gesamten Sport. Seit einiger Zeit macht zum Beispiel auch die Geschichte darüber die Runde, wie Mädchen in Afghanistan zum Skateboarden kamen – mit sehr berührenden, kraftvollen Bildern.

Und es nicht nur eine Organisation, die sich darum bemüht, diese und andere Sportarten für Mädchen zu öffnen und sie darin zu unterstützen, sondern mehrere. In Deutschland unter anderem auch die der sehr coolen Menschen von Suck My Trucks. Es ist also weder schwarz noch weiß, aber an zu vielen Stellen sexistisch – wie so oft.

Eines steht nach dieser Recherche allerdings fest: Das Ganze wird mit Sicherheit nicht dadurch besser, dass ich meiner Tochter das Skateboarden verbiete. Schauen wir mal, was sie daraus macht.