Wie im Dezember versprochen, wollen wir in diesem Jahr öfter mal dafür statt dagegen sein. Deshalb starten wir das Jahr 2016 mit einer recht positiv gestimmten Pinkwatch. Seit ein paar Wochen läuft der neueste Star Wars Teil „Das Erwachen der Macht“ in den Kinos. Viele feiern den aktuellen Streifen wegen seiner weiblichen Hauptdarstellerin als feministische Errungenschaft. Vielleicht sogar zu recht. Wir schauen mal genauer hin (Achtung Spoiler!).

Rey und Finn

Nachdem die vorigen Star Wars Episoden hauptsächlich mit männlichen Darstellern und ausschließlich mit männlichen Helden besetzt wurden, bricht der neuste Teil mit dieser Tradition. Klar waren Prinzessin Leia und Königin Padme auch wichtige Hauptdarstellerinnen, ihre Aufgaben bestanden (mit einigen Ausnahmen) jedoch darin, schön auszusehen, zart und stereotyp weiblich zu sein. Wir denken nur an die berühmte Bikini-Szene mit Carrie Fisher aus 1983 oder Natalie Portmans knappes Kampfoutfit aus 2005.

padme und leia

Die Schrottsammlerin Rey, gespielt von Daisy Ridley, unterscheidet sich allein schon rein optisch von ihren Vorgängerinnen. In langer Kleidung wirkt sie erstaunlich angezogen für eine Superheldin und zudem wie eine Kriegerin, mit der nicht zu spaßen ist. Klar hat sie, ähnlich wie ihre Vorgängerinnen, kein Gramm zu viel auf den Rippen, ist ebenso weiß und normschön. Trotzdem spielt sie kein zartes, verletzliches Pflänzchen, sondern eine starke, zielstrebige junge Frau, die genug Muskelkraft und Grips aufbringt, um alleine auf dem Wüstenplaneten Jakku als Schrottsammlerin zu überleben. Sie trägt kein auffallendes Make-Up, ihre Haare sind stets aus dem Gesicht gebunden und ihr komplettes Outfit wirkt funktional, was sie gleich noch authentischer macht.

Rey

Schon relativ zu Beginn des Films zeigt sich, dass Rey kaum fremde Hilfe nötig hat. Als Diebe ihren neuen Droiden stehlen wollen, schafft sie es geschickt mit feinster Kampfkunst die Angreifer auszubooten. Auch den Versuch ihres Begleiters Finn sie im Kampf an der Hand hinter sich herzuziehen, kontert sie verständnislos: “Wieso nimmst du meine Hand? Ich kann alleine laufen.“ Und überholt ihn dabei prompt. Während des gesamten Films beweist sich Rey immer wieder neu: Als Pilotin des Millennium Falke, als kreative Technikerin, starke Kriegerin und loyale Freundin auf Augenhöhe. Besonders letzteres ist auffallend positiv. Denn zwischen Rey und dem ehemaligen Stormtrooper Finn (John Boyega) entwickelt sich mal keine schnulzige Liebesgeschichte. So bricht der neue Star Wars mit alten Mustern und beweist dabei, wie wunderbar Freundschaft geschlechterunabhängig funktionieren kann.

finn und rey

Disney gelingt es so endlich mal ein weibliches Role Model zu schaffen, welches sich weder optisch noch charakterlich in die eintönige Prinzessinnen und Frozen-Charaktere einreiht. Wie gut das auch bei Mädchen ankommt, wird auf Twitter deutlich. Als Neujahrsgeschenk ein Rey T-Shirt und eine selbstgebaute Lanze. Irgendwie cool.

Bei so einem starken weiblichen Vorbild sollte es doch eigentlich auch nichts zu meckern geben. Trotzdem gibt es eine Kleinigkeit, die uns wundert. Rey entdeckt im Filmverlauf „die Macht“ und lernt sie für sich zu nutzen. So schafft sie es sich aus der Gefangenschaft zu befreien und sogar im finalen Kampf ganz im Jedi-Stil das Laserschwert zu schwingen. Doch wie ist das möglich? Bei ihren Vorgängern Anakin und Luke war jahrelanges Training durch ihre jeweiligen Jedi-Meister nötig, um dem richtigen Umgang mit „der Macht“ oder dem Schwert zu lernen. Hier wirkt der Eifer der Filmemacher*innen, eine neue Superheldin zu schaffen doch etwas übertrieben. Ein bisschen sogar so, als müsste die Weiblichkeit durch eine extra Portion „badass“-sein kompensiert werden?

Rey ist übrigens nicht die einzige weibliche Charakterüberraschung. Carrie Fisher tritt beispielsweise erneut als Leia auf. Dieses Mal führt die einstige Prinzessin mit Ruhe, Kalkül und Durchsetzungskraft als Mutter der Revolution die Widerstandbewegung im Kampf gegen die „Erste Ordnung“ an. Eine zweite Darstellerin ist Lupita Nyong’o alias Maz Kanata, eine alte Freundin Han Solos und diejenige, die im Laufe des Films in Rey „die Macht“ entfacht.

Star Wars gelingt es dieses Mal zeitgemäße, durchaus feministische Charaktere zu schaffen, ohne sie dabei aufgesetzt wirken zu lassen. Auch wenn man mitnichten von einer gleichwertigen Geschlechterverteilung im Film sprechen kann, gibt es von uns also ein “Daumen hoch”. Denn wie cool ist es bitte 2016 gleich mit mehreren weiblichen Vorbildern starten zu können?

Pinkstinks Team